Zum 50. Geburtstag präsentiert sich das THW wieder beim Pferdemarkt. Foto: factum/Granville

Vor 50 Jahren wird der THW-Ortsverband gegründet. Heute ist die technische Hilfe nicht mehr wegzudenken. Ein Mann der ersten Stunde erinnert sich an die Anfänge.

Leonberg - Es war eines der größten Hochwasser des vergangenen Jahrhunderts in Leonberg: Im August 1966 bricht am Steinbachsee, einem der Stuttgarter Parkseen, ein Damm. Die Wassermassen ergießen sich durch das Mahdental, überfluten die Autobahn am Leonberger Dreieck und setzen schließlich halb Eltingen sowie weitere Gebiete entlang der Glems unter Wasser. Der Einsatz für die Rettungskräfte ist schwierig. So kann beispielsweise die Feuerwehr nicht ausrücken, weil die damalige Wache im Ramtel aus Parkplatznot zugeparkt ist.

Zudem: Die Aufgaben sind zu vielfältig und zahlreich, als das Feuerwehr und DRK allein damit fertig werden. „So entstand die Idee, in Leonberg einen Ortsverband des THW zu gründen“, erzählt Peter Bachofer. Der Leonberger war damals 17 Jahre alt und gehörte zu den Gründungsmitgliedern des Technischen Hilfswerks am Engelberg. Am Nikolaustag 1966 war es dann soweit: Der Ortsverband wurde aus der Taufe gehoben. Fünf Gründungsmitglieder sind noch heute Mitglied im Leonberger THW und auch am Freitagabend dabei, wenn der Ortsverband zum Jahresempfang einlädt.

Technisches Können und Gemeinschaftsinn

1966 ist Peter Bachofer noch in der Lehre. „Das THW hat sich in der Berufsschule vorgestellt, und ein Schulkamerad und ich sind dann gemeinsam eingetreten“, erzählt der Leonberger. Als angehender Elektroinstallateur brachte er das mit, was auch heute noch das THW in weiten Teilen auszeichnet: berufliches Können und Wissen ehrenamtlich und zum Wohle der Allgemeinheit einbringen. „Die Technik und das Helfen haben uns sehr zugesagt, aber auch die Gemeinschaft. Und wir haben neue Herausforderung gesucht“, sagt Bachofer.

Doch zunächst einmal mussten die jungen Helfer ausgebildet werden. Dabei war der Ortsverband Wildberg behilflich. Zum Abschluss wurde eine Holzbrücke über die Nagold errichtet. Bachofer kam in die Elektrogruppe, die später zum Instandsetzungszug wurde. Bis in die 80er-Jahre hinein war er dort Zugführer, also Leiter. Anschließend überließ er den jüngeren das Feld und wechselte in die Altersabteilung.

Auch der Koch gehört fest dazu

Auch wenn die Anfangsjahre schwierig waren – es gab keine feste Unterkunft, erst Ende der 60er-Jahre ein erstes Fahrzeug – erinnert er sich gern daran. „Wir haben angefangen mit Bindeleinen, ein paar Schaufeln und Pickeln“, erzählt er und lacht. Heute verfügt das THW über sieben moderne Fahrzeuge und diverse Anhänger sowie umfangreiches Spezialwerkzeug zum Räumen, Sichern oder Retten. Das Technische Hilfswerk ist eine Bundesanstalt und untersteht dem Bundesinnenministerium, das auch für die Ausstattung der Ortsverbände zuständig ist. 668 THW-Ortsverbände gibt es bundesweit. Neben dem Ortsbeauftragten, seinem Stellvertreter, den Beauftragten für Ausbildung, Verwaltung und Öffentlichkeitsarbeit, dem Jugendbetreuer und dem Schirrmeister gehört übrigens auch ein Koch fest zum Stab eines jeden Ortsverbandes.

„Das THW hat sich in dieser Zeit gewaltig verändert“, meint Bachofer. Mit dem Ende des Kalten Krieges habe sich die Ausrichtung komplett verändert. „Vorher ging es sehr um Vorbereitungen auf den Ernstfall, danach nur noch um Friedenszeit-Katastrophen“, sagt der Leonberger. So wurde etwa noch 1987 dem THW die Verantwortung für die Parkkaverne übertragen, die im Falle eines Falles als Schutzraum für die Bevölkerung dient.

