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Über 17 Millionen Menschen sahen gestern das TV-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück. Wer gewonnen hat, steht für die hiesigen Vertreter von Union und SPD fest. Die kleineren Parteien vermisstem jedoch wichtige Themen.

Leonberg - Der eigentliche Sieger des Kanzlerduells am Sonntagabend war bekanntlich die Deutschlandkette von Angela Merkel. So langweilig war es aber gar nicht. Zumindest die Basis der Parteien ist elektrisiert und jetzt noch mehr in Wahlkampfstimmung, wie unsere kleine Umfrage in Leonberg zeigt.

Beginnen wir mit den Profis, den Kandidaten. Diese sind ohnehin schon qua Amt optimistisch. Etwa Clemens Binninger, der CDU-Abgeordnete, der am Nachmittag seine Rede im Bundestag zum NSU-Ausschuss hält. „Entscheidend ist: Wem vertrauen die Menschen? Da lag die Kanzlerin klar vorn“, simst er per Handy aus dem Parlament. Manche Wortdeutung und Analyse halte er aber für übertrieben. Sein SPD-Kontrahent Joachim Rücker meldet sich auf seiner „Wirtschaftstour“ mit Betriebsbesichtigungen. „Ich war beeindruckt von Peer Steinbrück“, sagt der ehemalige Sindelfinger OB. Er habe eine klare Vorstellung, es gebe einen Motivationsschub bei den Genossen an der Basis.

Die Basis gibt sich überzeugt

Wie sieht das die Basis selbst? Bei der CDU erklärt die Leonberger Vorsitzende Sabine Kurtz: „Da sind sich zwei Menschen begegnen, die sich wertschätzen.“ Es sei interessant gewesen, weil viel inhaltliche Unterschiede diskutiert worden seien. „Die Kanzlerin war sehr souverän und zugewandt, das hat mir gefallen.“ Für den CDU-Kreischef Wolfgang Heubach ist Angela Merkel „sympathisch und kompetent“ herübergekommen, und sie habe klar Position etwa zur PKW-Maut bezogen.

Die Leonberger SPD-Fraktionschefin Christa Weiß sagt: „Ich habe Steinbrück so erlebt, wie ich es erwartet hatte.“ Der Kanzlerkandidat habe sich klar positioniert, sei sehr überzeugend aufgetreten. Sie sei aber schon vorher motiviert gewesen, wie auch der SPD-Ortsverein. „Wir müssen jetzt die Leute dazu bewegen, zur Wahl zu gehen“, findet sie, „das ist das Entscheidende.“ Schließlich hätten vor allem Zuschauer das Duell verfolgt, die sich interessieren.

Wie sehen die Vertreter der kleinen Parteien das Duell, an dem ihre Vertreter gar nicht teilgenommen haben? Der grüne Kandidat Sven Reisch meint: „Man hat gemerkt, dass die Grünen nicht mit am Tisch waren.“ Zukunftsthemen wie die Energiewende oder der Klimaschutz hätten kaum eine Rolle gespielt. Dennoch sei es wichtig, dass die Wahl wieder spannender würde, daher sei der Auftritt von Peer Steinbrück auch für die Grünen gut gewesen.

Die kleinen Parteien sind gelassen

Der FDP-Abgeordnete und Fraktionsvize Florian Toncar sagt: „Das Duell war nicht spektakulär. Inhaltlich waren beide nicht weit auseinander. Mir ging es zu häufig ums Verteilen und praktisch nie um die Frage, wie das Geld erwirtschaftet werden soll.“ Auch beim Thema Rot-Rot-Grün hätten die Moderatoren aus Toncars Sicht genauer nachfragen müssen. „Persönlich war Angela Merkel aus meiner Sicht überzeugender“, findet Florian Toncar.

Der Linken-Mandatsträger Richard Pitterle hat das Duell in seiner Berliner Wohnung geschaut. „Mich hat keiner von beiden überzeugt, es fehlt die Glaubwürdigkeit“, sagt er, „ich gehöre zu den 27 Prozent, deren Wahlentscheidung von dieser Sendung nicht beeinflusst wurde.“

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