Die dunkle Erde deutet auf Überreste einer Jungsteinzeit-Siedlung hin. Foto: Stadt Leonberg

Auch das Wetter hat den Archäologen zu schaffen gemacht. Derweil ist die Änderung des Flächennutzungsplans fast vollendet. Dafür bleibt das Gebiet Schertlenswald endgültig der Landwirtschaft erhalten.

Leonberg - Die Tage werden immer kürzer, die Temperaturen niedriger. Und auch am Acker zwischen der verlängerten Brennerstraße und der A 8 an Westanschluss wird es ruhiger. Nicht, weil die Archäologen des Landesamtes für Denkmalschutz sich schon in die Winterpause verabschiedet haben. „Dort ist im Moment der Krankenstand recht hoch, es grassiert eine Grippewelle“, berichtet Kristin Koch-Konz. Die Leiterin des Stadtmuseums steht in engem Kontakt mit dem Grabungsleiter.

Auf dem Gelände neben der Autobahn suchen die Forscher nach Spuren von frühen Siedlungen, genauer gesagt aus der Jungsteinzeit und der Bronzezeit. Dabei liege man aber nicht ganz im Zeitplan. „Im Moment ist erst die Hälfte der Fläche geöffnet worden. Der viele Regen im Sommer hat leider alles ein wenig verzögert“, erklärt Koch-Konz. So lange es noch keinen Frost gibt, werde weitergearbeitet. Und natürlich, so lange genügend Mitarbeiter fit sind. Nach einer Winterpause soll es dann im Frühjahr weitergehen. Bislang wurden Hinweise auf verschiedene Gebäude gefunden. Außerdem haben die Forscher schon Tonscherben, Tierknochen und andere kleine Überreste von Besiedlungen entdeckt. Darüber haben sie unter anderem beim Tag des offenen Denkmals im September berichtet, zu dem viele Leonberger in das Gebiet „Längenbühl“ gekommen waren.

Untersucht wurde in dem Bereich jetzt auch der tiefer gelegene Boden, um Rückschlüsse auf die Erdgeschichte ziehen zu können. „Es wurde eine so genannte Bodensäule entnommen. Das ist wie eine große Bodenprobe hinter Glas“, berichtet die Leiterin des Stadtmuseums stolz. Denn eine dieser Bodensäulen wird später im Stadtmuseum Leonberg ausgestellt.

Geschichte ist bald auch die landwirtschaftliche Nutzung des Areals. Der Ortschaftsrat Gebersheim hat einstimmig dem geänderten Flächennutzungsplan zugestimmt. In dieser Woche steht dieser Punkt noch auf der Tagesordnung des Planungsausschusses (Donnerstag, 15 Uhr) und in der kommenden Woche auf dem Plan des Gemeinderates (Dienstag, 19 Uhr). Das Gelände wird damit in eine Gewerbefläche umgewandelt.

Diese möchte die Stadt entwickeln, um bereits in Leonberg ansässigen Firmen eine Möglichkeit zur Erweiterung zu bieten, aber auch neue Unternehmen anzulocken. Damit das Gelände vom kommenden Jahr an erschlossen werden kann, wurde das Landesdenkmalamt bereits frühzeitig in die Planungen einbezogen. Denn schon seit dem Bau der Autobahnen ist bekannt, dass es in diesem Bereich des Glemstals jungsteinzeitliche Siedlungen gegeben hat.

Im geänderten Flächennutzungsplan ist eine weitere Umwandlung festgehalten. Das Gebiet Schertlenswald, das 11,3 Hektar groß ist und zu Gebersheim gehört, ist dann nicht mehr für eine gewerbliche Entwicklung ausgewiesen, sondern wieder als Landwirtschaftsfläche. Dafür wird das Längenbühl aus dem Landschaftsschutzgebiet „Glemswald“ herausgenommen. Eine Ausgleichsfläche ist an der Nordseite des Engelberges vorgesehen.

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