Welch ein Theater: Die Schüler proben mit Peter Höfer (Bühne16) . Foto: factum/Granville

Seit einigen Monaten gibt es die offene Ganztagsbetreuung an der Schellingschule. Die erste Bilanz fällt positiv aus: Die Kinder haben Spaß, probieren viel aus und niemand wurde bisher wieder abgemeldet. Auch bei der Finanzierung wird nachgebessert.

Leonberg - Lachend laufen die Kinder über den Spielplatz der Schellingschule. In bunten Jacken klettern sie das Holzgerüst nach oben. Zwei Jungs sausen nacheinander die Rutsche hinab, die so blank poliert aussieht, als wäre sie neu. „Dabei hat der Oberbürgermeister damals selbst mitgeholfen, den Spielplatz aufzubauen“, erzählt der Schulleiter Dieter Bölz-Hohkamp. 2001 wurde dieser eröffnet. Jetzt ist es kurz nach 13 Uhr und etwa 20 Grundschüler haben das Holzgerüst in Beschlag genommen. Es ist Spielzeit an der Schellingschule, die seit diesem Schuljahr eine Ganztagsbetreuung hat, ebenso wie die August-Lämmle-Schule. Zwischen 18 und 20 Kinder aus der ersten und zweiten Klasse nutzen dies an der Schellingschule täglich.

Im ersten Stock des Anbaus, der für die Klassenstufen eins und zwei vorgesehen ist, hängt ein bunter Plan der Ganztagsbetreuung. Von 12.15 bis 13 Uhr essen die Kinder gemeinsam zu Mittag. Es folgt eine Stunde Spielzeit. „Danach beginnt die Nachmittagsbetreuung mit Lernzeit und anderen Aktivitäten. Hier arbeiten wir eng mit städtischen Einrichtungen wie der Jugendmusikschule oder der Bücherei zusammen“, erklärt der Schulleiter. Es gehe nicht darum, die Kinder zu verräumen, damit die Eltern ganztags arbeiten können. Wichtig sei, dass die Angebote für die Schüler kostenlos und qualitätvoll sind. So werden die Kinder montags in zwei Gruppen geteilt. Während die eine lernt und Hausaufgaben macht, musizieren die Schüler der anderen oder singen. Mittwochs ist Theater angesagt und donnerstags sind die Schellingschüler in der nahegelegenen Bücherei. Dienstags haben alle Kinder Nachmittagsunterricht. Wenn das nahe gelegene Sportzentrum samt Hallenbad eröffnet ist, kann sich Dieter Bölz-Hohkamp auch gut eine wöchentliche Schwimmstunde vorstellen.

Nach den ersten Monaten Ganztagsschule zieht der Schulleiter eine positive Bilanz: „Ein Drittel unserer Erst- und Zweitklässler nimmt die Ganztagsbetreuung in Anspruch. Die Kinder fühlen sich wohl, und es wurde noch niemand wieder abgemeldet.“ Besonders lobt Dieter Bölz-Hohkamp die finanzielle und personelle Unterstützung seitens der Stadt. „Ich bin sehr positiv überrascht, wie gut alles läuft mit den Kooperationspartnern und wie gut alle mitmachen.“ Die Kinder seien alle sehr begeisterungsfähig. „Es gibt keinen Schüler, der sagt, ich will nicht in die Stadtbücherei“, sagt Bölz-Hohkamp. Vor dem Unterricht, in der Mittagszeit und nach der Ganztagsbetreuung passen drei Erzieherinnen und zwei pädagogische Mitarbeiterinnen auf die Kinder auf. Außerdem kommt einmal pro Woche ein Bundesfreiwilligendienst-Leistender des HV Eltingen. Anders als die Ganztagsschule, wo nur für das Mittagessen bezahlt wird, kosten die Früh- und Spätbetreuung. Dafür stehen dort eigene Räume zur Verfügung, in denen die Kinder spielen oder basteln können.

In den kommenden zwei Jahren soll die Ganztagsschule auch für Dritt- und Viertklässler ausgebaut werden. Dann allerdings könnte es eng werden in der Schellingschule. „Wir brauchen dann mehr Räume und mehr Zeiten in der Turnhalle“, betont der Schulleiter. Einen Ausgleich könnte jedoch die Werkrealschule bringen. Denn während an der Grundschule die Schülerzahlen steigen, melden immer weniger Eltern ihre Kinder an der Werkrealschule an. Der Rektor führt das darauf zurück, dass die Schulempfehlung in der vierten Klasse nicht mehr verbindlich ist. „Die Eltern schicken ihre Kinder lieber auf die Realschule, egal ob die Werkrealschule besser für sie geeignet wäre“, kritisiert der Leiter der Schellingschule, der diese Schulform sterben sieht. So reichten die Anmeldezahlen nicht aus, um eine fünfte Klasse zu bilden.

Auch der Gemeinschaftsschule trauert Bölz-Hohkamp noch hinterher. Der Gemeinderat hatte sich für den Konkurrenten August-Lämmle-Schule entschieden. „Mit den zwei Gymnasien und der Gerhart-Hauptmann-Realschule hätte man viel für die Schüler erreichen können. Sie hätten alle Möglichkeiten gehabt von der fünften bis zur 13. Klasse.“

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