Das Leonberger Krankenhaus verliert den dritten Chefarzt. Foto: factum/Archiv

Der renommierte Darmkrebs-Spezialist Wolfgang Heinz hat gekündigt. Damit verliert das Haus drei Leiter wichtiger Abteilungen. Der Chefchirurg Münst ist schon weg. Auch die Spitze in der Gynäkologie soll nicht wiederbesetzt werden.

Leonberg - Nächster Tiefschlag in Sachen Krankenhaus: Wolfgang Heinz, Chefarzt der Inneren Klinik II und Leiter des renommierten Darmkrebszentrums, will gehen. Nach gesicherten Informationen unserer Zeitung hat er gekündigt und wird die Klinik im kommenden Sommer verlassen.

Damit verlöre das Leonberger Krankenhaus binnen eines halben Jahres gleich drei anerkannte Chefärzte. Wie berichtet, ist Peter Münst, der Chef der Chirurgischen Abteilung, am 31. Dezember in den Ruhestand gegangen. Seine Position ist vom Dachverband des Krankenhauses, dem Klinikverbund Südwest, bisher nicht wieder besetzt worden – obwohl es zumindest zwei hervorragende Bewerber gibt, wie aus Fachkreisen verlautet.

Auch die Position des Chefarztes in der Klinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde könnte demnächst verwaist sein. Denn wenn der Amtsinhaber Harald Wolf in den Ruhestand geht, soll es dem Vernehmen nach keinen Nachfolger geben.

Offiziell ist es schwer, an gesicherte Informationen zu kommen. Ursula Kächele, die Sprecherin des Klinikverbundes, bestätigte am späten Freitagnachmittag zwar die Kündigung des anerkannten Mediziners, konnte aber nicht sagen, wie es weitergeht: „Uns hat die Kündigung erst jetzt erreicht, deshalb müssen nun Gespräche über die Zukunft stattfinden.“

Insider befürchten jedoch, dass dem Klinikverbund der Abgang von Wolfgang Heinz nicht ungelegen kommt. Wie mehrfach berichtet, soll die regionale Kliniklandschaft komplett umstrukturiert werden. Das Tübinger Gutachtenbüro Teamplan hat im Auftrag des Landkreises ein Gutachten erstellt, wie in den hochdefizitären Häusern des Klinikverbundes künftig die millionenschweren Verluste gesenkt werden sollen.

Demnach ist eine Großklinik am Böblinger Flugfeld für 351 Millionen Euro geplant. Die kleineren Häuser in Herrenberg und Leonberg sollen auf eine Basisversorgung abgestuft werden. Schwierigere Operationen sind nur im neuen Zentralkrankenhaus vorgesehen. Chefärzte haben die Gutachter in Leonberg nicht mehr geplant.

Dagegen ist ein Sturm der Entrüstung ausgebrochen. Anerkannte Mediziner wie der frühere Ärztliche Direktor Roman Weiske oder der Leonberger Herzspezialist Werner Metz sagen für die Leonberger Klinik einen Tod auf Raten voraus. Ein Krankenhaus ohne Chefärzte könne nicht funktionieren, hatte Metz in der vergangenen Woche in einem Gespräch mit unserer Zeitung erklärt.

Dass die Position des Chefarztes in der Chirurgie vorerst vakant bleibt, wurde offiziell mit der Neuausrichtung des Klinikverbundes begründet. Erst wenn das Konzept komplett feststehe, könnten solche Schlüsselpositionen neu besetzt werden, erfuhren Mitglieder des Aufsichtsrates auf Nachfrage. Eine vakante Chefarztstelle in Böblingen wurde aber sehr wohl besetzt.

Insgesamt gibt es in Leonberg acht Fachabteilungen: zwei Innere Kliniken, die auf die Bereiche Herz-, Lungen- und Gefäßkrankheiten sowie Gastroenterologie und Onkologie spezialisiert sind. Die Chirurgischen Kliniken unterteilen sich in die Bereich Allgemeine Chirurgie, Unfallchirurgie und Gefäßchirurgie. Zudem gibt es Kliniken für Gynäkologie, Anästhesie und Radiologie. Darüber hinaus haben ein Darmzentrum, ein Gefäßzentrum und ein Wundzentrum den medizinischen Ruf des Krankenhaus überregional gesteigert.

Schließlich verfügt die Klinik über einen Hubschrauberlandeplatz und einen Notarztdienst, der permanent mit zwei Intensivmedizinern besetzt ist. Angesichts der Nähe zu zwei Autobahnen ist der Hubschrauber stark im Einsatz.

Welche große Bedeutung Chefärzte für das Renommee einer Klinik haben, ist allein schon der Homepage des Klinikverbundes Südwest im Internet zu entnehmen. Dort wird sehr stark auf die hohe medizinische Kompetenz der einzelnen Klinikleiter in Leonberg verwiesen.

Wolfgang Heinz gilt als ausgewiesener Experte besonders für Darmkrebserkrankungen. Dass er nun von Bord geht, interpretieren Insider als Reaktion auf das geplante Sparprogramm mit dem Abschaffen der Leonberger Chefarztstellen. „Ein Topmediziner wie Heinz hat da andere Möglichkeiten“, sagt ein Arzt, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Gemeinsam mit seinem Kollegen Karl Josef Paul hat Heinz das Darmzentrum aufgebaut, das 2009 von der Deutschen Krebsgesellschaft und dem TÜV mit einem begehrten Gütesiegel ausgezeichnet wurde, das Tumorpatienten größtmögliche Betreuung garantiert.

Ein Aushängeschild ist auch das Gefäßzentrum des Ärztlichen Direktors Joachim Quendt, das 2010 von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie zertifiziert wurde. Im Ringen um die Zukunft des Krankenhauses kommt Quendts Abteilung eine Schlüsselposition zu: die Gefäßchirurgie könnte hier bleiben, um Leonberg wenigstens eine anerkannte und vor allem lukrative Fachabteilung zu lassen.

Experten ist das zu wenig: „Das Krankenhaus braucht mehrere Fachkliniken mit Chefärzten, um überleben zu können“, sagt nicht nur der Kardiologe Werner Metz.

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