Der Krieg forderte Millionen Tote und unzählige Verletzte, die häufig bis an ihr Lebensende von den erlittenen Wunden gezeichnet waren. Foto: privat

Im Krankenhaus der Stadt war ein Lazarett für verwundete Soldaten eingerichtet. Ein eigens gegründeter Verein unterstützte die Arbeit der Ärzte. Die Frauen schneiderten und strickten, um die Ausstattung der Frontkämpfer zu verbessern.

Leonberg - Als am 28. August 1914 die rund 1000 Mann des Landsturm-Bataillons Leonberg den Zug in Richtung Front bestiegen, war die Begeisterung noch groß. „Das erhebende Bewusstsein, gemeinsam für die Erfüllung einer heilig großen Aufgabe sich bereit zu stellen, lässt die Unterschiede des seitherigen Zivillebens verschwinden“, schrieb seinerzeit die Glems- und Würm-Gauzeitung. Doch nicht einmal einen Monat später folgte die Ernüchterung – seitenweise erstreckten sich die Auszüge aus amtlichen Listen an Verlusten. Bald sollten solche Veröffentlichungen eingestellt werden. Das Massenabschlachten von Soldaten und Zivilsten hatte seinen Lauf genommen und überstieg alles bis dahin Gewesene. Groß war auch die Zahl der Verletzten, die in die Lazarette in die Heimat verlegt wurden.

Ein erstes Bild von dem, was die Soldaten zu erdulden hatten, konnten sich die Leonberger am 18. September 1914 machen, als die ersten Patienten im örtlichen Krankenhaus eintrafen. Das lag in der heutigen Bahnhofstraße, wo heute das Johannes-Kepler-Gymnasium steht. Die Soldaten waren in der Schlacht um St. Die und Nancy verwundet worden. Es waren 30 leichter Verwundete aus dem Rheinland. Das 1912 erweiterte 80-Betten-Krankenhaus Leonberg war zu einem sogenannten Teillazarett, in dem 40 Betten für Kriegsverwundete zur Verfügung standen, umfunktioniert worden.

Bei Kriegsausbruch waren zwei Ärzte ohne Job

Der Kriegsausbruch hat praktisch die Arbeitsplätze der beiden Ärzte Friedrich Emil Ludwig und Paul August Wider gerettet. Im April war ihnen überraschend gekündigt worden. Angesichts der Turbulenzen am Leonberger Krankenhaus heute, 100 Jahre später, kommt einem die Begründung irgendwie bekannt vor: „Im Interesse der Rentabilität des Bezirkskrankenhauses soll ein besonderer Krankenhausarzt angestellt werden, der namentlich auch auf dem Gebiet der Chirurgie Erfahrung besitzen sollte.“ Gefunden wurde Max Wiegandt, bis dahin Assistent am Wilhelmsspital in Stuttgart.

Doch der Krieg warf die Pläne über den Haufen. Wiegandt musste als Stabsarzt in ein Lazarett an die Westfront. Ludwig und Wider hingegen versahen ihre bisherigen Aufgaben bis zum Kriegsende. Nicht nur Oberamtswundarzt Wider versorgte die Soldaten, sondern auch sein Kollege Ludwig war chirurgisch vorgebildet. Er war in der Chirurgischen Klinik in Tübingen tätig gewesen. Während des Krieges 1870/71 gegen Frankreich war er ordinierender Oberarzt im Festungsspital Ulm.

In Leonberg galt es vor allem die Verwundeten zu verarzten, denn die Erstversorgung war anderorts, meist in den Feld-Lazaretten vorgenommen worden. Die Verwundeten und die kranken Zivilisten wurde von vier Diakonissen gepflegt. Zudem gab es vier Dienstmädchen und einen Hausmeister im Krankenhaus.

Wie aus dem Buch „I läb no!“ hervorgeht, war als Träger des Lazaretts ein eigens nach Kriegausbruch gegründeter Lazarettverein tätig. In diesem Band aus der Reihe „Beiträge zur Stadtgeschichte“ haben die Autoren Ernst und Lilienne Haaf die Geschichte und die Geschichten rund um die Leonberger Krankenhäuser zusammengetragen. In Württemberg gab es rund 400 solcher Vereine, die auf eine große Welle der Hilfsbereitschaft bauen konnten.

Samariterausschuss wurde ins Leben gerufen

Der örtliche Bezirkswohltätigkeitsverein und das Rote Kreuz riefen einen Samariterausschuss ins Leben, dem der Dekan Eugen Lachenmann vorstand. Immer wieder gab es Aufrufe in der Zeitung, den Verein zu unterstützen. Der Ausschuss wollte das mit 40 Betten eingerichtete Lazarett mit Verbandszeug, Wäschebedarf und anderem ausstatten, aber auch die Soldaten an der Front mit Socken, Hemden, Handschuhen und Paketen versorgen.

Seine Majestät hatte die Soldaten anscheinend etwas spärlich ausgestattet, sonst hätte man nicht von den ersten Kriegstagen an um Unterhosen, Hemden und Strümpfe betteln müssen. Die Leonberger Frauen taten ihre Pflicht: Sie strickten und schneiderten, was das Zeug hielt.

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