Wahltag: Auszählung im Leonberger Johannes-Kepler-Gymnasium Foto: Simon Granville

Die Fraktionsvorsitzenden im Leonberger Gemeinderat kommentieren den Ausgang der Bundestagswahl. Die Stimmung ist in großen Teilen gedämpft.

In Leonberg haben 84 Prozent der Wahlberechtigten bei der Bundestagswahl ihre Stimme abgegeben. Das wertet Oberbürgermeister Martin Georg Cohn als „starkes Zeichen für die Demokratie“. Die Wahl verlief reibungslos, in der Stadt waren insgesamt 427 Wahlhelferinnen und Wahlhelfer im Einsatz, unter anderem auch in Warmbronn, Höfingen, Gebersheim und in Silberberg. Ihnen dankte der OB ebenso wie den hauptamtlich Verantwortlichen für das Engagement, auch schon im Vorfeld des Urnengangs.

 

Oliver Zander, CDU: „Eine drei vorne wäre gut“

Unter den Parteivertretern im Leonberger Gemeinderat sorgen die Resultate naturgemäß für Diskussionsstoff. So sieht der CDU-Fraktions- und Stadtverbandsvorsitzende Oliver Zander das Abschneiden seiner Partei mit gemischten Gefühlen. „Eine drei vorne wäre schon gut“, bewertete er die 28,5 Prozent der Christdemokraten, die schon am frühen Sonntagabend mehr oder weniger feststanden. Bei der Regierungsbildung hofft er auf eine Zweier-Koalition, die schnell unter Dach und Fach gebracht werden solle. „CDU und SPD wäre da das eindeutigste.“ Das Abschneiden der AfD hielt er nach den ersten Prognosen am Sonntagabend „für nicht ganz so schlimm wie befürchtet“ – allerdings kletterte die Partei dann noch auf fast 21 Prozent. Den Wahlabend verbrachte Zander so: Essen gehen und dann die Ergebnisse zuhause verfolgen – und diskutieren.

Ottmar Pfitzenmaier, SPD: „Warum kein Neuanfang?“

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ottmar Pfitzenmaier ist nicht überrascht vom historischen Absturz seiner Partei, die mit 16,4 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis aller Zeiten bei Bundestagswahlen einfuhr: „Es war von Anfang an unklug, mit Olaf Scholz als Kanzlerkandidaten in den Wahlkampf zu gehen.“ Er sei eben nun mal das Gesicht der geplatzten Ampel. „Warum kein Neuanfang?“, fragt der Leonberger Sozialdemokrat, der den Nichteinzug sowohl der FDP als auch des BSW in den Bundestag begrüßt.

Eine Koalition aus CDU und SPD wäre sein bevorzugtes Modell. „Wobei es mit der CSU als Unruhestifter dann doch wieder eine Dreierkoalition wäre.“ Früher habe das Zusammenspiel von CDU und SPD als Notlösung gegolten, heute sei es die größte Hoffnung. In Sachen AfD überrasche ihn das Ergebnis ebenfalls nicht. „Die Vorfälle in den vergangenen Wochen haben ihnen in die Hände gespielt“, sagt er. Der Schlussspurt der Linken in den abschließenden Wochen des Wahlkampfes berührt ihn indes wenig: „Wenn es schon reicht, nichts falsch zu machen, dann weiß ich auch nicht.“ Am Wahlabend verfolgte Pfitzenmaier zunächst das Bundesliga-Fußballspiel des FC Bayern (4:0 gegen Frankfurt), bevor er sich ganz den Analysen und Hochrechnungen widmete.

Horst Nebenführ, FDP: „Linder war Belastung für FDP“

Horst Nebenführ, Fraktionsvorsitzender der FDP im Leonberger Gemeinderat, kommentierte angesichts der ersten Hochrechnungen am Sonntagabend noch: „Natürlich hoffen wir, dass wir reinkommen, damit in einer Regierung zwei Parteien mit Wirtschaftskompetenz vertreten sind.“ Es wurde ein spannender Abend mit enttäuschten liberalen Hoffnungen in Form von 4,3 Prozent, dem verpassten Einzug in den Bundestag – und dem angekündigten Politikrückzug des Parteivorsitzenden Christian Lindner. „Darüber bin ich froh“, so Nebenführ, der Lindner als „Belastung für die FDP“ gesehen hatte. Lindner sei arrogant und überheblich rübergekommen, zudem sei der Umgang mit dem „D-Day-Papier“ schlecht gewesen. „Und das vergessen die Wähler nicht.“

Ohne die FDP fehle die Wirtschaftskompetenz in einer schwarz-rot-gelben Koalition. Mit Blick auf das CDU-Ergebnis sagt Nebenführ: „Herr Merz hat sich im Endspurt sehr burschikos gezeigt, und damit vielleicht den ein oder anderen verprellt.“ Die SPD indes könne „man ja sowieso nicht mehr wählen. Olaf Scholz hat als Kanzler eine denkbar schlechte Figur gemacht“. Im Laufe des Sonntags hat Nebenführ gemeinsam mit Stadtverbandsmitglied Katrin Jaki schon FDP-Wahlplakate abgehängt und den restlichen Wahltag zuhause verbracht.

Bernd Murschel, Grüne: „Koalitionsbildung superspannend“

Von einem „blauen Auge nach all dem Bashing der letzten Wochen“ für seine Partei spricht der Grünen-Fraktionsvorsitzende Bernd Murschel. 11,6 Prozent stehen unterm Strich. Die Bildung einer Koalition werde „superspannend“. Er hoffe, dass die Ansagen der CDU bezüglich der AfD Bestand haben. Vom Ergebnis sei er nicht sonderlich überrascht – auch wenn die CDU „mit einem Alleinstellungsmerkmal aus der Opposition heraus eigentlich viel mehr Stimmen hätte holen müssen“.

Die SPD hingegen habe sich in einen Wunschtraum hineingeträumt. Respekt hat Bernd Murschel, wie zumindest in Sachen Wahlkampf übrigens auch Horst Nebenführ, für die Linke übrig – „eine Partei mit einem Alleinstellungsmerkmal, mit Positionen, die offenbar gefragt sind. Da muss man gratulieren“. Er selbst verbrachte den Abend bei einer kleinen, privaten Wahlparty.