Auch in Leonberg häufen sich derzeit dreiste Diebstähle Foto: Hier-Archiv/Sauer

Die Polizei warnt vor als Spendensammler getarnten Dieben. Diese sind derzeit auch wieder im Altkreis unterwegs

Plötzlich waren sie nicht mehr taubstumm und ich wurde wüst beschimpft“, berichtet ein Leser der Leonberger Kreiszeitung. Der Mann war auf zwei junge Frauen zugegangen, die er mehrere Tage hintereinander auf den Parkplätzen der Läden an der Römerstraße angetroffen hatte, wo sie als angeblich Taubstumme mit einem Zettel standen, um Spenden für ein Projekt in Rumänien bettelten. „An einem Tag wurden zehn Euro verlangt, am Tag darauf waren sie schon dreister und haben um 20 Euro gebettelt“, hat der Mann beobachtet. „Am zweiten Tag konnte ich gerade noch eine ältere Dame aufhalten, den Frauen 20 Euro zu geben und als ich den Zettel näher sehen wollte und mit der Polizei drohte, wurde ich in einer fremden Sprache beschimpft und auf deutsch belehrt, dass sie keine Angst vor der deutschen Polizei hätten“, schildert der Mann. Daraufhin habe er die Polizei angerufen, worauf die beiden schnell verschwanden.

„Wir warnen davor, sich mit aufdringlichen Bettlern einzulassen“, sagt Eckhard Salo, Sprecher der Polizeidirektion Böblingen. Für solche Fälle habe die Polizei Verhaltenstipps: Auf die vorgezeigten Zettel und Bilder sowie Bitten der Bettler um Geld nicht reagieren. Auf weitere Personen achten. Es können mehrere Personen zusammen auftreten. Anrempeln und Schmutz auf der Bekleidung können als Ablenkung für einen Diebstahl dienen. „Auf keinen Fall Unterschriften auf Listen leisten und Personalien und Adressen angeben“, empfiehlt Salo. „Im Verdachtsfall unverzüglich die Polizei verständigen.“

Wer den Leuten trotzdem Geld geben möchte, sollte sich vor Trickdiebstählen schützen. Den Geldbeutel unbedingt außerhalb des Zugriffs durch die Personen halten. Denn ein Fall jüngst in Böblingen zeige, wie die Trickdiebe vorgehen. Nachdem ein Rentner-Ehepaar in einer Bank gerade erst Geld abgehoben hatte, wurden es direkt vor der Kreditanstalt von zwei unbekannten Frauen angesprochen. Sie gaben vor, Spenden für Taubstumme zu sammeln und baten das Ehepaar um einen kleinen Obolus. Auf einem Klemmbrett hinterließen die durchaus spendewilligen Senioren schließlich ihren Namen.

Vermutlich in diesem Moment griffen die Trickbetrügerinnen zu und angelten sich das Geld aus einer mitgeführten Tasche. Wenig später, beim Bezahlen an einer Ladenkasse, kam für die ahnungslosen Opfer dann das böse Erwachen: das komplette Haushaltsgeld von mehreren hundert Eu-ro für einen ganzen Monat war verschwunden. „Immer wieder werden vor allem ältere Menschen Opfer dieser Diebstahlsmasche. Häufig, nachdem sie auf einer Bank Bargeld abgehoben haben“, so Salo. „Die überwiegend weiblichen Täter erweisen sich als äußerst fingerfertig und gewieft.“

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