Leonberg Farbe gegen das Baustellenloch

Von Ulrike Otto 

Veranstaltungen wie die Graffiti-Meile tun der Altstadt gut, meinen Händler wie Albert Geurts (2. v. l.) und Dilek Celeb (Mitte). Foto: factum/Weise
Veranstaltungen wie die Graffiti-Meile tun der Altstadt gut, meinen Händler wie Albert Geurts (2. v. l.) und Dilek Celeb (Mitte). Foto: factum/Weise

Seit mehr als einer Woche ist die Grabenstraße gesperrt. Das erste Verkehrschaos in der Altstadt ist überwunden. Zwar kommen weniger Kunden, doch die Händler und Gastronomen können der Situation viel Positives abgewinnen.

Leonberg - Es gibt Ups und Downs“, sagt Albert Geurts. Der Inhaber von Albert-Blumen wirkt ganz entspannt, wenn er von der Sperrung der Grabenstraße und der damit verbundenen Umleitung durch die Leonberger Altstadt spricht. Dabei liegt sein Geschäft quasi am Knotenpunkt des Verkehrschaos in der Graf-Ulrich-Straße. Dort, wo sich die Linienbusse durch die enge Gasse vom Marktplatz hoch oder dorthin quälen. Wo die Baustellenampeln für lange Autoschlangen sorgen. Und wo ganz schlaue Fahrer meinen, Abkürzungen durch verkehrsberuhigte Straße zu nehmen oder einfach den Bussen hinterherzudüsen. „Blumen kauft man eh nicht bei Hitze. Es kommen weniger Leute, dafür aber gezielter“, meint Geurts.

„Ich komme mir manchmal vor wie im Süden“, sagt Dilek Celeb. der der Feinkostladen „Momente“ direkt gegenüber gehört ihr. „Zum Beispiel, wenn sich die Busfahrer streiten, wer denn jetzt fahren darf.“ Auch der ein oder andere Blumenkübel in der Graf-Ulrich-Straße hat schon was abbekommen. Sogar „Baustellen-Touristen“ sollen schon gesichtet worden sein, die es sich vor dem „Schwarzen Adler“ mit einem kühlen Bier gemütlich machen und den Verkehrswahnsinn verfolgen. „Die ersten paar Tage waren ein bisschen anstrengend. Aber jetzt ist es bis auf die paar Idioten, die die Abkürzung über den Marktplatz nehmen, ganz entspannt“, meint der Markt-Gastronom Peter Knöpfle. Er hatte mit Schlimmerem gerechnet.

„Ich hatte gedacht, die Leute würden die Altstadt viel mehr meiden“, meint Oliver Reuter von „Only Women“ und „Marktplatz 11“. Doch die Kunden kämen, gerade weil man immer wieder kommuniziere, dass die Läden erreichbar sind. Zwar gebe es immer mal Schwierigkeiten beim Be- und Entladen. „Aber das ist völlig o. k., vor allem, wenn man sieht, welche Verbesserungen wir dafür bekommen“, sagt Reuter.

Das sieht auch Dilek Celeb von „Momente“ so. „Wenn man Veränderungen möchte, muss man auch mit solchen Begleitumständen rechnen.“ Die Kunden, die regelmäßig bei ihr einkaufen, kämen weiterhin. Verschoben habe sich nur die Uhrzeit. „Viele kommen jetzt eher abends. Deshalb haben wir die Öffnungszeiten verlängert“, berichtet sie.

Das „Domizil“ am neuen Standort am Markt kann sich über Probleme durch die Baustelle nicht beklagen. „Im Gegenteil, es ist überraschend angenehm“, sagt Chef Lothar Mattner. Das liege aber vor allem am umgestalteten Marktplatz und an der Außenbestuhlung. Aber auch Veranstaltungen wie die Graffiti-Meile am Samstag tragen dazu bei. Die Leute setzten sich dann mit den Veränderungen auseinander, statt sich nur zu beschweren, dass die Straße gesperrt ist, meint Peter Knöpfle. „Wenn man nichts macht, bewegt sich auch nichts“, lautet sein Credo.

Was wird gemacht?

Gesamtprojekt Hinter dem Ober­begriff „Sanierung der Grabenstraße“ verbirgt sich auch eine Modernisierung der oberen Bahnhofstraße, eine Verbreiterung der Kreuzung am Hirschbrunnenplatz, dringende notwendige Erneuerungen an den Abwasserkanälen sowie den Wasser-, Strom- und Gasleitungen. Nicht zuletzt wird der Bereich zwischen Sonnenkreuzung und Hirschbrunnenplatz mit Bäumen und Grünflächen optisch aufgewertet. Fußgänger und Radler haben künftig breitere Wege.

Zeitplan Die Vollsperrung der Grabenstraße dauert bis zum 13. September. Der Mittwochsmarkt findet in der Steinstraße statt. Vom 14. September an ist die Grabenstraße stadteinwärts wieder befahrbar. Der Markt kommt wieder vor das Alte Rathaus. Ende Oktober wird die Grabenstraße erneut für ein Wochenende gesperrt, um den Endbelag aufzubringen.

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