Das Gutachten empfiehlt, die Chefärzte aus Leonberg abzuziehen. Foto: Klinik

Die Nachricht, dass das Leonberger Krankenhaus seinen dritten Chefarzt innerhalb von sechs Monaten verliert, sorgt weiter für lebhafte Diskussionen. Der Kreisverband der Freien Wähler fordert 15-Jahres-Plan und zweifelt Neubau an.

Leonberg - Noch in dieser Woche wird der Vorstand der Freien Wähler im Landkreis zu einer Sondersitzung zusammenkommen. Einziger Tagesordnungspunkt: die Zukunft des Leonberger Krankenhauses. „Es geht darum, eine Perspektive für die nächsten 15 Jahre zu finden“, erklärt der Kreisvorsitzende der Freien Wähler, Wolfgang Faißt, im Gespräch mit unserer Zeitung. Dies gelte auch für das Herrenberger Krankenhaus.

Wie berichtet, hat der bevorstehende Abgang des Chefarzts der Inneren Klinik II am Leonberger Krankenhaus zu heftiger Aufregung in der Politik wie auch in der heimischen Ärzteschaft geführt. Der renommierte Darmkrebs-Spezialist Wolfgang Heinz hatte in der vergangenen Woche beim Klinikverbund Südwest seine Kündigung eingereicht.

„Wir müssen nun Beschlüsse anstreben, die verhindern, dass Beschlüsse gefasst werden, die eine Entscheidung über die Zukunft der Kliniken vorwegnehmen“, wählt Faißt diplomatische Worte, um das auszudrücken, was viele Menschen im Altkreis befürchten: Die Empfehlungen eines Gutachtens des Büros Teamplan sollen schnellstmöglich realisiert werden, um so Fakten zu schaffen.

Zentrale Aussage des in Medizinkreisen nicht unumstrittenen Gutachtens ist der Bau einer Zentralklinik am Böblinger Flugfeld. Bisher geschätzte Kosten: 351 Millionen Euro. Die kleineren Kliniken in Herrenberg und Leonberg sollen nur noch eine Basisversorgung bekommen. Dauerhafte Verluste in den kleinen Häusern haben die Gutachter eingeplant. Für das Großkrankenhaus erwarten sie stattdessen schwarze Zahlen. Chefärzte wären in Leonberg nicht mehr vorgesehen.

„Ein Krankenhaus in Leonberg ohne Chefärzte ist für mich nicht vorstellbar“, sagt Wolfgang Faißt klipp und klar. Der Renninger Bürgermeister zweifelt zudem die Sinnhaftigkeit eines Großklinikums auf dem Flugfeld an. „Statt dessen sollte man das Böblinger Krankenhaus, das vor wenigen Jahren für 50 Millionen Euro saniert wurde, erweitern.“

Dass im Klinikverbund angesichts eines millionenschweren Dauerdefizits etwas geschehen muss, steht für Faißt außer Frage. „Die Doppelstrukturen müssen angegangenen werden“, erklärt der Chef der Freien Wähler. „Aber wir stehen zu allen Krankenhausstandorten im Kreis. Deshalb gehört jetzt Butter zum Fisch.“

Nach wie vor entsetzt über die Entwicklung ist Gerhard Günther. Der Internist, der in der Leonberger Altstadt seit 30 Jahren eine Praxis betreibt, hält allein schon den Ansatz im Teamplan-Gutachten für falsch: „Wir brauchen kein Krankenhaus, das an ein anderes überweist. Diese Aufgabe übernehmen die ansässigen Ärzte.“

„Dass Dr. Heinz von einem anderen Haus gewonnen wurde, ist bezeichnend“, befürchtet Günther eine regelrechte Fluchtbewegung an der Leonberger Klinik. „Wer ist der nächste Chefarzt, der geht? Welche Oberärzte suchen nun das Heil in der Flucht? Welche Assistenzärzte gehen noch an ein solches Haus?“ In einem Leserbrief in unserer gestrigen Ausgabe hatte Günther den Landrat Roland Bernhard für die Entwicklung verantwortlich gemacht.

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