An einer Harley lässt sich der Sound auf Knopfdruck regulieren. Foto: B. Grau

Die Grün-Rote Landesregierung will gegen laute Motorräder vorgehen. Mit einer Bundesratsinitiative will sie europaweite Vorschriften und effektivere Kontrollen erreichen. Die Betroffenen haben dazu sehr unterschiedliche Ansichten – wir haben uns am Glemseck umgehört.

Lärm sei zu einer bedeutenden Umweltbelastung geworden, die erhebliche gesundheitliche Schäden verursache, erklärten kürzlich Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Gisela Splett, die Lärmschutzbeauftragte des Landes. Besonders Motorradlärm sei ein Problem. Deshalb sollen europaweit wirksame Vorschriften her, analog zu anderen EU-Normen, beispielsweise für Abgase. Auch die Polizei müsse effektiver kontrollieren können. Die Motorradfahrer am Glemseck sind sich uneins, was sie davon halten sollen. Die einen begrüßen die Vorschläge zumindest teilweise, andere fürchten um ihre Freiheit als Biker.

Hannelore Sonnet und Joe Scheytt kennen sich aus mit Motorrädern. Sobald das Wetter gut ist, kommen die Biker scharenweise ans Glemseck. Dennoch haben die Wirtin und ihr Bruder unterschiedliche Meinungen. „Es ist völlig in Ordnung, wenn sich Biker eine schönere Auspuffanlage anbauen. Aber manche übertreiben einfach“, sagt Joe Scheytt. Gerade nachts in der Stadt sei es schlimm. Als er kürzlich gegen 23 Uhr in einer Eltinger Kneipe gesessen habe, drehte ein Motorradfahrer voll auf: „Den hat man bis zum Leo-Center gehört. Das darf einfach nicht sein“, meint Scheytt.

Oft seien es Harley-Davidsons, denn die könne man kaum leise fahren. „Und dann wird bei Kontrollen über die Polizei geschimpft, obwohl die Maschinen teilweise über 110 Dezibel laut sind.“ Zum Vergleich, ein startender Airbus ist nur wenig lauter. „Denen sollte man den Auspuff gleich um den Hals wickeln.“ Es seien zwar nur relativ wenige, aber die gehörten einfach bestraft, findet Scheytt.

Hannelore Sonnet hält den Motor­radlärm für kein Problem, das mit strengeren Gesetzen gelöst werden muss. Schlägt einer über die Strenge, regelt sie das selbst. „Manche haben ein Geltungsbedürfnis und drehen richtig auf. Dann merke ich mir das Kennzeichen und spreche freundlich mit dem Biker.“ Als störend empfindet Hannelore Sonnet eher den normalen Auto- und Lastwagenverkehr, weniger die Motorräder. Begeistert schaut sie einem weißen Oldtimer hinterher, der am ­Glemseck vorbeifährt. „Das klingt doch sensationell. Für mich ist das wie Musik in den Ohren.“

Sven Fiedler, der mit seinem Touren-Bike aus Maichingen ans Glemseck gekommen ist, kann den Ärger über Motorradlärm gut nachvollziehen: „Eine Maschine soll einen satten Sound haben und nicht wie ein Auto klingen. Aber es darf nicht zu extrem sein.“

Er wohne selbst an einer viel befahrenen Straße und empfinde den Lärm gerade nachts als störend. Ansätze wie in Bad Liebenzell, wo von abends zehn bis morgens sechs Uhr keine Motorräder durch Teile der Stadt fahren dürfen, findet er gut.

Der Ursprung des Problem ist seines Erachtens ein anderer: Dadurch, dass laute Auspuffanlagen in Deutschland verkauft werden, die aber für die Straße nicht zugelassen seien, entstehe der Zwiespalt.

Volker Jäger ist gegen neue Verbote. Der Pfälzer sieht es pragmatisch: „Lärm alleine bringt keine Leistung. Man muss die Technik begreifen.“ Als er jung war, habe er selbst einmal den Dezibel-Filter bei seiner Suzuki ausgebaut. Dadurch sei diese zwar deutlich lauter geworden, aber die Leistung um rund 20 PS eingebrochen. „Da hat man mehr Schaden als Nutzen. Es belastet unnötig Motor und Umwelt.“ Das könne man ruhig bestrafen, aber man solle wegen ein paar schwarzen Schafen nicht alle Biker maßregeln. „Wenn die Motorradfahrer technischen Verstand haben, dann braucht es kein Verbot“, sagt Volker Jäger.

Peter Hummel aus Reutlingen ist stolzer Besitzer einer Harley Davidson. Für einen besseren Sound hat er eine verstellbare Auspuffanlage an seine Maschine montiert. Mit einem Knopf am Lenker kann er Klappen in der Auspuffanlage öffnen, die das Motorrad schlagartig lauter machen. Das ist legal, Hummel darf die Modifikation nur nicht im Straßenverkehr einschalten. „Es ist eine rechtliche Grauzone. Zu Show-Zwecken oder auf privaten Grundstücken ist es erlaubt“. sagt er.

Die Polizei wird das aber kaum kontrollieren können: Schnell ist die Maschine wieder auf leise geschaltet. „Ein Motorrad ohne guten Sound geht einfach nicht“, sagt Hummel, dem es nicht allein um die Lautstärke geht. „Natürlich gibt es auch Krawallmacher“, räumt er ein. „Aber es sind wenige, die keine Rücksicht nehmen.“

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