Viel Platz zur Gestaltung bleibt auf dem Rathaus-Vorplatz nicht. Foto: Holger Leicht

Nicht nur das als Blickfang geplante Blauglockenbaum fällt bei den Gemeinderäten durch. Die Landschaftarchitekten müssen auch bei Wasserspiel, Unterführung, Bushaltestelle und Fußweg nacharbeiten.

Leonberg - Paulownia tomentosa ist heimisch im fernen China. Sie ist anspruchslos, mag Sonne und wird bis zu 15 Meter groß. Bekannt ist sie auch als Blauglockenbaum. Und eben wegen jener weithin leuchtenden blauen Blüten haben die Landschaftsarchitekten sie auserkoren, den Vorplatz vor dem gerade entstehenden Rathaus-Neubau zu zieren. Als Blickfang und optischer Anker, wie es Jochen Koeber vom Planungsbüro Koeber nennt.

Doch nicht bei allen Gemeinderäten stößt das Gewächs auf Gegenliebe. „Warum ist da kein regionaler Baum vorgesehen? Immerhin ist nebenan die Lindenstraße“, kritisiert Birgit Widmayer (Grüne). In der Hindenburgstraße in Eltingen könne man sehen, dass sich auch eine Linde sehr gut als einzelner Baum macht. „Es macht große Schwierigkeiten, mit regionalen Bäumen in Stadträumen zu arbeiten“, erklärt der Landschaftsarchitekt. Diese kommen mit den Verhältnissen nur schwer zu recht. „Ich will an dieser Stelle keine Linde. Die Blüten pappen doch alles zu“, merkt Jörg Langer von den Freien Wählern dazu an. Das Herz des Oberbürgermeisters hängt zwar nicht speziell an dem Blauglockenbaum. „Aber was dahin kommt, sollte ein Blickfang sein, das muss ein bisschen knallen“, sagt Bernhard Schuler.

Viele Hausaufgaben zu erledigen

Der zentrale Baum war nicht das Einzige, was am Entwurf der Landschaftsarchitekten missfiel. Bereits im November hatte der Gemeinderat dem Planungsbüro einiges mit auf den Weg gegeben. In der zweiten Präsentationsrunde wurde diese Liste noch um weitere Punkte verlängert. Wasserspiel War es zunächst ebenerdig geplant, haben die Planer es nun doch mit einer kleinen Erhöhung versehen. Damit konnte sich im Rat keiner anfreunden. „Ein ebenes Wasserspiel lässt den Raum größer wirken“, meint OB Schuler. Denn Platz gibt es an dieser Stelle nicht sehr viel. Wer aus Richtung Sportzentrum kommt und durch die Unterführung geht, kann nach rechts eine Treppe zur Ampel an der Lindenstraße nehmen, geradeaus die Treppe zum Rathaus-Eingang hinaufsteigen oder nach links eine Rampe zur Bushaltestelle hochgehen. Entlang der Rampen sind zudem Sitzstufen vorgesehen. Unterführung Diese ist bislang nicht in den Plänen enthalten, auch nicht im Budget. Das soll sich aber jetzt ändern. Der von SALZ-Gemeinderat Frank Albrecht als „Schandfleck“ bezeichnete Tunnel unter der Eltinger Straße soll in das Gestaltungskonzept einbezogen werden. Bushaltestelle Es hat für einige Lacher gesorgt, dass das Wartehäuschen mehrere Meter von der eigentlichen Haltebucht entfernt ist. Begründung der Planer: so steht das Wartehäuschen nicht mitten auf dem Platz. Dieter Maurmaier (FDP) schlägt vor, die Haltebucht ganz wegfallen und die Busse auf der Straße halten zu lassen. Christa Weiß (SPD) regt an, die Haltestelle in die Lindenstraße zu verlegen.

Sicherheit geht vor Gestaltung

Beleuchtung Ein Mast mit starken Scheinwerfern soll den Vorplatz in Szene setzen. „Es ist wichtig, dass der Platz aus Sicherheitsgründen sehr gut ausgeleuchtet ist“, sagt Birgit Widmayer. Deshalb werde es über den Platz verteilt weitere Strahler geben, etwa an den Sitzstufen, erklärt der Planer. „Diese sind als atmosphärisches Licht in die Wände eingelassen“, erklärt Koeber. Fußweg und Radstreifen Ist vor dem Rathaus ein Fußweg entlang der Eltinger Straße notwendig? Oder soll der Platz eher für einen Fahrradstreifen genutzt werden? Und würde das überhaupt von den Leonberger in Anspruch genommen werden? In beiden Fällen müsste voraussichtlich eine der beiden Fahrspuren weichen. Die Krux an der Verkehrsdebatte: noch steht nicht fest, wie die geplante Stadtachse verlaufen, wie die Bebauung und Gestaltung entlang aussehen wird. Und so lange können auch nur schwerlich Verkehrsströme geplant werden. Für Christa Weiß zählt dabei vor allem: „Je mehr der Verkehr zunimmt, desto attraktiver müssen Fußwege werden.“ Dem entgegnet Maurmaier: „Ein Fußweg an der Eltinger Straße ist nicht attraktiv.“

Am Ende erhalten die Planer vom Gemeinderat einstimmig allerlei Hausaufgaben. Bis zur übernächsten Sitzung im April sollen die Landschaftsarchitekten Varianten erarbeiten für den Blickfänger-Baum, das Wasserspiel, den Zugang zum Platz von der Schellingstraße her, für die Beleuchtung sowie Vor- und Nachteile präsentieren für einen Fußweg an der Straße. „Es fällt schwer, eine Entscheidung zu treffen, wenn man nicht drei verschiedene Varianten gesehen hat“, merkt der OB dazu an.

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