Die Deutschen spielten gegen Profis, aber auch mal gegen Schüler, wie Guido Freyer. Foto: privat

Martin Berger nimmt mit dem deutschen Team an der Weltmeisterschaft im chinesischen Schach teil. Dabei spielt er nicht nur gegen die Profis, sondern auch gegen Schüler. Von seiner Reise hat er viele Eindrücke mitgebracht.

Leonberg - Wenn ein Deutscher nach China fährt, um an den Weltmeisterschaften im chinesischen Schach teilzunehmen, dann kann er eigentlich nur eins: lernen. Der Leonberger Martin Berger hat an der WM in China teilgenommen. „Die meisten deutschen Spieler, wie auch ich, sind weniger wegen der Spielstärke dort gewesen. Die Spieler mit chinesischer Abstammung sind einfach zu stark. Viel mehr sind wir Kulturbotschafter in beide Richtungen“, sagt der Leonberger. Er hatte in diesem Jahr ein bundesweites Turnier in Xiangqi, so heißt das chinesische Schach, ins Eltinger Rathaus geholt (wir berichteten). „Xiangqi gehört in China zu den vier großen Künsten und die Chinesen finden es toll, dass es Langnasen gibt, die ihre Kulturaspekte im Ausland leben“, sagt Berger.

Xiangqi unterscheidet sich deutlich von der in Europa bekannten Variante des Schach. Das Spielfeld besteht aus Linien, nicht aus Quadraten, in der Mitte befindet sich eine Grenze, der sogenannte Gelbe Fluss, der die beiden Seiten des Feldes in ein nördliches und ein südliches Reich trennt. Auch gibt es keine Könige, Damen, Bauern oder Springer. Dafür heißen die flachen, kreisrunden Spielsteine Feldherr, General, Soldaten, Kanonen, Elefanten und Pferde. Das Spiel wird auch in Deutschland überwiegend von Einwanderern aus China gespielt.

Zur Vorbereitung flog das deutsche Team nach Jiangyin, einer 70 000-Einwohner-Stadt im Jangtse-Delta nahe Shanghai. Als „Kulturbotschafter“ wurden er und seine Teamkollegen Entscheidungsträgern vorgestellt und die Gruppe besuchte viele Einrichtungen. Der Bürgermeister von Jiangyin sei ganz fasziniert gewesen von seinen Erzählungen über Leonberg. Er habe immer wieder davon gesprochen, eine Städte-Partnerschaft anzustreben. Jiangyin City ist die kleinste eigenständige Stadt in China mit nur 70 000 Einwohnern. Verwaltungsstädte haben sonst mindestens 300 000 Einwohner.

Auch ein Schulbesuch und ein Teammatch gegen eine Stadtauswahl standen in China auf dem Programm. Die Jiangyin Huashi Experimental Primary School ist eine Modellschule für besonders begabte Kinder. Auf dem Gelände hätten überall Xiangqi-Steine gelegen, im Durchmesser etwa einen halben Meter breit, berichtet der Leonberger. Für die Schüler sei Xiangqi in der ersten Klasse Pflichtfach, danach Wahlfach. Eine Auswahl von Schülern durfte dann gegen das deutsche Team spielen. Bergers Team-Kollege Guido Freyer zog „den schwarzen Peter“ und verlor beide Partien gegen Schüler. Das machte er jedoch wieder wett bei der anschließenden Begegnung gegen einen Lehrer. Martin Berger spielte Remis.

Am vierten Tag der Reise stand in Nanjing ein Team-Spiel mit Spielern der Stadt gegen eine deutsch-kanadische Mannschaft auf dem Plan. Martin Berger war von dem riesigen Trubel beeindruckt. „Die Ergebnisse waren danach nebensächlich. Wir wissen nicht einmal, wie das Gesamtergebnis war. Wir haben wohl ziemlich deutlich verloren“, kommentiert er.

In Huizhou fand schließlich die WM statt. „Bei der Organisation des Turnieres merkte man dann schon, dass es eine besondere Veranstaltung ist“, meint Martin Berger. Es gab einen großen Saal mit vielen Tischen, viele Partien wurden live im Fernsehen übertragen, die Spieler interviewt.

Am Ende belegte die deutsche Mannschaft Platz vier. Martin Berger kam auf Rang 65 unter 70 Startern, darunter viele Profis aus China. „Ich persönlich bin zufrieden, da ich mein erwartetes Ergebnis knapp übertroffen habe“, sagt der Leonberger, „gelernt habe ich sehr viel, und konnte gut feststellen und bestätigen, wo meine Schwachpunkte sind.“ Er hofft, bei der nächsten WM in Hongkong wieder dabei zu sein. Bis dahin will er sein Spiel verbessern – und Chinesisch lernen.

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