Foto: factum/Granville

Das Jugendhaus Beat Baracke wird vor seinem Ende komplett entkernt. Alles wird zu Geld gemacht. Die Helfer holen selbst das Kupfer aus den alten Kabeln.

Leonberg - Vor knapp drei Wochen sind die ­Lichter der Beat Baracke zum ­letzen Mal gelöscht worden. Seit diesem Abend wird im ehemaligen ­Leonberger Jugendhaus jeden Tag zwölf Stunden gearbeitet. Das Ziel: vor dem ­Abriss so viel von Wert aus dem Gebäude herausholen wie nur möglich.

Es sieht chaotisch aus. Kabel wurden aus den Wänden gerissen und liegen zu Bergen getürmt vor dem, was einst die Bar der Baracke war. Die dunklen Sofas, die ­früher in jeder Nische standen, sind weg. Löcher in Wand, Decke und Türen zeugen vom Schweiß der vergangenen Wochen.

Ein Notstromaggregat surrt leise vor sich hin. „Eigentlich haben wir schon längst keinen Strom mehr, aber einen Kühlschränke brauchen wir eben noch“, sagt Martin Riethmüller. Er ist Stadtrat der Gabl-Fraktion und Vorsitzender des Leonberger Jugendhausvereins. Wie fast alle, die sich hier ­engagieren, hat er sich Urlaub genommen, um zu arbeiten. Sein Verein will ein neues Jugendhaus bauen – selbst finanziert und in Eigenregie. Ein ehrgeiziges Ziel, für das in der alten Beat Baracke unablässig ­gewerkelt wird.

Neben den Kabelbergen stehen ­Waschkörbe auf dem Boden. Sie sind mit Kupfer gefüllt, sauber zu kleinen Bündeln aufgerollt. Das ist das einzige Innenleben der Kabelberge. „Wir haben eine eigene Methode entwickelt, um das kostbare ­Metall von der Isolierschicht zu trennen“, sagt Riethmüller. „Wir haben die Kabel in die Fensterrahmen geklemmt, quer durch den Raum gespannt und sind dann mit scharfen Messern entlang gefahren.“ Ein Kilo Kabel lässt sich für etwas mehr als einen Euro verkaufen, ein Kilo Kupfer bringt hingegen rund vier Euro.

Die Bühne fehlt. Einst haben internationale Größen der Indie-, Rock- und Punk-Szene hier gespielt. „1989 waren Bad Religion aus Los Angeles hier“, erinnert sich Riethmüller. Nicht nur er verbindet viele Erinnerungen mit der Beat Baracke. Für die Region war das Leonberger Jugendhaus eine Art Keimzelle der alternativen Szene. In der kleinen Kammer hinter der Bühne hängen noch die Plakate aus den 1980er und 90er Jahren.

Die Bausteine der Bühne wurden eingelagert. „Die wollen wir im neuen Jugendhaus wieder verwenden“, sagt der Stadtrat, „Teppich drauf und das sieht aus wie neu.“ Private Keller, Garagen und Wohnungen stehen jetzt mit allem voll, was der Verein aus der alten Baracke ins neue Jugendhaus mitnehmen will. „Mein Auto muss ­während dieser Zeit auch auf der Straße parken“, erzählt Riethmüller und lacht.

Die Half-Pipe für die Skateboarder, die bisher vor links vom Eingang stand, wurde Ende der Woche abgebaut, die Zäune auf der anderen Seite des Hauses sind ebenfalls gefallen. Es herrscht freie Sicht auf die ­Gebäude der Behinderten Hilfe. „Die ­werden auf dem Areal bald ein riesiges ­Gebäude bauen“, sagt Riethmüller und fügt hinzu: „Am Montag ist Übergabe.“

Das Einzige, was bei einem Rundgang durch die Beat Baracke noch an frühere Zeiten erinnert, ist der Kicker-Tisch, der noch immer zwischen den Kabelbergen vor der Bar steht. Einige der blauen und roten Männchen werden inzwischen nur noch mit Klebeband an ihren Stangen gehalten, der Belag ist alles andere als eben. „Der darf im Wohnzimmer von einem unserer ­Vorstände überwintern“, erzählt ­Riethmüller, „dafür hat der versprochen, den Tisch wieder herzurichten, mit neuen Spielern und allem was dazu gehört.“

Von zehn bis zehn sind sie in den vergangenen Wochen täglich im Einsatz gewesen. „Fünf bis zehn Leute waren eigentlich ­immer da“, sagt Riethmüller. Am Abend ­sitzen die Helfer zusammen auf der Terrasse und genießen den jetzt zaunlosen ­Ausblick. „Die Leute von Gegenüber, also von der Behindertenhilfe, können uns jetzt bei allem beobachten, was wir hier so ­machen“, sagt der Gabl-Stadtrat. „Das ist toll. Die kommen jetzt abends einfach zu uns rüber und setzen sich dazu.“

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