In Leonberg stellte Winfried Hermann sein Konzept für nachhaltige Mobilität vor. Foto: dpa

Der Verkehrsminister Winfried Hermann hat in Leonberg seine ganz eigene Art von Wahlkampfhilfe demonstriert. Statt auf die Konkurrenz zu schimpfen, präsentierte er die Arbeit des eigenen Ministeriums zwischen Klimawandel und Verkehrschaos.

Leonberg - Von Wahlkampf ist im Haus der Begegnung wenig zu spüren. „Ich will sehr grundsätzlich werden und nicht über die anderen schimpfen“, beginnt der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann. Mit seinem Vortrag über nachhaltige Mobilität im Bundesland wollte er seinen Grünen-Parteifreund Sven Reisch bei dessen Kandidatur für den Bundestag im Wahlkreis Böblingen unterstützen. Einen kleinen Seitenhieb konnte er sich dann doch nicht verkneifen. „Die schwarz-gelbe Regierung hat in zentralen Fragen, in denen dringend hätte entschieden werden müssen, nichts getan“, kritisierte Hermann und zeigte Bilder des Klimawandels. So wurde der Freitagabend mehr zu einem Lokaltermin des Verkehrsministers.

„Der größte Treiber des Klimawandels ist der Verkehr, der über 30 Prozent des schädlichen CO2-Ausstoßes in Baden-Württemberg ausmacht“, leitete der grüne Minister über zu regionalen und teilweise auch sehr lokalen Themen. Wenn man keine andere Verkehrspolitik mache, dann bekomme man auch keine Klimawende hin. Wie das aussehen kann, legte der Politiker anschließend dar. Zuerst: weg vom Öl. „Das ist klimaschädlich und irgendwann nicht mehr bezahlbar“, sagte Winfried Hermann. Dabei sei Baden-Württemberg besonders gefragt. Schließlich sei das Auto hier erfunden worden und einige der größten Automobilkonzerne der Welt sowie unzählige Zuliefererbetriebe haben ihren Sitz hier. Doch die sieht er in Sachen nachhaltige Mobilität gut aufgestellt.

Weit weniger gut sehe es dagegen bei der Verkehrsinfrastruktur aus. Über viele Jahre sei zu viel Geld in den Aus- und Neubau von Strecken investiert worden. Jetzt fehlten in Deutschland jährlich 7,2 Milliarden Euro, um bestehende Straßen zu erhalten. Und das bei zunehmender Bevölkerung und steigendem Verkehr in der Region Stuttgart. Auf dem Autobahnabschnitt zwischen Stuttgart und Leonberg sei dies für ihn jedoch ein Grund, die Fahrbahn um eine Spur zu erweitern. „Die Autobahnen sind fast überall so überlastet. Und mit einer Spur mehr dran wird am wenigstens Fläche verbraucht“, begründete der Verkehrsminister das Vorhaben.

Weniger Lärm, Luftverschmutzung und Flächenverbrauch – bei den etwa 20 Zuhörern, vornehmlich ebenfalls Grüne, stießen die Anliegen Hermanns rund um den Ausbau von Schienennetzen, öffentlichem Nahverkehr und Radwegen auf offene Ohren. Doch die hiesigen Parteigänger gaben Hermann ebenfalls eine ganze Reihe von Wünschen mit auf den Weg. So zum Beispiel beim Thema Güterverkehr durch Leonberg oder bei der Hermann-Hesse-Bahn nach Calw.

Verkehr verträglich gestalten mit umweltfreundlicheren Technologien, ihn verlagern auf Bus, Bahn und Rad oder ganz vermeiden sowie die Transportmittel vernetzen – diesen Weg hin zu nachhaltiger Mobilität skizzierte Hermann. „Eine andere Mobilität und anderer Verkehr werden nur gelingen, wenn ein Umdenken stattfindet“, lautete die abschließende Forderung des Verklehrsministers.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: