Das Klassenzimmer wird nach draußen verlegt: Bei der Putzaktion kommen am Ende einige voll gefüllte blaue Müllsäcke zusammen. Foto: factum/Simon Granville

Fast 500 junge Helfer sind mit Greifzangen und blauen Säcken auf der Suche nach Überresten der Walpurgisnacht unterwegs. Beim von der Bürgergemeinschaft initiierten Kehraus geht es nicht nur um Sauberkeit, sondern auch um Bewusstsein.

Leonberg - Um die Hinterlassenschaften der Walpurgisnacht zu entsorgen, müssen die Mitarbeiter des Bauhofs regelmäßig Überstunden schieben. Schützenhilfe gibt es dabei von den emsigen Schülern der August-Lämmle-Schule. Wie schon in der Vorjahren schwärmten die Helfer aus, um gemeinsam mit der Bürgergemeinschaft Leonberg-Ramtel die Straßen vom Müll zu befreien.

Seit nunmehr fünf Jahren beteiligt sich die August-Lämmle-Schule an der großen Putzete nach der Walpurgisnacht im Stadtteil. Dem kommissarischen Schulleiter zufolge aus gutem Grund. „Die Schüler sollen Verantwortung für ihr eigenes, aber auch für das Tun anderer übernehmen“, sagt Karl Heinz Wetterauer. Gleichzeitig spiele bei der Aktion aber auch der Nachhaltigkeitsgedanke eine wichtige Rolle.

Mit Greifzangen und blauen Säcken gegen den Müll

Ausgestattet mit Greifzangen, Warnwesten und blauen Säcken brachten über 460 Grund- und Werkrealschüler sowie Kinder aus dem Wichernkindergarten den Stadtteil auf Vordermann. Auch die siebenjährige Selina durchkämmte ein Gebüsch nach dem anderen. Zigarettenkippen, Flaschendeckel, Taschentücher, nichts entging ihrem scharfen Blick. „Eigentlich hätte ich aber viel lieber Matheunterricht gehabt“, gestand die Erstklässlerin, die sich nicht mit Glasscherben und Hinterlassenschaften von Vierbeinern aufhalten musste, diese fielen nicht in ihren Zuständigkeitsbereich.

Während sich die Erstklässler Wege und Straßen rund um die Schule vornahmen, verschlug es die älteren Schüler der insgesamt 18 Klassen sogar bis zum alten Golfplatz. Lia von der 8a war kaum zu bremsen, selbst die ein oder andere Zeitung, die offenbar aus dem Briefkastenschlitz entwich, wäre ihr um Haaresbreite zum Opfer gefallen. „Ich nehme die Putzaktion ernst, weil mir vor allem die Natur wichtig ist“, sagte die 14-Jährige, die sich mit ihrer Klasse das Gebiet von der Feuerwache bis zum alten Engelbergtunnel vorknöpfte. Yanniks Reaktion fiel hingegen kühl aus. „Das Ganze bringt am Ende doch nichts, ein paar Tage später liegt hier wieder Müll“, sagte der 15-Jährige.

Die Aktivitäten stärken das Zugehörigkeitsgefühl

Mit von der Partie waren auch sechs geistig behinderte und förderbedürftige Schüler der Karl-Georg-Haldenwang-Schule, die der achten Klasse im Rahmen der Inklusion angegliedert sind. „Alle Aktivitäten außerhalb der Schule stärken das Klassenzugehörigkeitsgefühl und sind daher auch im Hinblick auf die Kooperation sinnvoll“, erklärte die Klassenlehrerin Melanie Dilger, die ihre Schützlinge im Vorfeld der Putzete nicht zwei Mal bitten musste.

Am Ende des Tages wurden die gefüllten Müllsäcke an mehreren mit dem Bauhof vereinbarten Sammelplätzen deponiert. Für die fleißigen Helfer gab es nach der schweißtreibenden Arbeit belegte Brötchen und lobende Worte von der Vorsitzenden der Bürgergemeinschaft, Martina Weise, die den Kehraus im Rahmen des Netzwerks „Ramtel-Brücke” ins Leben gerufen hatte. „Die August-Lämmle-Schule ist die einzige Schule, die sich an der Putzaktion in der Stadt beteiligt”, hob sie hervor und fügte sogleich kritisch hinzu: „Die Stadtverwaltung zeigt sich dafür kaum erkenntlich und das ist sehr schade.”

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