Leonberg Von Fledermäusen und Feuerwehren

Von Ute Jenschur und Arnold Einholz 

Junge Holzbaumeister basteln Nistkästen für Fledermäuse. Foto: factum/Bach
Junge Holzbaumeister basteln Nistkästen für Fledermäuse. Foto: factum/Bach

Dorffest der Feuerwehr in der Ortmitte und Kindertag im Museum – so sieht ein aktives Wochenende in Gebersheim aus. An diesem Montag gibt es zum Festausklang den traditionellen Wurstsalat.

Leonberg - Was macht der Kommandant einer Dorffeuerwehr am Sonntagnachmittag? Während im Festzelt nebenan der halbe Ort Schnitzel, Maultaschen und selbst gemachten Kartoffelsalat genießt, sitzt Andreas Schneider in einer stillen Ecke im Hof der Feuerwehr Gebersheim und faltet Servietten um die frisch gespülten Bestecke.

Doch die Ruhe währt nur kurz, zwei Helferinnen greifen sich das Tablett mit den Esswerkzeugen: „Wir brauchen mehr, die Leute stehen Schlange!“, lassen sie Andreas Schneider wissen. Der holt sich Verstärkung. „Unser Nordlicht muss her“, scherzt er, denn Felix Apel ist als erster zur Stelle. Der Ingenieur aus Bremen arbeitet bei Porsche, und als Schneider erfahren hat, dass der bereits in seiner Heimat bei der Feuerwehr aktiv war, hat er Apel überzeugt, jetzt auch in Gebersheim mitzumachen.

Auf die Frage, wie er sich eingelebt habe, meint Apel: „Feuerwehrkammeraden sind überall etwas Besonderes, hier in Schwaben sprechen sie nur anders, aber kochen und löschen tun sie auch mit Wasser“, lautet sein Urteil und die gesamte Runde lacht.

22 aktive Männer und eine Frau hat die Gebersheimer Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr Leonberg. Hinzu kommen etwa 20 Mitglieder aus der Altersabteilung. Die Tagesbereitschaft kann die Abteilung noch stemmen, dabei wird sie von der Leonberger Feuerwehr unterstützt, denn die rückt bei einem Alarm aus Gebersheim gleichzeitig aus. „Wir haben ja nur ein Fahrzeug“, sagt Schneider fast entschuldigend. Unterstützung aus Leonberg hat es auch beim Fest gegeben. Am Samstag sorgte der Schalmeienzug für einen zünftigen Auftakt und für den Sonntag hatte die Jugendabteilung eine Spielstraße für die jüngsten Festbesucher eingerichtet.

Dabei müssen alle Gebersheimer Feuerwehrleute samt Familien Hand anlegen, damit das dreitägige Feuerwehrfest in der Ortsmitte problemlos vonstatten gehen kann. Rund 300 Sitzplätze hat das Festzelt, auch im Freien stehen zahlreiche Biertische und Bänke. „Etwa 600 Gäste schauen jeden Tag vorbei“, sagt Schneider zufrieden. Montags komme häufig Besuch von Wehren aus dem Umland. „An dem Tag haben die Feuerwehren meist ihre planmäßigen Übungen und dann lassen sie den Tag bei uns ausklingen“, weiß der Gebersheimer Feuerwehrchef. An diesem Montag gibt es ab 14.30 Uhr noch den Seniorennachmittag, bevor ab 17 Uhr das Fest mit dem traditionellen Wurstsalat ausklingt.

Das Fest findet nun schon zum 33. Mal statt. Wie alles begonnen hat, weiß der Gebersheimer Kommandant nicht mehr. „Wilhelm, hast du eine Ahnung?“, fragt Schneider den CDU-Ortschaftsrat und Alterskammeraden Wilhelm Gieck, der gerade vorbeikommt. „Na, wahrscheinlich hatte es mal wieder an Geld gefehlt“, meint der halb im Scherz und liegt wohl mit seiner Vermutung nicht daneben. „Auch heute kommt der Erlös des Festes der Kameradschaft zugute“, erläutert der Abteilungskommandant Schneider.

Dass Lernen Spaß machen kann, beweist der Aktionstag des Bauernhausmuseums Gebersheim einen Steinwurf entfernt. Auf der großen Wiese beim Bauernhausmuseums tummeln sich am Samstag gut zwanzig Kinder. Gleich am Eingang bewundern zwei Mädchen das Insektenhotel, das jetzt, Ende Mai gut besucht ist. Nur wenige Meter weiter üben sich zwei Jungs im Hufeisenwerfen und weiter hinten sind zwei Jugendliche dabei, mit der Zugsäge einen Ast zu zerkleinern.

Handys und elektronische Spiele sind an diesem Tag tabu. Es geht auch ohne: Handwerkliche Fähigkeiten sind gefragt und bei den Kindern sehr beliebt. Für den Kinder-Aktionstag denkt sich Organisator Werner Holler immer etwas Besonderes aus. Diesmal stehen Fledermäuse im Mittelpunkt.

Aus Fichtenholz soll ein Nachtquartier für Fledermäuse entstehen. Die Außenseite wird von den Kindern ganz glatt gehobelt. „Innen dagegen bleibt das Holz sägerau“, erklärt Holler, „damit sich die Fledermäuse daran festhalten können.“ Eigentlich sieht das Ganze aus wie ein Briefkasten, nur mit dem Briefschlitz an der Unterseite. Dort ist die „Einflugschneise“ für die Tiere. Wie wichtig die Fledermaus für unsere heimischen Obstwiesen ist, macht Holler den Kindern deutlich: Der Nachtschmetterling, der seine Eier mit Vorliebe in Äpfeln ablegt, hat nur einen Feind, die ebenfalls nachtaktive Fledermaus. Sie frisst den Falter leidenschaftlich gerne und trägt dadurch zu gesundem Obst bei. Das leuchtet den Kindern ein und so sind sie mit Feuereifer dabei, als es ans Zusammenschrauben der sechs Einzelteile geht.

Wie das funktioniert, hat sich Werner Holler zusammen mit seiner Frau im Urlaub in einem Workshop angeeignet. Wichtig ist: die Einflugöffnung muss unten sein, Spalten im Inneren oder raue Innenwände machen den Kasten für Fledermäuse attraktiv und für Vögel uninteressant. Aufhängen sollte man die Holzbox in etwa vier Metern Höhe, an einer warmen, nicht zu windigen Stelle. Vor dem Einflugloch dürfen keine Hindernisse sein und Gruppen von fünf bis zehn Kästen haben sich bewährt. Dann sind die Chancen groß, dass auch wirklich Fledermäuse einziehen, denn die sind gesellige Tiere.

Lesen Sie jetzt