Lebensretter bei der Arbeit. Foto: privat

Bei der DLRG-Hauptversammlung schlägt der Vorsitzende Oliver Sauermann Alarm: Nach der Schließung von Sportzentrum und Hallenbad kämpft der Verein mit beträchtlichem Mitgliederschwund.

Leonberg - Schwere Zeiten für die Leonberger Ortsgruppe der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG): Der Schwund der persönlich engagierten Mitglieder bei den Schwimmern sei im vergangenen Jahr dramatisch gewesen, und es sei 2012 alles aus dem Ruder gelaufen. Diese Bilanz hat der Vorsitzende Oliver Sauermann gleich zu Beginn der Jahreshauptversammlung gezogen. Die Zahl der Riegenführer sei von 45 aktiven Schwimm- und Lehrgangsleitern auf 16 zurück gegangen. Dies führte der technische Leiter Holger Winkler auf die Schließung des Hallenbades zurück. Seit dem Sommer 2011, als das Bad wegen technischer Mängel dicht gemacht wurde, sitzen die Lebensretter sozusagen auf dem Trockenen.

Dieser Umstand führte dazu, dass einzelne Schwimmkurse ausfallen mussten oder in umliegende Bäder ausgelagert wurden. Das Kinder- und Jugendschwimmen findet beispielsweise samstags in Rutesheim statt. Obwohl die Leonberger DLRG sowie die Wasserfreunde dort freundlich aufgenommen worden sind, fehlten die technischen Vorsetzungen für das Erwachsenentraining und für die Rettungskurse. Teilweise wurden diese Kurse über den Sommer im Leobad angeboten. Winkler betonte, dass witterungsbedingt viele Aktionen nicht möglich gewesen seien, obwohl die Stadt durch die Ausweitung der Öffnungszeiten versucht habe, die Situation für den Verein zu verbessern. Prüfungen der Rettungsschwimmer mussten im Hallenbad der Stadt Sindelfingen abgelegt werden. Das Hallenbad der Stadt, welches im Sommer 2011 aufgrund schwerer technischer Mängel geschlossen wurde, konnte von den Wassersportlern nicht mehr als gewohnte Trainings- und Begegnungsstätte genutzt werden.

Die Tatsache auf mehrere Bäder ausgelagert und verteilt worden zu sein und der Ausfall einzelner Kurse führten im Bereich der aktiven Mitglieder zum Einbruch. Hinzu kommt, dass gemeinsame Aktionen und Ausflüge im vergangenen Jahr auf wenig Interesse und Teilnahme gestoßen sind. „Das Vereinsleben ist somit fast gänzlich zum Stillstand gekommen“, sagte Nicola Roth, die für die Öffentlichkeitsarbeit der DLRG-Ortsgruppe verantwortlich ist. „Wenigstens sind uns die zahlenden Mitglieder bisher nicht alle weggelaufen, denn sonst würde der Verein auch in finanzieller Hinsicht nicht so gut dastehen“, erläuterte die Kassiererin Simone Schanz .

Das Interesse an einer lebenswerten Stadt sei eine Gemeinsamkeit zur Leonberger Ortsgruppe der DLRG, betonten der Oberbürgermeister Bernhard Schuler und die Vorsitzenden der einzelnen Fraktionen. Daher sei es Ehrensache, den Verein bei ein bis zwei Aktionen, wenn auch nicht finanzieller Natur, zu unterstützen, wie Schuler weiter ausführte.

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen leisteten die Leonberger Rettungsschwimmer im vergangenen Jahr über 2160 Stunden ehrenamtliche Wache. Diese fanden nicht nur an den Wochenenden im Leobad statt, sondern auch am Breitenauer See und an der Ostsee. Durch das rechtzeitige und professionelle Eingreifen der Leonberger Rettungsschwimmer in Ahrenshoop im August konnten vier Menschen vor dem Ertrinken gerettet werden (wir berichteten). Die Wasserretter investieren einige Wochen ihres Jahresurlaubs für diese Tätigkeiten.

Dieser hohe persönliche Einsatz scheint für die Mitglieder des Leonberger Vereins selbstverständlich zu sein. Ebenso die soziale Bedeutsamkeit, nicht nur im Rahmen der immer wichtiger werdenden Integrationsarbeit in unserer Gesellschaft, sondern auch als ein Ort mit fast familiärer Atmosphäre. Dieser Aspekt kam unter anderem auch bei den Ehrungen der llangjährigen Mitglieder zum Ausdruck. Ulrich Weiland und Manfred Schüle halten dem Verein bereits seit 60 Jahren die Treue. Weiland, dem zusätzlich die Ehrenmitgliedschaft verliehen wurde, über sein Engagement: „Ich habe acht Jahre als Schwimm-Meister in Leonberg gearbeitet und während dieser Zeit meinen Beruf aufgegeben“. Mit 77 Jahre höre er jetzt aber mit dem aktiven Schwimmunterricht auf und freue sich schon, bald wieder im Leonberger Hallenbad schwimmen gehen zu können. Bernhard Schuler dazu: „Die Renovierungsarbeiten des Bades sind voll im Zeitplan“. Außerdem wolle der Oberbürgermeister gemeinsam mit der DLRG an Weihnachten dieses Jahres baden gehen. Für den Verein ist die Wieder-Eröffnung das wichtigste Datum, um wieder voll einsteigen zu können und, wie Nicola Roth hinzufügt, „das Vereinsleben wieder aufleben zu lassen.“

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