Ohne den Beistand ihrer Mutter haben junge Rehkitze keine Chance, in der Wildnis zu überleben. Foto: Archiv

Zwei unangeleinte Schäferhunde haben in Warmbronn eine Ricke so schwer verletzt, dass sie notgetötet werden musste. Doch das Drama hat einen weiteren Akt: Das Muttertier hatte noch zwei Kitze, die so keine Überlebenschance haben.

Leonberg - Es ist schrecklich gewesen, ein so übel zugerichtetes Tier habe ich noch nie gesehen“, sagt Isabell Schneiderhan, Jagdpächterin in Warmbronn. Dabei bringt es ihr Hobby mit sich, nicht gerade zart besaitet zu sein. Zwei nicht angeleinte Schäferhunde einer 30-jährigen Warmbronner Hundehalterin haben ein Reh bei lebendigem Liebe zerfleischt.

So mancher Hundebesitzer möchte seinem Vierbeiner oftmals so viel Auslauf wie möglich gestatten im Glauben, ihn im Zweifel unter Kontrolle zu haben. Doch ist der Jagdtrieb einmal erwacht, dann ist es mit der Kontrolle meist vorbei und der Hund wird zu dem, was seine Vorfahren waren, ein instinktgesteuertes Raubtier. Und sind es gleich zwei Schäferhunde, die frei umherstreifen, dann werden sie zur gut koordinierten Meute, gegen die in der verbauten und maschendrahtverzaunten Landschaft keine Chance besteht zu entkommen. Doch im Gegensatz zu einem Wolfsrudel, das aus Hunger jagt und seine Beute schnell tötet, verbeißen sich Hunde in ihrem Opfer, wie auch in Warmbronn geschehen. Die Hunde hetzten die Ricke über freies Feld in ein Gartengrundstück im Bereich der Mittelhalde und ergriffen es dort gemeinsam. Eine Anliegerin aus dem Nachbargarten wurde auf das Drama aufmerksam und verständigte die Polizei.

Die Hunde fügten dem Reh zahlreiche tiefe Bisse am ganzen Körper zu, bevor sie von der Hundehalterin eingefangen werden konnten. Das Reh schleppte sich anschließend in einen Heckenstreifen und wurde dort von der zwischenzeitlich durch die Polizei verständigte Jagdpächterin erlöst. Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine zwei bis drei Jahre alte Rehgeiß, die in diesem Frühjahr auch zwei Kitze auf die Welt gebracht hatte. „Dies war am Gesäuge zu erkennen“, so die Jagdpächterin. „Damit hat ein weiteres Drama seinen Lauf genommen“, weiß Schneiderhan. „Die beiden Kitze sind erfahrungsgemäß noch so jung, dass davon auszugehen ist, dass sie ohne ihre Mutter keine Überlebenschancen haben.“ „Das ist nur in diesem Jahr allein im Bereich Warmbronn der zweite bekannt gewordene Vorfall mit wildernden Hunden“, sagt die Jagdpächterin. „Es besteht für Hunde natürlich kein genereller Leinenzwang, aber allen sollten derart schreckliche Bilder erspart bleiben. Das kann nur der jeweilige Hundebesitzer beeinflussen, er kennt seinen Hund und weiß, ob er gehorsam ist oder nicht.“

In dem Warmbronner Fall muss die Hundehalterin mit einer Anzeige wegen Wilderei rechnen, „Die Jagdpächter werden sich beim Ordnungsamt für einen Leinenzwang einsetzen“, so Schneiderhan .

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