Foto: factum/Bach

Der Spielplatz in der Niederhofenstraße ist neu gestaltet worden. Doch schon kurz nach der Freigabe liegt überall Abfall herum.

Leonberg - „Wo hast du denn den Frisbee gefunden?“, fragt Nicole Binder einen Jungen. Dieser wirft das mit leicht zerrissenem Stoff bespannte Gestell mit Werbeaufdruck einem Mädchen zu und deutet auf den Sand zu seinen Füßen. „Lag auf dem Boden“, sagt er zur Leiterin des Oberlinhauses, die an diesem Tag mit etwa 30 Kindern zur offiziellen Eröffnung des neuen Spielplatzes in der Niederhofenstraße gekommen ist.

Er ist der erste, der nach dem neuen Spielplatzkonzept der Stadt neu gestaltet wurde. Zuvor waren die alten Kletter- und Spielgeräte nach und nach abgebaut worden, weil sie nicht mehr sicher waren. Drei Jahre lang hatte es auf dem Gelände dann nur noch ein paar Schaukeln gegeben.

So groß die Freude unter Kindern, Müttern und Erzieherinnen an diesem Tag auch ist: So groß ist auch der Frust über das, was sich noch auf dem Spielplatz befindet. Der Mülleimer neben dem Eingang ist bis oben gefüllt. Daneben steht ein Eimer mit weiteren Abfällen und überall liegen Verpackungen und anderer Unrat verstreut. „Das sind die unschönen Aspekte der Nutzung durch mehrere Generationen“, formuliert es der Oberbürgermeister Bernhard Schuler diplomatisch und verspricht, dass die Bauhofmitarbeiter den Müll noch am selben Tag wegräumen.

Das tun sie ohnehin fast jeden Montag. Denn gerade übers Wochenende, aber auch abends, wird dort regelmäßig Abfall illegal entsorgt. „Das war hier vorher schon so und ist auch auf anderen Spielplätzen in der Stadt der Fall“, bestätigt die Sprecherin der Stadt, Undine Binder-Farr. Wie in der Niederhofenstraße betrifft das vor allem solche, die wohnortnah sind und über Sitzgelegenheiten verfügen.

Der Müll auf dem Gelände sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Unmut unter den Anwohnern im Ezach. Erst am Wochenende hatten Fotos im sozialen Netzwerk Facebook für eine heftige Debatte gesorgt über die Müllverursacher und wie mit dem Problem umgegangen werden soll. „Es ist traurig, welchen Einschlag diese Diskussion bekommen hat“, meint der Ordnungsamtsleiter Jürgen Beck. Er bezieht sich damit auf abwertende Kommentare über ausländische Mitbürger und Menschen mit Migrationshintergrund, die von einigen für den Abfall auf dem Spielplatz verantwortlich gemacht werden.

Wer tatsächlich dahinter steckt, ist nicht klar. „Bei uns gehen eigentlich nie Anzeigen dazu ein“, sagt der Ordnungsamtschef. „Wir können nur reagieren, wenn wir benachrichtigt werden.“ Hin und wieder komme es vor, dass sich jemand beim Baubetriebshof meldet. Dieser ist dafür zuständig ist, den Müll zu beseitigen. Wenn jemand eine Person dabei beobachtet, wie diese ihren Abfall dort entsorgt, wo er nicht hingehört, so rät Beck dazu, nicht gleich die Polizei oder das Ordnungsamt zu rufen. „Man sollte immer erst einmal die Leute freundlich darauf ansprechen“, rät er, gibt aber zu, dass es auch genügend Leute gibt, die sich nicht einsichtig zeigten. „Dann kann man sich immer noch bei uns melden“, sagt der Ordnungsamtsleiter.

Gänzlich unbeeindruckt vom „Müllmonster“ bleiben dagegen die Kinder, die das „Storchennest“ – so der neue Name des Spielplatzes – gleich in Beschlag nehmen. Sie schaukeln und rutschen, balancieren über Stämme und halten sich dabei an Seilen fest. Auch große Steinbrocken gibt es, an denen richtige Klettergriffe befestigt sind. „Da bin ich schon drei Mal hoch“, sagt Roman aus dem Oberlinhaus, das nur etwa 200 Meter entfernt ist.

„Der Platz animiert die Kinder wunderbar, sich zu bewegen“, lobt Nicole Binder. Bisher mussten sie und ihre Kollegen auf weiter entfernte Spielplätze ausweichen, wie etwa an der Sophie-Scholl-Schule oder sogar im Ramtel. „Jetzt haben wir es zum Glück nicht mehr so weit“, meint die Leiterin des Kinderhauses, in dem bis zu 110 Kinder zwischen einem und zehn Jahren betreut werden. Wenn es künftig mehr Ganztagsschulen in Leonberg geben wird, dann wird die Hortbetreuung vom Oberlinhaus dorthin verlegt. Dann wäre ja Platz für mehr kleinere Kinder. Ein Schelm, wer da in dem riesigen aus Holz gebauten Storch des Spielplatzes an einen Klapperstorch denkt. „Ich weiß auch nicht, ob die Planer da auf den Kindersegen hinweisen wollten“, meint OB Schuler und lacht.

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