Leonberg Rektor: Wir sind keine Lernfabrik

Von Bartek Langer 

  Foto: Bartek Langer
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Das Berufsschulzentrum feiert Schulfest. Von September an gibt es zwei Neuerungen im Unterricht an einer der größten Schulen der Region. Neu sind das sozialwissenschaftliche Gymnasium und der Bereich internationale Wirtschaft.

Leonberg - Dass die Schule weit mehr als eine Lernfabrik ist, das liegt Werner Diebold, Rektor am Beruflichen Schulzentrum Leonberg, am Herzen. „Unser Ziel ist es auch, die Schulgemeinschaft zu pflegen“, betont der Schulleiter, der es nicht nur bei einem Lippenbekenntnis belässt. Denn seit nunmehr acht Jahren veranstaltet die Bildungseinrichtung am Fockentalweg ein von den Schülern mitgestaltetes Fest. Am Donnerstag standen die Feierlichkeiten ganz im Zeichen der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien.

Stände mit internationalen Gerichten

Wie auf einer Fanmeile zieht sich der Trubel über den rappelvollen Hof des Schulzentrums. Kunterbunte Stände mit internationalen Köstlichkeiten reihen sich aneinander. Die einen probieren sich am menschlichen Tischkicker, die anderen zeigen ihr fußballerisches Geschick beim Torwandschießen. Und unterm Dach wird Playstation gespielt, ein Fußballspiel, versteht sich.

„Das Geld wandert direkt in die Klassenkasse“, erklärt Sanja Totzl an ihrem Stand mit orientalischen Spezialitäten. Damit werde die Studienfahrt nach Köln finanziert, sagt die Gymnasiastin und betont, dass nicht nur der leckere Baklava selbst gemacht sei. Weniger kulinarisches, als fußballerisches Wissen ist indes bei Mohammed Choumar gefragt. Für ein Fußball-Quiz hat der 17-Jährige gemeinsam mit anderen Metall- und Elektrotechnikern knifflige Fragen zu den WM-Teilnehmern ausgeheckt. Um was es sich bei dem bekanntesten frittierten Gericht der Elfenbeinküste handelt, wüssten wohl nur die wenigsten, wenn das ausgehängte Plakat mit Allerlei über das westafrikanische Land nicht eine Hilfestellung bieten würde.

Den viel beklatschten Auftritt der Lehrerband, gefolgt von einer sehenswerten Tanzeinlage des Hip-Hop-Trios, bestehend aus Fjolla Berisha, Sabrina Di Frisco und Cintia Marques, allesamt Schülerinnen des Technischen Gymnasiums, ließ sich auch Rektor Werner Diebold nicht entgehen. Vorfreude hegt der Schulleiter nicht nur mit Blick auf die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft, sondern auch auf das im September beginnende Schuljahr.

Dann nämlich wird das Bildungsangebot um das Sozial- und Gesundheitswissenschaftliche Gymnasium erweitert. „Die Nachfrage für einen der 30 Plätze ist sehr groß“, sagt Diebold. „Das war aber zu erwarten, an den anderen Standorten gibt es auch viele Interessenten für diesen Bereich.“ Weil man mit dem neuen Angebot zugleich die anderen Bildungseinrichtungen entlaste, habe schließlich das Regierungspräsidium grünes Licht gegeben. „Nachdem wir vor zwei Jahren bei uns die Erzieherausbildung gestartet haben, ist dieser Schritt sinnvoll“, sagt der Rektor. Dadurch werde der Fachbereich gestärkt. „Denn neben der Ausbildung haben wir nun auch eine passende Möglichkeit der Weiterbildung, somit gehen Theorie und Praxis Hand in Hand.“

Eine der größten Schulen im Land

Mit dem neuen Schuljahr wird am Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium neben des bisherigen Profils Wirtschaft auch der Bereich Internationale Wirtschaft angeboten. „Dabei erfolgt der Unterricht in Volks- und Betriebswirtschaftslehre sowohl in deutscher als auch englischer Sprache“, erklärt Diebold, dem zufolge die neuen Bereiche nicht nur ein Gewinn für die eigene Schule, sondern auch für das Bildungsangebot in der gesamten Region sind.

Mit rund 3000 Schülern, davon etwa 1000 im Vollzeitbereich, sowie 160 Lehrern zählt das BSZ Leonberg zu den größten beruflichen Schulzentrum im Land. „Die Schülerzahlen sind im Großen und Ganzen stabil, doch wir wissen gelichwohl, dass die Zahl aufgrund der demografischen Entwicklung zurückgehen wird“, sagt Diebold. „In den nächsten beiden Jahren werden wohl keine Klassen wegfallen, aber wir werden womöglich nicht mehr für jedes Profil eine Einzelklasse führen.“ Durch eine Zusammenlegung der Bereiche solle das Bildungsangebot dennoch voll erhalten bleiben, betont er.

Und wer wird im Juli Fußballweltmeister? „Ich bin guter Dinge, dass es Deutschland packt“, sagt der Schulleiter und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Ich bin Zweckoptimist, genauso wie auch im Berufsleben.“

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