Einzelunterkünfte wie in der Rutesheimer Straße (l.) werden im Lohlenbachtäle gebaut. In Höfingen sollen dagegen Wohnungen für Familien entstehen, ähnlich wie das Gebäude der Sozialstation (r.). Dort waren in den 90er Jahren Asylsuchende untergebracht. Ähnlich wie die heutige Sozialstation könnteEinzelunterkünfte wie in der Rutesheimer Straße (l.) werden im Lohlenbachtäle gebaut. In Höfingen sollen dagegen Wohnungen für Familien entstehen, ähnlich wie das Gebäude der Sozialstation (r.). Dort waren in den 90er Jahren Asylsuchende untergebracht. Foto: factum/Archiv

Die geplante Unterkunft in dem Stadtteil schlägt hohe Wellen. Der Ortschaftsrat sieht die Notwendigkeit, stimmt aber für eine Aufteilung auf zwei Standorte. Die Bürger, die zur Sitzung kommen, wollen die Asylunterkunft nicht haben.

Leonberg - „Ich finde die Lage zwischen Strohgäuhalle und Friedhof schwierig. Da trauen sich die älteren Leute nicht mehr auf den Friedhof. Und wenn ich daran denke, dass die Kinder in der Strohgäuhalle Sport machen. . .“ Anette Renschler ist die Erste im Ortschaftsrat Höfingen, die sich zu Wort meldet. Schwierig – dieses Wort wird am Mittwochabend wohl am häufigsten gebraucht, als es um die Pläne der Stadt Leonberg geht, eine Unterkunft für Flüchtlinge und Wohnungslose zwischen Strohgäuhalle und Friedhof zu errichten.

Schwierig ist die Lage für die Stadt, die im Laufe des Jahres etwa 50 Menschen aufnehmen muss, die bereits ein Asylverfahren durchlaufen haben. Die also eine Aufenthaltsgenehmigung haben oder geduldet sind, weil eine Rückkehr in ihr Heimatland zu gefährlich ist, wie etwa bei Flüchtlingen aus Syrien. 50 – das sind 20 mehr als noch 2013 und 35 bis 40 mehr als in den ganzen Jahren davor. Für die Stadtverwaltung eine Herausforderung, denn die städtischen Unterkünfte sind voll. Neue Wohnungen müssen her, und das schnell. Eine Standortanalyse der Stadt ergab letztlich zwei Grundstücke, die genügend Platz bieten, den meisten Anforderungen genügen und vor allem schnell verfügbar sind: an der Strohgäuhalle in Höfingen und an der Bruckenbachstraße nahe der Autobahn. Beide Grundstücke sollen parallel geplant werden. Gegen den letzteren Standort sprechen allerdings die Lärm- und Schafstoffimmissionen, weshalb sich die Stadtverwaltung für Höfingen mit erster Priorität entschied.

Das wiederum ist schwierig für den Ortschaftsrat und die Bürger. Denn die geplante Unterkunft liegt mitten in einem Wohngebiet. Die Sorgen reichen von Vermüllung über Konflikte mit den Anwohnern, Schwierigkeiten bei der Integration bis hin zu einer Überlastung des sozialen Dienstes der Stadt. Auch die Zahl von maximal 60 Menschen, die in den acht geplanten Wohnungen unterkommen könnten, wird hinterfragt. Immer wieder werden andere Standorte ins Spiel gebracht. Vielleicht im Industriegebiet? „Laut einem Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg sind das keine gesunden Wohn- und Lebensverhältnisse“, erklärt Peter Mauch, der Leiter des Planungsamtes.

Mehr als zwei Stunden dauert die Diskussion. Kein Mitglied des Ortschaftsrates findet den Standort optimal. Die meisten befürworten jedoch das Anliegen der Stadt, die Unterkünfte über das Stadtgebiet zu verteilen und Standorte zu wählen, die es den Flüchtlingen oder Obdachlosen ermöglichen, sich gut zu integrieren. Höfingen hat bisher noch keine städtische Unterkunft, Warmbronn im Vergleich dazu drei.

„Höfingen kann sich da nicht ganz aus der Verantwortung ziehen“, meint Gabl-Ortschaftsrat Thomas Schütz und stellt einen Antrag: Von den zwei geplanten Gebäuden soll nur eines an der Strohgäuhalle errichtet werden, das andere an der Bruckenbachstraße. „Die Teilung tut den Bürgern vielleicht besser und ist bestimmt auch besser für die Integration“, schließt sich Matthias Behrend von der SPD an. So sieht es auch Claudia Nowack von den Freien Wählern: „Dann wird alles entzerrt und auch die Akzeptanz in der Bevölkerung wird besser. Auch wenn die Mehrkosten sicher weh tun.“ Für die Vorbehalte gegen die Asylsuchenden hat Wolfgang Fürst (SPD) „kein Verständnis“. Man müsse das Beste aus der Situation machen, aber auch die Anwohner mit ins Boot holen. Am Ende stimmt der Rat bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung für die Verteilung auf zwei Standorte. Den Bürgern, die an diesem Abend zahlreich zur Sitzung gekommen sind, reicht das nicht. Vor der Tür warten sie auf den Ersten Bürgermeister Ulrich Vonderheid, der dem Ortschaftsrat das Vorhaben vorgestellt hatte. „Was können wir dagegen tun?“, lautet ihre erste Frage. Eine schwierige Situation.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: