Leonberg Stille Nacht im Hallenbad: Eröffnung gekippt

Von Thomas K. Slotwinski 

Das Leonberger Hallenbad wird erst im neuen Jahr eröffnet. Foto: factum /Granville
Das Leonberger Hallenbad wird erst im neuen Jahr eröffnet. Foto: factum /Granville

Zu spät gelieferte Fenster, verstopfte Luftfilter, verzögerte Analysen: Wegen verschiedener Mängel können Schwimmfreunde erst am 2. Februar in die Fluten springen. Dabei war das Festprogramm mit vielen Darbietungen schon angekündigt.

Leonberg - Schwimmer, Handballer, Turner und Boxer waren voll im Training. Die Mitglieder des Modellbau-Clubs hatten Schiffe in Arbeit, und selbst ein Rugby-Team wollte kräftig zulangen. Eine große Sportschau hätte am vierten Adventswochenende das Glanzstück der Wiedereröffnung des Hallenbades sein sollen.

Doch die Aktiven können sich kurz vor dem Fest nun etwas anderes vornehmen. Die Eröffnung des Hallenbades und des Sportzentrums wird um sechs Wochen verschoben. Neuer Termin ist der 2. Februar. Technische Probleme und dadurch verspätete Sicherheitskontrollen werden von der Stadt als Hauptursachen genannt.

Am Montag platzte die Bombe

„Damit konnte keiner rechnen“, erklärte gestern eine hörbar bedrückte Undine Binder-Farr. Die städtische Pressesprecherin hatte noch in der vergangenen Woche für das große Eröffnungsprogramm am 21. Dezember geworben. Doch in einer Bausprechung am Montag platzte die Bombe: Architekten und Planer räumten Schwierigkeiten ein. Der Termin könne nicht gehalten werden. Baubürgermeister Klaus Brenner blies die Eröffnung ab.

„Der Zeitplan war extrem eng“, erklärt Brenner im Gespräch mit unserer Zeitung. „Jedem war klar, dass nichts schiefgehen darf.“ Schief gegangen ist jetzt die Lieferung neuer Glasscheiben. „Die sind einfach zu spät angekommen“, sagt Brenner. Folge: Dreck und Staub gelangten ins Innere des Bades. Wegen der daraus resultierenden höheren Staubbelastung kann die Luftfilteranlage vorerst nicht in Betrieb genommen werden.

„Außerdem hatten wir nachts oft Minusgrade“, erklärt der Chef des Baudezernats. Da ist bei undichten Fenstern nicht dran zu denken, schon Wasser ins Becken zu füllen.“

Probleme hat zudem ein verstopfter Wasserfilter bereitet. Die eigentlich für die kommende Woche anberaumte Wasseranalyse muss verschoben werden. Den vom Gemeinderat nachträglich beschlossenen Einbau neuer Kacheln sieht Klaus Brenner hingegen nicht als Mitursache für das Verschieben des Starttermins an.

Eröffnung am 2. Februar

„Die eigentlichen Arbeiten hätten im geplanten Zeitrahmen geschafft werden können“, meint der Baubürgermeister. Die vorgeschrieben Untersuchungen aber, etwa die Wasseranalysen, die Tüv-Abnahme oder die Brandschutzkontrolle hätten in den engen Zeitrahmen nicht mehr hineingepasst. „Zwischen den Jahren arbeitet kein Labor und kein Prüfer“, sagt Brenner. „Ich kann doch nicht sehenden Auges das Bad freigeben, wenn nicht alle sicherheitstechnischen Aspekte hundertprozentig geklärt sind.“

Klaus Brenner geht nun auf Nummer sicher: Der jetzt anberaumte Eröffnungstermin 2. Februar birgt ein ausreichendes Zeitfenster, falls es zu weiteren unerwarteten Verzögerungen kommt. „Es kann immer was passieren. Da reicht es schon, wenn bei einem Handwerksbetrieb zwei Leute krankheitsbedingt ausfallen.“

Bei den Fraktionen des Gemeinderates stößt die Verzögerung nur bedingt auf Verständnis. „Mehrmals wurde im Vorfeld der Sanierung darauf hingewiesen, dass die teilweise 40 Jahre alte Badewassertechnik und die Heizungsanlage gänzlich erneuert werden sollten“, kritisiert Wolfgang Schaal, dass die Technik aus Kostengründen nicht überall auf zeitgemäßen Stand gebracht wurde. „Mit neuen Anlagen hätten wir die Probleme mit verstopften Rohrleitungssystemen und Filtern nicht. Das Bad hätte am 21. Dezember eröffnet werden können.“

Der Freie Wähler, Seniorchef eines großen Sanitärunternehmens, hatte in den vergangenen Monaten vehement für Verbesserungen bei der Technik und der Ausstattung im Bad gekämpft und letztlich durchsetzen können, dass die alten Kacheln durch neue ersetzt werden.

„Ich bin irritiert“, bekennt Elke Staubach. „Wir hatten angesichts des knappen Zeitrahmens Bedenken geäußert“, erklärt die Chefin der CDU-Fraktion. „Uns wurde aber versichert, dass alles klappt.“ Der von der Stadt beauftragte Projektsteuerer hätte die Probleme früher erkennen müssen. „Bedauerlich ist das auch für die Vereine.“

Das sieht auch Christa Weiß so. „Das Schlimmste ist, dass die Bedenkenträger Recht haben“, spielt die SPD-Fraktionsvorsitzende auf die Debatten im Vorfeld an. „Eine Eröffnung, bei der nicht alles stimmt, wäre aber noch schlechter gewesen.“

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