Wolfgang Schneider leitet das Bürgeramt im Alten Rathaus. Foto: factum/Bach

Wolfgang Schneider ist seit 40 Jahren im öffentlichen Dienst. Ein Streifzug durch vier Jahrzehnte in der Leonberger Stadtverwaltung mit dem Leiter des Bürger- und Ausländeramtes.

Leonberg - An seinen Einstand im Leonberger Rathaus erinnert sich Wolfgang Schneider ganz genau. „Damals dachte ich nur: Mein Gott, was sind denn das für hochbetagte Herrschaften hier, die sind ja alle um die 30“, sagt der jetzt 55-Jährige im Rückblick. Mittlerweile ist er selbst der Dienstälteste in der Stadtverwaltung am Marktplatz. Er entspricht dem Klischee eines nüchternen und steifen Beamten aber ganz und gar nicht.

Denn dass er zum Lachen nicht in den Keller geht, das merkt man schon bei der Begrüßung. „Schneider, Wolfgang Schneider, seit gefühlten 40 Jahren im öffentlichen Dienst“, sagt der Mann, der als Sachgebietsleiter des Bürger- und Ausländeramtes unter anderem über das Ausstellen von Pässen und Aufenthaltserlaubnisse entscheidet. Trotz der 40 Dienstjahre auf dem Buckel betont er: „Ich gehe noch immer gerne in die Arbeit.“ Das dem so ist, liegt nicht daran, dass der heimische Haussegen schief hängt. Im Gegenteil. „Meine Gattin schafft auch im Rathaus“, merkt er grinsend an, „das ist für mich also ohnehin keine Fluchtmöglichkeit.“

Wenn er die vier Jahrzehnte im Kommunaldienst Revue passieren lässt, dann sind es vor allem die Begegnungen mit Menschen, die sich in sein Gedächtnis eingebrannt haben. Vor allem mit jenen im Ausländeramt. „Man freut sich ungemein, wenn man ausländischen Mitbürgern aus humanitären Gründen den Aufenthalt bei uns ermöglichen kann“, erklärt der 55-Jährige, dessen Einsatz schon mal mit Mitbringseln aus fernen Gefilden quittiert wird. Aber: „Bestechen lassen wir uns natürlich nicht.“

Der Job im Ausländeramt hatte aber auch seine Schattenseiten. „Bevor die Zuständigkeiten geändert wurden, musste ich in Einzelfällen schon mal bei Abschiebungen mitwirken“, erklärt er. Nicht selten sei er dann morgens um 6 Uhr mit den Vollzugskräften an der Tür gestanden, um die Leute abzuholen. „Besonders schlimm war es, wenn Kinder beteiligt waren“, erinnert sich der Beamte.

Was seine Arbeit am Schreibtisch angeht, so hat der technische Fortschritt vieles vereinfacht. „Früher hatten wir eine Schreibmaschine und zahllose Karteikarten, inzwischen läuft alles über den PC“, sagt der 55-Jährige, der sich kopfschüttelnd an die damaligen Stempelungen von Akten erinnert. „Zwei Mal in der Woche musste ich mir einen ganzen Aktenberg vornehmen“, berichtet er, „abends hat man dann ausgesehen wie ein Ferkel, alles voll mit Stempelfarbe.“ Doch weniger ist die Arbeit mit den Jahren nicht geworden.

Bevor Schneider in der Verwaltung anheuerte, wäre er um ein Haar als Betriebsschlosser bei Daimler gelandet. „Mir wurde aber dann gesagt, dass ich mich aus gesundheitlichen Gründen um einen Job bemühen sollte, den man im Sitzen ausüben kann. Also entschied ich mich für eine Ausbildung im mittleren Verwaltungsdienst“, erzählt der Beamte, der dann beim Landratsamt in Böblingen unterkam.

Im Jahr 1977 ging es ins Gewerbeamt nach Leonberg, wo er sechs Jahre blieb. Anschließend wechselte der gebürtige Renninger ins Ausländeramt, bevor er 1998 in den gehobenen Dienst aufstieg und ein Jahr später auch das Bürgeramt übernahm.

Aus seinen Zukunftsplänen macht Wolfgang Schneider keinen Hehl. „Ich bin noch zwölf Jahre da. Es braucht keiner zu fragen, wann ich gehe“, kündigt der Leonberger grinsend an. Damit würde er sogar die 50 Jahre im öffentlichen Dienst voll kriegen. Er lächelt: „Dann komme ich aber ganz sicher ausgestopft in die Vitrine!“

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