Leonberg und Altkreis Freie Wähler und Bürgerliche stabil

Von Thomas K. Slotwinski, Rafael Binkowski und Ulrike Otto 

So viele Stimmzettel: In den Rathäusern wird noch fleißig ausgezählt.. Foto:  
So viele Stimmzettel: In den Rathäusern wird noch fleißig ausgezählt.. Foto:  

Die Freien Wähler bleiben im Altkreis beliebt. Sowohl in vielen Gemeinderäten, als auch im Wahlkreis Böblingen für die Regionalversammlung haben sie die Nase vorn. Auch andere unabhängige Wählervereinigungen feiern Erfolge. Unterdessen sitzen künftig zwei Leonberger und ein Renninger in der Regionalversammlung.

Leonberg und Altkreis - In den Rathäusern wird noch immer fleißig ausgezählt. Besonders fix waren die vier Kommunen im Enzkreis, die teilweise am Sonntag spätabends schon die Gemeinderatsergebnisse präsentierten.

Von den Städten im Altkreis ist bisher nur Rutesheim fertig ausgezählt. Nah bei einander sind hier die Unabhängigen Bürger (23,6 Prozent, fünf Sitze), die Bürgerliche Wählervereinigung (28,8 Prozent, sechs Sitze) und die CDU (24,2 Prozent, fünf Sitze). Die Gabl bleibt bei drei Mandaten (15,8 Prozent). Die SPD kann nur noch eines für sich verbuchen (7,7 Prozent). Durch die unechte Teilortswahl im Ortsteil Perouse gibt es im Gemeinderat künftig zwei Ausgleichsmandate (je 1 bei UBR und BWV).

Mit der meisten Spannung wurde wohl das Ergebnis in Wimsheim erwartet. Bisher waren dort nur die Freien Wähler und „Bürger für Wimsheim“ vertreten – die sich für die Ansiedlung der Goldscheideanstalt Hafner in der Kommune ausgesprochen hatten. Im neuen Gemeinderat haben beide Fraktionen zusammen noch sieben von zwölf Sitzen. Die freien Wähler kommen auf 34,5 Prozent der Stimmen (vier Sitze), die BfW auf 21,1 Prozent (drei Sitze). Die übrigen fünf – mit 44,4 Prozent der abgegebenen Stimmen – fallen auf die Hafner-Gegner. Hier war die Bürgerinitiative mit einer Liste angetreten (24,3 Prozent), ebenso „Wimsheim miteinander“ (20,1 Prozent, zwei Sitze). Wimsheim verzeichnete zudem die höchste Wahlbeteiligung: ganze 75,5 Prozent

Große Veränderungen gab es in Friolzheim. Die neue gemeinsame Liste der CDU und der Bürgerliste kam nur auf 19 Prozent (drei Sitze). Stärkste Kraft bleiben die Freien Wähler, die deutlich auf 44 Prozent zulegten – aber weiterhin nur sechs Mandate haben. Die restlichen fünf Sitze entfallen auf die Liste „Wir für Friolzheim“, die sich aus der ehemaligen Liste „Bürger für Friolzheim“ und früheren Vertretern der Bürgerliste zusammensetzt. Sie kam auf 37 Prozent der Stimmen.

Noch in der Nacht haben die Heimsheimer ihre Gemeinderatswahl ausgezählt. Die Freien Wähler bleiben mit vier Sitzen stärkste Fraktion, gefolgt von den „Bürgern für Heimsheim“ (BfH), der CDU und der SPD mit je drei, die Unabhängige Wählervereinigung UVW behält einen Sitz. In Mönsheim hat sich kaum etwas verändert. Die Freien Wähler verbesserten sich minimal auf 58,9 Prozent, die Bürgerliste kommt demnach auf 41,1 Prozent. Beide Gruppen behalten weiterhin sieben beziehungsweise fünf Mandate im Gemeinderat. Die Wahlbeteiligung lag bei 61,4 Prozent.