50 Jahre THW – das wird gefeiert

50 Jahre THW in der Großen Kreisstadt werden aber auch noch bei weiteren Gelegenheiten über das Jahr verteilt gefeiert. Beim Jahresempfang am Freitagabend gibt es eine Fahnenweihe. Bislang hatte das THW über keine Standarte verfügt. Das traditionelle Maibockfest, mittlerweile die 28. Ausgabe, findet am Wochenende des 1. Mai statt und wird zur Geburtstagsparty umfunktioniert, zu der die ganze Stadt eingeladen ist. Den Abschluss bildet schließlich der große Festakt am 9. Dezember in der Stadthalle, wenn dann auch offiziell das halbe Jahrhundert Leonberger THW-Geschichte vollendet ist.

Die Geschichte des THW in Leonberg

August 1966
Am Steinbachsee im Glemswald bricht ein Damm. Die Wassermassen ergießen sich durchs Mahdental auf die Autobahn und überfluten schließlich auch Eltingen.

Nikolaustag 1966
Der Ortsverband Leonberg des Technischen Hilfswerks wird gegründet.

Anfänge
 In den ersten Jahren steht ein Übungsgelände im Mahdental zur Verfügung. Ausbildungen werden in privaten Werkstätten durchgeführt. 1967 kommen die Geräte ins Eltinger Rathaus. Ab 1969 werden die zwei Fahrzeuge im Eltinger Farrenstall untergebracht. Für 16 Helfer beginnt 1967 die Grundausbildung durch den Ortsverband Wildberg. Über die Jahre folgen Großübungen, zudem werden die Helfer durch Stromausfälle, Tornados, eine Explosion, ein Tankzug-Unglück und einen Flugzeugabsturz vor große reale Herausforderungen gestellt.

Unterkunft
Nach der Stilllegung des Gipswerks im Jahr 1977 mietet sich das THW dort ein. Es wird die erste zentrale Unterkunft. Doch schon bald folgt der nächste Umzug, da das Gelände bebaut wird. Bei der Firma Stohrer gibt es Unterschlupf, aber nicht für alle Fahrzeuge. Mitte der 80er-Jahre zeichnet sich endlich eine Lösung ab. Im Februar 1988 wird schließlich die THW-Unterkunft in der Mollenbachstraße 11 eingeweiht, die 1998 um ein Gebäude für die Jugendgruppe und die Althelfer erweitert wird.

1982
Der Förderverein „Helfervereinigung Leonberg“ wird gegründet, über den einige zusätzliche Ausstattung beschafft wird.

1985
Erster Auslandseinsatz für das Leonberger THW. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs gibt es Einsätze in Armenien, Rumänien und Russland, aber auch im Iran. 2015 war ein THW-Helfer beim Ebola-Einsatz in Sierra Leone, im Jahr davor beim Hochwasser in Bosnien.

1994
Die bundesweite Umstrukturierung des THW aufgrund der veränderten weltpoltischen Lage beginnt. Die großen Bergungs- und Instandsetzungszüge werden aufgelöst und in flexiblere Bergungsgruppen und Fachgruppen aufgeteilt. So etwa 1996 in Leonberg, als ein Technischer Zug mit Fachgruppe Infrastruktur eingerichtet wird. Diese Gruppe wird 2012 in eine Fachgruppe Räumen überführt.

Heutige Struktur
Das Einsatzgebiet erstreckt sich über den gesamten Altkreis Leonberg. THW-Ortsbeauftragter ist Matthias Schultheiß (seit 2010), sein Stellvertreter Simon Salin. Das Technische Hilfswerk setzt bei seiner Arbeit auf eine Kombination von universellen Bergungsgruppen und spezialisierten Fachgruppen. Der Leonberger Ortsverband verfügt über einen Zugtrupp, grundsätzlich zwei Bergungsgruppen sowie die Fachgruppe Räumen. Die Bergungsgruppen decken ein breites Aufgabenspektrum ab, dazu gehören Retten, Bergen, Sicherungs- und leichte Räumarbeiten sowie vielfältige technische Hilfeleistungen.

Andere Aufgaben
In den vergangenen 50 Jahren hat das THW verschiedene Schutz- und Hilfsaufgaben in der Stadt übernommen oder unterstützt. Vom Schneeräumdienst über die Kriegsgräberfürsorge, vom Umweltschutz bis zur Pflege der Parkkaverne unter der Altstadt als Katastrophenschutzraum. 2015 gab es das 27. Maibockfest beim THW.

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