Der Sohn habe zuerst zugeschlagen, beteuert der Vater. Foto: dpa

Das Amtsgericht hat einen 51-Jährigen zu 30 Arbeitsstunden verurteilt, weil er seinen 17-jährigen Sohn krankenhausreif geprügelt hat. Der Vater beteuert, sein Sohn habe den Streit angefangen und zuerst zugeschlagen.

Leonberg - Er störte sich an der neuen Liebschaft seines Vaters und stellte ihn zur Rede. Doch der verbale Disput endete in einem Handgemenge. Der angeklagte Vater, der seinen damals 17-jährigen Sohn mit der Faust krankenhausreif schlug, musste sich wegen Körperverletzung am Leonberger Amtsgericht verantworten und wurde zu 30 Arbeitsstunden verurteilt.

„Das alles tut mir wahnsinnig leid“, sagte der angeklagte 51-Jährige gleich zu Beginn der Verhandlung mit Blick auf den handfesten Streit im Januar. Damals sollen die beiden nach dem Besuch eines Lokals am Leonberger Marktplatz aneinandergeraten sein. „Mein Sohn hatte offenbar ein Problem mit meiner neuen Bekanntschaft“, sagte der geschiedene Vater. „Ich war wieder zu Hause, als er an meiner Tür klingelte und mich aufforderte, hinunter zu kommen.“ Auf der Straße eskalierte die Situation. Der Sohn habe angefangen, ihn zu schubsen, berichtete der Außendienstmitarbeiter. „Ich hielt dagegen, stieß ihn weg und ging wieder zurück in meine Wohnung.“

Doch der 17-Jährige blieb hartnäckig. Erneut bestand er darauf, dass der Vater vor das Haus komme. Dann flogen die Fäuste. „Als er auf dem Boden lag, setzte ich mich auf seinen Bauch und verpasste ihm zwei Faustschläge ins Gesicht“, gestand der Angeklagte und fügte hinzu: „Er hörte einfach nicht auf, um sich zu schlagen.“ Der Sohn trug einen Nasenbruch sowie mehrere Prellungen davon. Das Verhältnis zu seinem Sohn sei nicht einfach, erklärte der Vater, der sichtlich unter der Situation litt. Mehrmals in der Vergangenheit sei der 17-Jährige auf ihn losgegangen und habe auf ihn eingeprügelt. Der letzte Prozess wurde jüngst gegen Zahlung von Schmerzensgeld eingestellt. „Ich bin kein gewalttätiger Mensch“, hob der Angeklagte unter Tränen hervor.

Dass es zwischen den beiden Männern seit Langem brodelte, entging auch nicht dem Polizeihauptkommissar, der am Tatort eintraf. „Wie es zu dem Streit kam und was in der Folge geschah, bestätigten mir beide übereinstimmend“, so der Beamte. Uneinig seien sich die beiden lediglich darin gewesen, wer als erster zugeschlagen habe. Richterin Sandra De Falco erhoffte sich Klarheit durch die Aussage des 17-Jährigen. Doch dieser blieb dem Gericht fern.

Trotz seiner Abwesenheit bemühten sich beide Parteien, den Prozess nicht zu vertagen, sondern ein zügiges Ergebnis herbeizuführen. Als entscheidend hierfür erwies sich die verbesserte Beziehung zwischen Vater und Sohn. „Mittlerweile haben wir uns wieder angenähert und sehen uns regelmäßig “, sagte der Angeklagte. Die Verteidigerin ergänzte: „Erst neulich lagen sich beide in den Armen, das habe ich selbst gesehen.“ Richterin De Falco hatte genug gehört. Sie verurteilte den Angeklagten zunächst zu einem Bußgeld in Höhe von 900 Euro, entschied sich aber nach einem Appell der Verteidigerin dazu, dem 51-Jährigen stattdessen 30 Arbeitsstunden aufzuerlegen – aus Rücksicht auf dessen geringes Einkommen. „Sie müssen sich als Vater beherrschen, auch wenn Sie ein schwieriges Kind haben“, redete sie ihm abschließend ins Gewissen.

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