Schüler beim Amtsgericht, aber nicht als Angeklagte, sondern als Besucher. Foto: factum/Granville

Heute hat es die Richterin am Amtsgericht Andrea Bischoff-Schwarz mit 24 Kindern im Alter von acht bis zwölf Jahren zu tun. Aber keine Sorge – sie haben nichts verbrochen. Die Schüler aus Weil der Stadt sind mit ihrem Ferienkurs nach Leonberg gekommen, um zu lernen, wie ein Gericht in Wirklichkeit funktioniert.

Leonberg - Heute hat es die Richterin am Amtsgericht Andrea Bischoff-Schwarz mit 24 Kindern im Alter von acht bis zwölf Jahren zu tun. Aber keine Sorge – sie haben nichts verbrochen. Die Schüler aus Weil der Stadt sind mit ihrem Ferienkurs nach Leonberg gekommen, um zu lernen, wie ein Gericht in Wirklichkeit funktioniert.

Der Direktor des Amtsgerichts Gerhard Binder freut sich über die aufgeweckten Schüler. Die Kurse geben ihm die Möglichkeit, den Kindern die echte Welt der angewandten Justiz zu zeigen, abseits von Nachmittags-Gerichtsshows. „Diese Sendungen zeigen einfach vieles, das überhaupt nicht stimmt. Wir sehen das hier auch als Korrektiv“, sagt Binder.

Für die Schüler ist der Rundgang durch das Amtsgericht faszinierend. Egal, ob beim amtseigenen Wachtmeister oder zwischen den staubigen Akten auf dem Dachboden des Gerichtsgebäudes in der Leonberger Altstadt. Ihren scharfen Augen entgeht nichts. Als die Richterin Bischoff-Schwarz ihnen ihr Büro zeigt, geht sofort die erste Hand nach oben. Ein Mädchen möchte wissen, warum sie denn eine Diddl-Maus an der Pinnwand hängen hat. Die Stoffmaus entpuppt sich als ein Geschenk der Tochter der Familienrichterin. Die Frage mag lapidar erscheinen.

Stofftiere gehören zur täglichen Arbeit am Gericht

Doch für Tina Neubauer gehören auch Stofftiere zur täglichen Arbeit an einem Gericht. Sie ist Zeugenbegleiterin am Landsgericht in Stuttgart und leitet den Ferienkurs. „Kuscheltiere können Kindern helfen, ihre Nervosität zu kontrollieren, wenn sie vor Gericht aussagen müssen. Aber auch so manchem Erwachsenen können wir mit einem kleinen Begleiter noch helfen, wenn er vorgeladen wird“, erklärt sie. Die Kinder sind beeindruckt und bohren sofort nach. Leider muss ihnen Richterin Bischoff-Schwarz erklären, dass sie ihre Hunde oder Kaninchen nicht mit in den Gerichtssaal bringen können.

Den krönenden Abschluss macht schließlich ein kleines Planspiel. Die Kinder dürfen selbst in die Rolle von Richter, Angeklagtem oder Staatsanwalt schlüpfen. Tina Neubauer hat ihnen Rollenbeschreibungen und ein Szenario mitgebracht: Ein 15-Jähriger hat eine CD geklaut und ist erwischt worden. Auf seiner Flucht hat er den Kaufhausdetektiv zu allem Überfluss auch noch leicht verletzt. Jetzt muss er sich vor Gericht verantworten.

Lisa und Lea Bößmann sind Richterin und Staatsanwältin

Er bekomme zu wenig Taschengeld und habe ein Geburtstagsgeschenk für einen Freund gebraucht, beteuert der junge Delinquent bei seinem umfassenden Geständnis. Der Staatsanwalt fordert, dass er den Schaden ersetzen und dem verletzten Wachmann bei der Gartenarbeit helfen muss. Das Gericht teilt diese Auffassung und brummt dem geläuterten Jugendlichen zusätzlich zum Schadensersatz noch 30 Sozialstunden auf.

Lisa Bößmann und ihre Schwester Lea waren ganz vorne mit dabei. Das Los erkor Lisa zur Richterin und Lea zur Staatsanwältin. Sie wollten heute einfach mal sehen, wie ein Gericht eigentlich funktioniert und wer hier so arbeitet. „Auf der Richterbank war es total witzig“, sagt die elfjährige Lisa. Immerhin kommt es nicht alle Tage vor, dass man sie zur Freizeitrichterin macht.

Kurz bevor die Kinder wieder zurück nach Weil der Stadt fahren, muss aber noch eine wichtige Frage geklärt werden: Wo ist denn der Hammer, mit dem Richter im Saal für Ruhe sorgt und seine Urteilssprüche lautstark untermalt? Auch das kann die Richterin Bischoff-Schwarz aufklären: „Solche Hämmer, wie in den amerikanischen TV-Sendungen, gibt es in Deutschland nicht. Da würden ja auch sicher alle Tische von kaputt gehen.“

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