Bewegung hält ist. Das ist gerade bei Menschen mit Demenz wichtig, um den körperlichen und geistigen Verfall zu bremsen. Foto: factum/Bach

Die Sozialstation erweitert die Räumlichkeiten ihrer Tagesstätte für Menschen mit demenziellen Erkrankungen. Nun können zwölf statt bislang neun Personen betreut werden. Eine weitere Einrichtung soll in einem Jahr in Gerlingen eröffnet werden.

Leonberg - Es ist gemütlich hier. Ein künstliches Kaminfeuer empfängt die Gäste, überall stehen bequeme Sessel, in der Ecke befindet sich ein Nähkasten, über dem Esstisch hängt ein Kronleuchter. Es ist die gute Stube der Wohnung in der Seestraße 10. Fast wie zuhause. Nur dass sich die Gäste, die hier zu Besuch sind, meist nur schlecht an ihr eigenes Zuhause erinnern können: In der „Stube“ können Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz oder mit demenziellen Erkrankungen ihren Tag verbringen. Es ist ein Entlastungsangebot der Sozialstation Leonberg für pflegende Angehörige.

Der Tag beginnt für die Gäste morgens früh. Der Fahrdienst holt sie zuhause ab, um 8 Uhr wird gefrühstückt. Dann stehen Gymnastik, Gedächtnisspiele, Sitztänze und Kartenspiele auf dem Programm. Nach dem Mittagessen wird gemeinsam für Ostern gebastelt. Die Leiterin der Tagesbetreuung ist Ute Meister. Die Altenpflegerin mit einer Zusatzausbildung zur Gerontofachkraft will den Gästen mit den Aktivitäten in der Stube einen Anstoß geben, ihre Erinnerungen aufzufrischen. „Gleichzeitig wollen wir pflegenden Angehörigen für den Tag Entlastung bieten, das ist unsere Aufgabe“, sagt Meister.

Gedacht war die Tagespflege „Stube“ ursprünglich als Angebot für die Eigentümer aus dem betreuten Wohnen im Seedammcenter. Wer hier lebt, der sollte auch im Alter in seiner gewohnten Umgebung bleiben können. Deshalb wurde 2013 eine 82 Qua­dratmeter große Wohnung im Haus in eine Tagesstätte umgewandelt. Doch Interesse bestand nicht nur innerhalb der Hausgemeinschaft. 20 Menschen aus Gerlingen, Weilimdorf, Rutesheim, Hemmingen und Leonberg sind derzeit hier angemeldet. Insgesamt waren es 80 Gäste seit Bestehen der Stube. Der jüngste Gast war 62, der älteste 96 Jahre alt. Um dem steigenden Bedarf gerecht zu werden, ist jetzt die „Stube II“ hinzugekommen. Mit einem Wanddurchbruch konnte die Tagesstätte auf eine weitere Wohnung ausgedehnt werden. Insgesamt 144 Quadratmeter sind es nach dem Umbau. Statt sechs können nun bis zu neun Menschen täglich betreut werden.

Erfolgsprojekt wird fortgesetzt

„Wir setzen damit ein Erfolgsprojekt fort“, erklärt der Erste Bürgermeister Leonbergs, Ulrich Vonderheid. Eigentümer und Betreiber der Sozialstation ist neben der Stadt Leonberg auch Gerlingen. Das Konzept Tagesstätte wird von beiden gemeinsam getragen. Für Gerlingen ist ebenfalls eine solche Wohnung in Planung. Bis Jahresende werden dort bis zu zwölf Menschen den Tag verbringen können. „Das ist ein Paradebeispiel für interkommunale Zusammenarbeit über Kreisgrenzen hinweg“, ergänzt Vonderheid. Gearbeitet wird in der Stube nach den Empfehlungen der Alzheimergesellschaft. Das ist ein Qualitätskriterium. Denn das bedeutet einen sehr wertschätzenden Umgang mit den Gästen und eine Vielzahl Betreuer. Auf neun Gäste kommen derzeit neun Helfer. Aufgenommen werden die Besucher wochentags von 8 bis 16.30 Uhr. Doch auch ein Samstagsangebot will Ute Meister nicht ausschließen. „Wir haben das testweise versucht. Voraussetzung ist allerdings, dass sich mindestens drei Personen für den Tag anmelden“, erläutert die Leiterin.

Info: Weitere Stube in Gerlingen geplant

Tagesstätte
Die Stube genannte Tagesstätte für Menschen mit Demenz in Leonberg gilt als „große Schwester“ einer ähnlichen Einrichtung, die gerade nach deren Vorbild in Gerlingens Innenstadt gebaut wird. Dort entsteht in der Jahnstraße 7 nach einer langen Planungsphase die erste Tagesstätte für Menschen mit Demenz im Ort.

Träger
Auch diese Einrichtung wird getragen von der örtlichen Sozialstation – wie die Leonberger Station eine Einrichtung der „Pflegeverbund Strohgäu-Glems gGmbh“.

Bauarbeiten
Seit wenigen Wochen wird das ehemalige Wohnhaus für seinen neuen Verwendungszweck umgebaut und saniert. Es soll bis zum Jahresende 2016 fertig sein. Die Tagesstätte wird im Erdgeschoss eingerichtet, in den Stockwerken darüber bezieht die Geschäftsstelle der Sozialstation Gerlingen ihre neuen Büros. Diese sind bisher sehr beengt im Alten Rathaus. Nach Angaben aus dem Stadtbauamt wurden die Bauarbeiten zu Beginn durch unerwartete Schwierigkeiten verzögert: Die Außenwände hätten mit neuen Fundamenten versehen werden müssen. Über den Zustand des in den 30er-Jahren gebauten Hauses habe es keine ausreichenden Akten mehr gegeben – diese seien gar nicht mehr vorhanden oder beim Hochwasser im Sommer 2010 vernichtet worden. Parallel dazu haben im Gebäudeinneren die Rohbauarbeiten begonnen; man versetzt auch Wände, um einen neuen Zuschnitt der Räume zu erreichen.

Kosten
Die Gesamtkosten von Umbau und Sanierung sollen sich auf 1,5 Millionen Euro belaufen. Die Stadt rechnet mit einem Zuschuss von 25 Prozent. Wegen dieser nicht unerheblichen Förderung muss zumindest ein Teil des Hauses bis zum Jahresende in einem benutzungsfähigen Zustand sein – ähnlich wie Ende 2013 das Familienzentrum.

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