Streit um Kirchenstellen im Dekanat Leonberg Foto: LKZ-Archiv

Die für 2018 anvisierte Streichung einer viertel Stelle fällt in der evangelischen Gesamtkirchengemeinde weg.

Leonberg - Der Anlass der Bezirkssynode war kein erfreulicher: Die 60 anwesenden Stimmberechtigten aus 23 Kirchengemeinden mussten entscheiden, wo eine Viertel-Pfarrstelle eingespart werden soll. Grund dafür sind die von der Landessynode vorgegebenen Kürzungen für den evangelischen Kirchenbezirk Leonberg. Der Pfarrplan 2018 sieht die Streichung von zweieinhalb Stellen vor. Der dazu einberufene Sonderausschuss schlug vor, die Kürzung entweder im Enzkreis oder in der Gesamtkirchengemeinde Leonberg vorzunehmen. Beide Seiten brachten in einer emotionalen Diskussion Argumente und Lösungsansätze vor. Die Abstimmung nach gut zwei Stunden war dennoch eindeutig: Die Viertel-Stelle wird im Gesamtkirchenbezirk Leonberg eingespart.

Dass die Entscheidung keine leichte sein werde, betonte die Eltinger Pfarrerin Claudia Trauthig in ihrer Einleitung. Sie sprach vom „Albtraum Pfarrplan 2018“ und davon, dass wohl jeder gerne jetzt an einem anderen Ort sei. Sei es beim Fußball-Schauen oder bei einem Konzert. Dennoch mahnte sie zu Kraft, Liebe und Besonnenheit: „Wir wollen eine Kirche gestalten, die richtig und gut für die Menschen ist“, sagte Claudia Trauthig.

Ursprünglich sei geplant gewesen, die Kürzung durch eine Vakaturverlängerung aufzufangen, erklärte der Vorsitzende der Bezirkssynode, Jürgen Früh. Das heißt, eine freigewordene Pfarrstelle sollte erst nach einer Wartezeit wieder besetzt werden. Doch dies sei von der Landessynode nicht genehmigt worden, sagte er. „Der Ausschuss schlägt deshalb vor, dass die Viertel-Stelle entweder im Enzkreis oder in der Gesamtkirchengemeinde Leonberg eingespart wird.“ Dekan Wolfgang Vögele erklärte, ein Berechnungs- und Sichtungsverfahren habe dem Ausschuss ermöglicht, eine angemessene und gerechte Entscheidung zu treffen.

In der Diskussion kamen zuerst die Vertreter des Enzkreises zu Wort. Dort sei schon jetzt die Besetzung von Hundert-Prozent-Stellen schwierig, sagte der Friolzheimer Hans-Jürgen Conrad. Gekürzte Pfarrstellen ließen sich noch schwerer besetzen. Zudem sei eine Kooperation zwischen den verstreuten Gemeinden schwerer als in Leonberg und es bleibe sonst zu wenig Zeit für Seelsorge, Jugendarbeit und dafür, Menschen in die Kirche einzuladen.„Es entsteht eine enorme Härte, wenn gekürzt wird. Das treibt uns noch mehr ins Abseits“, betonte er. Auch Judith Ehrenfeuchter aus Heimsheim mahnte, die Kürzung führe zu erheblichen Nachteilen, die praktisch nicht ausgleichbar seien.

Dem hielt der Eltinger Peter Plutzer entgegen, in der Stadt gebe es einen starken Rückgang und eine große Fluktuation an Gemeindemitgliedern. „Auf dem Land sind es Abwanderungen, in der Stadt Austritte“, sagte er. Die Kirche in Leonberg müsse sich stärker kümmern und viel ökumenische Arbeit tun, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Zudem komme der Stadtkirche eine Leuchtturmfunktion zu, was die Vielfalt der Angebote, beispielsweise die Familienbildungsstätte, betrifft.

Zuletzt referierte Stadtpfarrer Matthias Krack über die Pastorationsdichte, also die Zahl der Pfarrer, gerechnet auf die Gemeindemitglieder. In Leonberg sei das Verhältnis durchschnittlich eins zu 1800, im Enzkreis mit eins zu 1620 deutlich besser. „Es sind rein technische Kriterien, keine Bewertung der Arbeit“, betonte Krack. „Aber der Aufwand in Leonberg ist nach den Kriterien teilweise um fast 50 Prozent erhöht.“ Es folgten verschiedene Vorschläge, wie das Problem der Kürzung fair gelöst werden kann: Der Losentscheid kam ebenso zur Sprache wie die Möglichkeit , zweimal 25 Prozent zu kürzen und die zweite Viertel-Stelle so einzusetzen, dass alle etwas davon haben.

Die Abstimmung nach über zweistündiger Diskussion brachte folgendes Ergebnis: 40 Stimmberechtigte entschieden sich für die Kürzung in der Gesamtgemeinde Leonberg, 15 für den Enzkreis, fünf enthielten sich. Damit sieht der Pfarrplan 2018 vor: In Rutesheim und im Enzkreis werden je eine Viertel-Pfarrstelle gestrichen, in Malms-heim und Eltingen je eine halbe. Die Stadtkirche Leonberg/Gartenstadt ist mit einer Dreiviertel-Stelle betroffen. „Die Kirchengemeinden sollen bis zur Herbstsynode am 16. November Vorschläge für die konkreten Kürzungen erarbeiten“, sagte Dekan Wolfgang Vögele. Dann wird über den endgültigen Vorschlag abgestimmt.

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