Das „Häussler“-Areal. Foto: factum/Archiv/

Der erste Auftritt des neuen Investors der Bausparkassenbrache stellt die meisten Gemeinderäte nicht zufrieden. Albrecht Layher hält sich mit konkreten Plänen zurück und fordert einen neuen Bebauungsplan ein: mit deutlich mehr Wohnungen.

Leonberg - Eine Abkehr von Häusslers „Gemischtwaren-Laden“ aus Handel, Gewerbe und Wohnen könnte die Zukunft des ehemaligen, zwei Hektar großen Bausparkassenareals an der Lindenstraße sein. Der neue Investor Albrecht Layher aus Besigheim deutete im Planungsausschuss des Gemeinderates an, dass er eher auf Wohnbau denn auf Handel setzen wolle. Konkrete Pläne hatte er den Gemeinderäten nicht mitgebracht, was vielen nicht gefiel. Zumal Layher eingestand, bei der Verwaltung bereits eine erste Vorplanung hinterlegt zu haben sowie ein Gutachten, das besagt, dass sich Häusslers bereits genehmigtes Konzept mit viel Einzelhandel für einen Investor nicht rentiert.

Vergeblich jedoch mühte sich beispielsweise die SPD-Fraktionschefin Christa Weiß, dem als Wohnbau-Unternehmer erfolgreichen Geschäftsmann zu entlocken, wie weit er sich auf die bisherigen Ziele der Stadt einlassen wollte. „Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie sich auf dem einstigen Häussler-Areal auf Wohnbau konzentrieren wollen? Sie überlassen der Stadt die Ansiedlung von Handel dann auf dem Postareal?“ Solchermaßen in die Enge getrieben, antwortete Albrecht Layher mit einem knappen: „Im Grunde ja.“

Bisher sah das Konzept vor, dass am Rande des Bausparkassen-Gebietes, dort wo sich heute der Postparkplatz befindet, ein großzügiger Boulevard mit Gastronomie und großflächigen Handelsflächen entstehen soll – und zwar sowohl auf der Bausparkassen-Brache wie auch auf dem Postareal. Auch eine gemeinsame (Verkehrs-)Erschließung mit einer großen Tiefgarage war dabei geplant.

Dass aber ein großflächiger Einzelhandel über mehrere Stockwerke und dem Parken im Untergeschoss funktioniere, glaubt Layher nicht. Auch die Vermarktbarkeit von Büroflächen sei äußerst schwierig. „Wenn Sie aber Ingenieure der neuen Firmenansiedlungen von Thales und Bosch mit ihren Familien hier in die Stadt locken können, dann gibt es Impulse für ihre Schulen, für den Handel und Ihr kulturelles Leben“, warb Layher für Wohnbau pur.

Hinzu kommt: das Postgelände gehört zwar der Stadt. Die Post hat aber einen noch mindestens zwölf Jahre laufenden Mietvertrag. Der Oberbürgermeister Bernhard Schuler machte den Zugzwang deutlich: „Bei der Post kann es eben noch lange dauern, bis sich etwas tut. Layher will aber in den nächsten beiden Jahren schon das Grundstück bebauen. Das klafft etwas auseinander.“ Er warb dafür, dies an anderer Stelle zu diskutieren – nicht öffentlich.

Dem konnte der Firmeninhaber nur nickend zustimmen. Er deutete an, dass er in wenigen Wochen einen Architektenwettbewerb anstoßen wolle, der „auf Grundlage des bisherigen Bebauungsplans und bisheriger Ideen“ nach einer Lösung für das Wohnbau-Unternehmen suchen soll. „Wir können aber nicht für etwas planen, was uns noch gar nicht gehört“, sagte Layher mit Blick auf das städtische Postareal und wies auf seine Geschäftsphilosophie: Handwerker und Geschäftspartner würden von ihm gut bezahlt, alle Layher-Projekte seien mit Eigenkapital finanziert. „Es gibt Ingenieure, die warten noch heute auf Geld von Häussler.“ Deshalb könne er allenfalls der Stadt bei ihren Zielen „helfen“, sie aber kaum verwirklichen.

Angesichts seiner Referenzprojekte, die Layher zuvor an die Leinwand projiziert hatte, warnte der Freie Wähler Wolfgang Schaal in deutlichen Worten: „Wir erwarten von Ihnen, dass Sie uns was Einmaliges bauen – die Anlehnung an den bisherigen Architektenwettbewerb zum Stadtumbau müssen wir in Ihrer Planung wiederfinden.“ Denn ein Baugebiet in solch einer Lage, direkt im Zentrum unter einer historischen Stadtmauer, sei gerade einmalig in Baden-Württemberg.

Der Handwerkermeister Schaal hat sich Layhers aktuelle Bauprojekte in Gerlingen und in Möglingen angeschaut, wo er jeweils ebenso innerstädtische Brachflächen neu bebaut. „Das ist alles viel zu eng und viel zu dicht, was Sie dort machen. Sie müssen hier die Sichtachsen und die Höhenverhältnisse zur Altstadt beachten“, sagte Schaal, der enttäuscht war, dass auf der Leinwand noch keine Pläne für das Filetstück zu sehen waren. Sein Fraktionskollege Jörg Langer brachte es so auf den Punkt: „Sie lassen die Katze nicht aus dem Sack.“

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