Dieser Porsche von 1973 könnte das bald wieder richtige Nummerschild haben. Foto: Porsche

Im Südwesten hat Grün-Rot die Entscheidung wiederum an die Landkreise zurück delegiert. Theoretisch könnte nun der Landrat Roland Bernhard allein über das LEO-Kennzeichen entscheiden. Doch er tut nichts ohne seinen Kreistag. Und da gibt es Widerstand.

Leonberg - Viel ist bisher über die Altkreis-Kennzeichen spekuliert worden – vor allem, ab wann das markante Kürzel LEO auf den Kennzeichen zwischen Würmtal und Engelbergturm wieder fabrikneue Fahrzeuge zieren darf. Nachdem der Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) recht schnell im Doppelpass mit dem Bundesrat die Voraussetzungen geschaffen hat, sind nun die Landesregierungen am Zug gewesen. Die politischen Weichen sind bereits Ende September gestellt worden. Im Südwesten hat Grün-Rot die Entscheidung wiederum an die Landkreise zurück delegiert.

Theoretisch könnte nun der Landrat Roland Bernhard allein entscheiden. Doch er tut nichts ohne seinen Kreistag. Bei der heutigen Sitzung im Verwaltungsausschuss sowie der nächsten Sitzung am 19. November will Bernhard das Thema klären. Zu entscheiden hat der Kreistag formalrechtlich nichts, er kann lediglich am Ende eine „Erklärung“ dem Landrat abgeben, der diese dann wieder in die Hierarchiestufen weiter gibt. Das Regierungspräsidium sammelt die Antworten für das Land, dieses meldet dann wieder nach Bonn weiter – und dort gibt es dann grünes Licht aus der Verwaltung. Übrigens: Die Umstellung – und auch die Vorreservierung der Wunschkennzeichen – kann erst ab diesem Zeitpunkt erfolgen.

Widerstand im Kreistag gegen LEO

Beobachter des Kreisparlaments können sich allerdings vorstellen, dass sich die Begeisterung für LEO in BB durchaus in Grenzen halten könnte, dass es sogar zu kontroversen Diskussionen kommt. Dabei kostet das Thema den Landkreis nichts. Die Gebühren für die Ummeldung auf ein Wunschkennzeichen (nichts anderes ist der LEO) müssten die Autofahrer ohnehin selbst berappen – und sogar Sindelfinger oder gar Unterjettinger dürften künftig mit einem LEO auf dem Heilix Blechle vorfahren. Es wird kein Privileg der Bewohner des einst ältesten württembergischen Oberamtsbezirks rund um den Engelberg.

Der Landrat selbst hatte die Idee bereits früher einmal als „sympathisch und identitätsstiftend“ befunden – anders als sein Landkreistag in Stuttgart, der die Wiedereinführung für einen „Schritt zurück von den 1973 beschlossenen Reformen“ hielt.

Wenn denn der Kreistag grünes Licht gibt, könnten die Bürger für unterm Strich rund 60 Euro ihre alten Nummernbleche gegen neu gestanzte tauschen. Diskret weist die Kreisverwaltung darauf hin, dass bei einer Ummeldung fast 27 Euro Gebühren-Einnahmen rund 8 Euro Lohnaufwand für diesen Vorgang gegenüber stehen.

Und dass ein hohes Potenzial für die Wiedereinführung gibt: Von den 286 000 zugelassenen Fahrzeugen im Kreis fahren mehr als 73 000 zwischen Weissach und Warmbronn umher. Allein in der Großen Kreisstadt Leonberg sind fast 32 000 Fahrzeuge zugelassen. Der Heilbronner Touristikprofessors Ralf Bochert, der zunächst eine bundesweite Untersuchung in Altkreis-Städten angestoßen und dann mit einer Initiative große Kreise gezogen hat, wirbt selbst sehr bescheiden für die neuen alten Nummernschilder. „Es handelt sich hier bestimmt nicht um das Top-Thema für die Tagespolitik“, sagt er.

Auch junge Leute wollen sich mit LEO schmücken

Aber angesichts einer Zustimmung von 73 Prozent aller Befragten sieht der Tourismusexperte ein hohes Potenzial , um gerade mit einem kleinen Detail wie einem Autokennzeichen Werbung für die eigene Heimat zu machen. Bemerkenswert: Gerade Jüngere würden es begrüßen, wenn sie wieder die alten Kreiskürzel auf ihre Kennzeichen hängen dürften.

Beim Leonberger Oberbürgermeister und dem Gemeinderat der Stadt rannte Borchert mit seiner Präsentation offene Scheunentore ein. Innerhalb des Kreistages sind bekennende LEO-Politiker allerdings eher unterrepräsentiert: Das Rathaus selbst hat bis auf die Sozial-Abteilungsleiterin Gabriele Schmauder, die für die SPD im Kreistag sitzt, keine LEO-Lobbyisten in dem Gremium. Immerhin ist CDU-Fraktionschef Helmut Noë Leonbergs einstiger Erster Bürgermeister – und als solcher kann der Mann gewiss auch rechnen.

Der Landrat Roland Bernhard hingegen geht mit einer äußerst diplomatischen Aussage in seiner Vorlage in die Sitzungen: „Eine Wiedereinführung von LEO könnte eine Ergänzung zu BB darstellen. Sie sollte allerdings nicht zu einem Identitätsverlust als Landkreis Böblingen führen.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: