Gedenken an der Römergalerie Foto: slo

Ein 15-Jähriger springt von der Römergalerie. Schulseelsorgerinnen kümmern sich um die Mitschüler im Unterricht.

Leonberg - Ein ganzer Berg an Blumen vor dem Haupteingang der Römergalerie zeugt von einem schrecklichen Geschehen, das sich hier am Mittwoch ereignet hat. Um 13.15 Uhr, unmittelbar nach Schulschluss, hat sich ein 15-jähriger Junge von dem Gebäude gestürzt. Er hat den Sturz nicht überlebt. Sehr viele Menschen, die in der Mittagspause rund ums Leo-Center unterwegs waren, sind Zeuge des tragischen Vorfalls geworden.

Die Polizei bestätigt am Donnerstag auf Nachfrage den Tod des Schülers. Ein Sprecher schließt nicht aus, dass der Junge psychische Probleme hatte, die ihn zu dem tödlichen Sprung bewogen haben könnten.

Doch dem Leiter der August-Lämmle-Schule, wo der 15-Jährige die zehnte Klasse besucht hat, ist von psychischen Schwierigkeiten nichts bekannt. „Bei uns war er nicht auffällig“, sagt Karl Heinz Wetterauer im Gespräch mit unserer Zeitung. „Auch seine Noten geben das nicht her. Er hat sich gut gemacht.“

Die Schüler reagieren bestürzt und ratlos auf den Freitod ihres Kameraden. „In den beiden Klassen, in denen der Junge zuletzt war, ist kein normaler Unterricht möglich“, berichtet der Schulleiter.

Zwei Schulseelsorgerinen haben sich am Donnerstagmorgen um jene Kinder gekümmert, die mit dem 15-Jährigen zu tun hatten und waren auch in den anderen Klassen. Direkt in der Früh um 7.30 Uhr hatte Wetterauer das komplette Kollegium zu einer Krisensitzung gebeten, um mit den Lehrern das weitere Vorgehen abzustimmen. Die einzelnen Klassenlehrer gingen dann in ihre Klassen, um die Schüler in dieser Situation nicht allein zu lassen.

Gedenkstätte in der Schule

In der Schule wurde eine Gedenkstätte eingerichtet. Auf ein Bild des Verstorbenen wurde auf Wunsch von dessen Eltern verzichtet. Der Schulleiter beschreibt die Atmosphäre an der Gedenkstätte als „ruhig und würdevoll“. Einige Schüler hätten Briefe an ihren zu Tode gekommenen Kameraden oder an die Eltern geschrieben. Andere hätten gebetet, geweint oder Blumen niedergelegt. Auch an der Unglücksstätte am Neuköllner Platz fanden sich am Donnerstag Mitschüler und andere Trauernde ein und legten Blumen nieder.

In den Klassen, in denen es möglich ist, wird an diesem Freitag der Unterricht wieder aufgenommen. In den 30 Klassen der August-Lämmle-Schule werden rund 600 Schüler unterrichtet.

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 und unter https://ts-im-internet.de/ erreichbar. Eine Liste mit findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/

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