Das alte Höfinger Rathaus beherbergt jetzt auch Holzwürmer. Foto: factum/Archiv

In dem Fachwerkbau haben sich Holzwürmer eingenistet. Betroffen ist ein großer Balken in der Nähe des Eingangs zur Ortschaftsverwaltung. Bis es den Käfern jedoch an den Kragen geht, wird es aber noch etwas dauern.

Leonberg - Das kann ganz schön lecker sein, so ein altes Fachwerkhaus. Zumindest für einen Holzwurm. Die Larven des gemeinen Nagekäfers – lateinisch Anobium punctatum und umgangssprachlich Holzwurm genannt – haben sich jüngst in der Höfinger Ortschaftsverwaltung niedergelassen, im dortigen historischen Rathaus. Erst klammheimlich und unbemerkt fraßen sich die Holzwürmer durch die alten Balken. Doch als dann gehäuft Holzspäne auf einer Fensterbank auftauchten, war den Mitarbeiterinnen und den Höfingern klar: Da ist der Wurm drin. Eine Reihe von Bürgern hat sich besorgt in der Ortschaftsverwaltung gemeldet. „Sie hatten die Holzspäne bemerkt und eingesammelt“, berichtet die Sprecherin der Stadt Leonberg, Undine Binder-Farr.

Dort weiß man seit ein paar Wochen von dem Problem. Doch den Schädlingen geht es vorerst nicht an den Kragen. „Holzwürmer kann man zwar sehr gut bekämpfen. Aber wir werden das eher zu einer Jahreszeit machen, in der das nicht so problematisch wird“, sagt Binder-Farr. Schließlich arbeiten die Angestellten der Ortschaftsverwaltung sowie die Ortsvorsteherin täglich in dem Gebäude. Im Obergeschoss hat außerdem der Heimatverein seine Räume. Der Schutz von Menschen gehe erst einmal vor. Bei warmen Temperaturen lasse sich nach der Schädlingsbekämpfung besser lüften. „Das historische Rathaus in Höfingen wird auch nicht gleich zusammenfallen“, meint die Pressesprecherin der Stadt.

Der gemeine Nagekäfer wird bis zu fünf Millimeter lang. Seine Eier legt er in die Ritzen von totem Holz. Sind die Larven, die eigentlichen „Holzwürmer“, nach etwa drei Wochen geschlüpft, fressen sie sich durchs Holz. Dabei können sie bis zu sieben Zentimeter lang werden. Bis aus einer Larve ein Käfer wird, dauert es mindestens ein Jahr, meist jedoch drei bis vier Jahre. Dann brechen die Käfer durch das Holz und hinterlassen winzige Löcher. Deshalb wird ein Befall manchmal erst sehr spät festgestellt. Gern gehen Nagekäfer an verbautes Holz, in der freien Natur findet man sie eher selten. Aber auch an Häusern bevorzugen sie ein feuchtes und kaltes Klima. Die Bedingungen sind dem Käfer wichtiger als das Alter des Holzes. Deshalb ist es nicht unüblich, dass der gemeine Nagekäfer auch historische Gebäude befällt. Wie alt das Höfinger Rathaus ist, ist nicht genau bekannt. Es war von der Gemeinde Ende des 16. Jahrhunderts gekauft worden. Das kellerlose einstige Bauernhaus stand zu diesem Zeitpunkt aber schon einige Jahre. Die Mitarbeiter des städtischen Gebäudemanagements haben sich den Schaden, den die gefräßigen Käferlarven in Höfingen angerichtet haben, bereits angesehen. Betroffen sei ein relativ kleiner Teil des Fachwerkhauses nahe dem Eingangsbereich. Zudem waren Gespräche mit der Landesdenkmalpflege Baden-Württemberg nötig. „Von dort haben wir jetzt die Zusage, dass wir tätig werden können“, berichtet Stadtsprecherin Binder-Farr. Vermutlich müsse ein Balken ganz ausgetauscht werden.

Wie groß der Aufwand dafür wird, stehe aber noch nicht fest. Denn zurzeit seien die Mitarbeiter des städtischen Bauamtes mit zu vielen anderen Sachen beschäftigt. Zum einen steht an diesem Wochenende die Eröffnung des Sportzentrums samt Hallenbad in der Kernstadt an. Außerdem laufen die Planungen für die Sauna, die später gebaut werden soll, weiter. Dazu kommt der Rathaus-Neubau, für den bald der kombinierte Wettbewerb für Architekten und Bauträger ausgeschrieben wird. Ganz zu schweigen von den unzähligen Kindergarten- und Ganztagsschulprojekten, die fleißig saniert, neu- oder ausgebaut werden. Da kann so einer kleiner Holzwurm doch schon mal eine Schonfrist von ein paar Monaten erhalten.

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