Der perfekte Mut- und Muntermacher zum Frauentag: Heike Sauer als Marlies Blume. Foto: Ver

Das Frauenfrühstück in der Steinturnhalle vereint Witz und politische Forderungen.

Leonberg - „Ich bin keine Mischung aus Prinzessin Lillifee und Cindy aus Marzahn“, betont Marlies Blume gleich zu Beginn ihres Auftritts beim Frauenfrühstück in der Leonberger Steinturnhalle. Auch wenn der knallige Aufzug in Pink etwas anderes verheißen mag. Doch die Kabarettistin Heike Sauer räumt mit ihrer Kunstfigur Marlies Blume nicht nur mit den gängigen Rollenklischees auf. Sondern sie zeigt auch, dass Pink keine niedliche, sondern eine kraftvolle Farbe ist – und das durchaus auf sehr witzige Weise.

Einen besseren Mut- und Muntermacher hätte das Frauenzentrum Leonberg nicht finden können für das mittlerweile zur Tradition gewordene jährliche Frauenfrühstück. Was vor etwa 30 Jahren als Gleichstellungsarbeit in der großen Kreisstadt begann, findet jeweils am ersten Samstag nach dem internationalen Frauentag seinen Höhepunkt. Bei einem leckeren Frühstücksbuffet trifft sich die gar nicht so „holde Weiblichkeit“ der Stadt: Kommunalpolitikerinnen und Ehrenamtlerinnen, Mütter und Töchter, Alleinerziehende und Hausfrauen.

„Aber braucht es im Jahr 2015 immer noch einen Frauentag?“, fragt Renate Strauß, die Sprecherin der Agendagruppe Frauen für Gleichberechtigung. Das Motto der Gruppe: „Von allem die Hälfte“. Die Hälfte der gut bezahlten Arbeit, die Hälfte der Macht, aber eben auch nur die Hälfte der nicht bezahlten Arbeit, etwa in der Familie. „In einer Demokratie hätten wir die Mehrheit“, sagt Marlies Blume. Doch leider seien Frauen ja nur 52 Prozent der Bevölkerung: „Zu wenig, um für die Gesellschaft relevant zu sein.“ Dies untermauerte in ernster Manier Gabriele Frenzer-Wolf. Die Leonbergerin ist stellvertretende Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). „Seit 2012 steht schon ein neues Chancengleichheitsgesetz aus“, mahnt sie. Frauen seien in den politischen Gremien Baden-Württembergs besonders unterrepräsentiert.

Nur 20 Prozent im Landtag, knapp ein Drittel im Leonberger Gemeinderat, 19 Prozent im Böblinger Kreistag. „Das ist erbärmlich wenig“, findet Frenzer-Wolf. Wie ein „höhnisches Grinsen“ wirke da die Wahl eines CDU-Hinterbänklers zum Landtagspräsidenten statt einer profilierten Kandidatin. „Baden-Württemberg liegt im Dornröschenschlaf in puncto Gleichstellung“, findet die Gewerkschafterin.

Auch im Arbeitsleben seien Frauen immer noch benachteiligt. Zwar sind im Ländle immer mehr Frauen berufstätig – die Zahl der Arbeitsstunden sei jedoch gesunken. Sprich: Immer mehr Frauen arbeiten – jedoch viel zu oft und nicht immer freiwillig in Teilzeit. Einen Erfolg sieht die Leonbergerin jedoch im Mindestlohn.

„Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ich frage mich, warum das ein typisches Frauenthema ist. Gehört der Mann nicht zur Familie?“, fragt sich dann auch die Frau in Pink, Marlies Blume, und schließt mit der Feststellung: „Gleichberechtigung ist erst dann erreicht, wenn in jedem Herrenklo ein Wickeltisch steht.“

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