Er wollte in Ruhe arbeiten – und hatte plötzlich 100 Euro los. Foto: factum/Weise

Betrüger haben derzeit Hochkonjunktur: Selbst erfahrene Geschäftsleute fallen zuweilen auf Betrüger rein: So wie der Wirt Kay Philipp vom Schwarzen Adler in Leonberg. Er warnt andere.

Leonberg - Kay Philipp erinnert sich noch gut an den Moment, als er nachgab und sein Portemonnaie öffnete. „Die beiden Damen haben mich bequatscht und den richtigen Moment abgewartet“. Gerade seien viele Gäste da gewesen im Schwarzen Adler am Leonberger Marktplatz, dessen Geschäftsführer Kay Philipp ist. „Ich hatte gar keine Zeit, richtig wütend zu werden und sie rauszuschmeißen“, sagt er.

„Also habe ich ihnen als Anzahlung 100 Euro gegeben.“ Den Fehler merkte er bald, und seitdem habe er die Frauen mehr gesehen. „Die kommen auch nicht wieder, die haben jetzt, was sie wollten.“

Die beiden Damen, von denen der Restaurantchef spricht, hatten am Mittwoch ohne Einladung den Schwarzen Adler besucht. Philipp schätzt sie auf etwa 23 Jahre. Hübsch seien sie gewesen, seriös, adrett – und anfangs auch äußert charmant. Die zwei jungen Frauen gaben sich als israelische Kunststudentinnen aus, die auf Rundreise durch Europa wären. Sie hatten eine ganze Mappe voller angeblicher studentischer Kunstwerke im Gepäck.

Die, so sagten die beiden Frauen auf Englisch, wollten sie verkaufen, quasi zum Selbstkostenpreis. Sie behaupteten, damit andere junge israelische Künstler unterstützen zu wollen. „Für Farbe, Pinsel und das alles“, berichtet Kay Philipp. „150 Euro wollten sie pro Bild haben“, ergänzt der Adler-Boss. Er nahm schließlich zwei Bilder: eines, das Weinflaschen zeigt und ein weiteres mit einer surrealen Stadt in poppig-bunten Farben. „Zum Glück habe ich ihnen nur eine Anzahlung gegeben“, so Philipp.

Denn hinterher sei ihm aufgefallen, dass die beiden angeblichen Gemälde, die auf den ersten Blick echt wirken, nur billige Drucke sind, mit einigen Farbklecksen verziert. Eine Internet-Recherche bestätigte den Verdacht das Adler-Geschäftsführers: „Es gab noch mehr Leute in der Region, die der Masche angeblicher Künstlerinnen aufgesessen sind“, sagt er. Auch die Polizei habe sich bereits mit dem Thema befasst. „Scheinbar ist es so, dass diese angeblichen Kunstwerke eigentlich höchstens ein, zwei Euro wert sind und in China gedruckt werden“, hat der Geschäftsmann und Koch Erfahrung gebracht.

Eigentlich seien er und seine Kellner, von denen einer auch beim Übersetzen half, schon während des „Verkaufsgespräches“ misstrauisch geworden, sagt Kay Philipp. „Die beiden Frauen haben gar nicht gemerkt, dass die Bilder nicht so recht in meine Stube passen“, so der Geschäftsführer. „Als Kunststudentinnen hätten sie eigentlich ein Auge dafür haben müssen.“ Auch hätten die zwei Betrügerinnen immer wieder die gleichen Floskeln geplappert, „wie einstudiert“. Und ihr Englisch sei eher schlecht gewesen. „Dabei sollten israelische Studenten eigentlich gutes Englisch sprechen“, so Philipp.

Wieso er dennoch auf die fiese Tour reingefallen ist? „Die waren aufdringlich, wollten nicht gehen, haben immer weitergemacht“, sagt er. „Sie sind sogar im Haus herumgestrolcht.“ Und: er sei ja gutmütig. „Irgendwann habe ich ihnen dann die 100 Euro gegeben.“ Nun will er wenigstens andere Leonberger vor der Masche warnen. „Deswegen bin ich zur Zeitung gegangen“, sagt er. Und lädt ein: „Wer will, kann die Bilder bei mir im Adler anschauen, dann braucht sie niemand mehr zu kaufen.“

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