Leonberger und Renninger in der Regionalversammlung

Genau elf Sitze hat der Kreis Böblingen in der Regionalversammlung. Einer weniger als bisher, weil es einen „Ausgleichssitz“ weniger gibt. Die CDU gewinnt wie in der ganzen Region 5,6 Prozent hinzu. So dominiert die CDU mit 35,5 Prozent das Feld, was auch an der eklatanten Schwäche der SPD liegt – sie verliert noch einmal leicht auf 14,9 Prozent.

Die Union kann durch ihr gutes Ergebnis ihre Sitzzahl stabil halten, sie stellt nach wie vor vier Regionalräte: Helmut Noë aus Leonberg, Rainer Ganske aus Gärtringen, neu Regina Wagner aus Böblingen, und den Sindelfinger OB Bernd Vöhringer. „Wir haben deutlich zugelegt“, sagt der Fraktionschef im Kreistag, Helmut Noë, der auch in seiner Heimatstadt Leonberg besonders viel gewonnen hat.

Ansonsten sind die Stimmergebnisse ganz ähnlich: Die Freien Wählen müssen unter der Führung von Bernhard Maier ein Prozent abgeben, bleiben aber mit 24,5 Prozent der Spitzenreiter in der Region – in den übrigen Landkreisen liegt man deutlich unter 20, in Stuttgart sogar unter zehn Prozent. „Nicht nur Renningen ist Maier-Land“, titelte die LKZ vor fünf Jahren. Das gilt noch, in Renningen haben die FWV mit 40.9 Prozent das beste Ergebnis in einer Stadt erzielt, nur noch in ländlichen Kommunen wie Mötzingen sind es teilweise über 50 Prozent. In Leonberg haben hat die FWV sogar entgegen dem Trend noch leicht hinzugewonnen.

Dennoch, da es insgesamt weniger Sitze zu vergeben gibt, müssen die „Freien“ einen Sitz abgeben – nur noch Bernhard Maier und die beiden Bürgermeister Wilfried Dölker (Holzgerlingen) und Thomas Sprißler (Herrenberg) ziehen in die Regionalversammlung ein. Chancenlos dagegen sind die FDP (3,7) und die Linke (3,8 Prozent). Die Grünen hingegen profitieren von der neuen Auszählmethode und der Schwäche der FDP, sie können trotz einem mageren Plus von nur 0,4 Prozent auf 14,2 Prozent nah an die SPD heranrücken und erringen ein zweites Regionalmandat. So zieht der SPD-Kreisvorsitzende Felix Rapp in die Regionalversammlung ein, und ganz neu Monika Hermann aus Leonberg.

Europawahl: FDP stürzt ab, AfD bei etwa acht Prozent

Im Altkreis kommt bei der Europawahl die europakritische AfD fast überall auf mehr als 8 Prozent. Die CDU hält ihre Position als stärkste Kraft, zum Teil weit vor der SPD. Die legt aber in Leonberg deutlich zu. Die Grünen müssen Verluste hinnehmen, die FDP regelrechte Einbrüche. Trotzdem liegen die Liberalen im Altkreis über dem Bundestrend.

In Leonberg kann sich die CDU mit 35,9 Prozent (2009: 33,2) leicht verbessern. Die SPD legt sogar um sechs Prozentpunkte zu: von 18,2 Prozent im Jahr 2009 auf jetzt 24,5 Prozent. Die AfD schafft aus dem Stand 8,3 Prozent. Die Verlierer in Leonberg: Mit einem Verlust von fast zwölf Punkten von 18,1 auf 5,9 Prozent, erleidet die FDP eine regelrechte Klatsche. Auch die Grünen, zuletzt im Aufwärtstrend, müssen mit 13 Prozent spürbare Verluste hinnehmen: 16,5 Prozent hatten sie noch vor fünf Jahren. Mit jetzt 3,5 Prozent schafft es die Linke nicht, ihr 2009er-Ergebnis (3,3) zu toppen. Die Wahlbeteiligung bleibt in Leonberg nahezu identisch. 53,6 Prozent waren es vor fünf Jahren. 53,5 Prozent sind es jetzt.

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