Leonberg Sauna: Ganz oder gar nicht

Von Ulrike Otto 

Der Entwurf: links die aufgestelzte Sauna mit Panoramafenster. Foto: 4a Architekten
Der Entwurf: links die aufgestelzte Sauna mit Panoramafenster. Foto: 4a Architekten

Die Architekten legen zwei neue Entwürfe mit drei Kabinen plus Dampfbad vor. Die favorisierte Variante sieht einen Schwitzbereich auf Stelzen vor mit Blick über die Stadt. Doch die CDU stellt das Projekt grundsätzlich in Frage.

Leonberg - Fünf zu sieben Stimmen: Nur knapp ist ein Vorstoß der CDU, keine Sauna im Hallenbad an- und einzubauen, im städtischen Sozialausschuss abgelehnt worden. Dieser hatte lediglich den Einbau von Flucht- und Rettungswegen sowie Brandschutzmaßnahmen vorgesehen. Der Rest des Gebäudeteils sollte stillgelegt werden, bis klar sei, welche Kosten auf die Stadt zukommen bei diversen anderen Projekten, wie etwa dem Rathausneubau.

Die Begründung der CDU: Pro Jahr werde die Stadt einen fünf- bis sechsstelligen Betrag für die Sauna draufzahlen. Das sei nicht angemessen. „Vor allem, wenn man bedenkt, dass das deutlich mehr Geld wäre als wir für die Vereinsförderung ausgeben – und dort erreichen wir viel mehr Menschen“, sagte Michael Moroff, (CDU), der das Sauna-Projekt bis dato durchaus positiv bewertet hatte.

Dazu komme, dass die Stadt pro Jahr nur 10 000 Euro in die Anlage investieren will, etwa für Wartungsarbeiten, bei einer Laufzeit von 25 Jahren. „Ohne genügend Invest wird die Sauna in zehn Jahren nicht mehr der attraktive Wellnesstempel sein, der er in unserer Planung doch sein soll“, sagte Fraktionskollegin Susanne Kogel.

Der Kritik schloss sich auch Martin Riethmüller von der Gabl-Fraktion an: „Sicher ist einen Sauna wünschenswert. Aber unter allen freiwilligen Leistungen hat sie für mich eine eher niedrige Priorität.“ Vor einigen Monaten sei noch von einem wettbewerbsfähigen Konzept für 1,5 Millionen Euro die Rede gewesen. Jetzt lägen die Kosten schon bei 2,5 Millionen. Mit der Sauna werde nur etwa ein Prozent der Leonberger Bevölkerung gefördert, sieht man sich die Zahlen an, die die Stadt bei ihren Berechnungen zu Grunde gelegt hat, meinte Salz-Gemeinderat Frank Albrecht. „Das sind pro Woche etwa 500 Leute, aber jede Woche dieselben. Ich befürchte, wir tun da kein gutes Werk“, so Albrecht.

Das sah die SPD ganz anders. „Wir sind vielleicht die letzten Aufrechten, die meinen, dass es wichtig ist, eine Sauna in der Stadt zu haben“, meinte Rüdiger Beising. Sie diene nicht nur der Entspannung, sondern auch der Gesundheitsfürsorge. „Es gibt in Leonberg fast gar nichts, wo die Stadt nicht zuschießen muss, sei es Bücherei, Stadthalle oder Bäder“, gab Jutta Metz von den Freien Wählern zu bedenken. Das sei eine sehr schwierige Entscheidung. Am Ende wurden die Kritiker knapp überstimmt – und folgten der Linie „Ganz oder gar nicht“. Da „gar nicht“ – also kein Saunabau – bereits vom Tisch war, sprach sich der Sozialausschuss einstimmig für die auffälligere der beiden Varianten aus, die die Architekten am Abend vorgestellt hatten. Beide Entwürfe beinhalten drei Saunen und ein Dampfbad sowie einen Außenbereich. Die favorisierte Variante sieht bei Kosten von 2,5 bis 2,6 Millionen Euro im Außenbereich eine auf Stelzen errichtete Schwitzkabine vor. Durch eine Panoramafenster soll diese einen Blick in Richtung Rathaus und Altstadt ermöglichen. Im Saunagarten ist zudem eine weitere Kabine geplant. Die zweite Variante (2,3 Millionen Euro) sieht im Außenbereich dagegen eine Gebäude mit zwei Saunen vor. In beiden Plänen soll es draußen nun auch ein Warmbecken geben. Vogelnest, Baumhaus, Stelzensauna – der Entwurf erhielt im Ausschuss gleich mehrere Namen. „Die Stelzensauna könnte ein Alleinstellungsmerkmal werden“, meinte etwa Birgit Suckut (Gabl). Das sah auch Margarete Joch (FDP) so: „Wir können eine Nische füllen zwischen den exklusiven und den einfachen Saunen.“ Doch das klappe nur, wenn auch die Eintrittspreise Besucher anzögen.

Wiederholt hatte es Kritik an den Entwürfen der Architekten gegeben, die bereits das Hallenbad saniert hatten. Zuerst waren die Kosten in die Höhe geschossen, weil bauliche Voraussetzungen falsch einkalkuliert worden waren. Im Januar stellte das Büro „4a Architekten“ dann eine derartig abgespeckte Version vor, die der Gemeinderat gleich abbügelte. Eine endgültige Entscheidung fällt der Gemeinderat am kommenden Dienstag. Die CDU will ihren Antrag dann erneut einbringen.

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