Foto: factum/Granville

Der liberale Justizminister Jörg-Uwe Hahn aus Wiesbaden hat gemeinsam mit dem Stuttgarter Regierungspräsidenten Johannes Schmalzl (FDP) die Initiative zur Resozialisierung von jugendlichen Straftätern besucht.

Leonberg – Jugendliche Straftäter aus Hessen können möglicherweise schon bald mit der Unterstützung des Leonberger Seehaus-Projektes den Weg zurück in die Mitte der Gesellschaft finden. Der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP), der auch stellvertretender Ministerpräsident ist, hat am Rande des Stuttgarter FDP-Dreikönigstreffens in Begleitung des Regierungspräsidenten Johannes Schmalzl das Seehaus-Projekt besucht.

Und das aus gutem Grund: Hahn überlegt, in Hessen straffällig gewordene junge Menschen, die rechtskräftig zu einer mindestens einjährigen Haftstrafe verurteilt worden sind, entweder nach Leonberg zu schicken, oder aber selbst ein entsprechendes Angebot in Hessen aufzubauen. Möglicher Partner des hessischen Justizministeriums könnte dann der Seehaus-Verein sein, der bereits seit zehn Jahren erfolgreich mit jungen Straftätern im Alter zwischen 14 und 23 Jahren in Leonberg arbeitet.

Rund 75 Prozent der vom Seehaus betreuten Jugendlichen seien nach Auskunft des Seehaus-Geschäftsführers Tobias Merckle nicht wieder straffällig geworden. Auch in Sachsen ist Seehaus seit dem vergangenen Jahr aktiv und hat nahe Leipzig bereits eine erste Wohngruppe aufgebaut – mit einer Sondergenehmigung der dortigen Kreisbehörde. Allerdings wird das Projekt, in dem bis zu sieben Jugendlichen betreut werden sollen, nur übergangsweise in dem Ort Stormthal angesiedelt sein. Das Seehaus sucht in Sachsen aktuell einen neuen Standort für mindestens zwei Wohngruppen sowie die nötigen Lehr- und Ausbildungsstätten.

„Dies gestaltet sich schwierig, da es an jedem möglichen Standort Widerstand gibt“, sagte Merckle und verband es mit dem Hinweis an Jörg-Uwe Hahn, dass es auch in Hessen – trotz der bestehenden rechtlichen Voraussetzung für den sogenannten Jugendstrafvollzug in freier Form – kein Spaziergang werde. Dennoch solle der Justizminister an den Aufbau eines eigenen Projektes mit der dazugehörigen Infrastruktur denken.

Hans-Jörg Hahn, der den ehemaligen baden-württembergischen Justizminister Ulrich Goll (FDP) seit vielen Jahren gut kennt und diesen am Dreikönigstag auch in Stuttgart getroffen hat, ist sich dessen durchaus bewusst. Dennoch ist er von dem Projekt zur schnellen Resozialisierung straffällig gewordener Jugendlicher angetan. Er weiß von einem früheren Gespräch mit Merckle, welche Bedingungen erfüllt werden müssen, um Erfolg zu haben.

Bereits sein Vorgänger hatte den Kontakt zu Seehaus gesucht, und auch der Gießener Regierungspräsident, einst selbst Leiter einer hessischen Arrestanstalt, hat sich die bundesweit viele beachtete Einrichtung in Leonberg angeschaut. „Wir können in Hessen auch Jugendstrafvollzug und -arrest“, so Hahn augenzwinkernd mit dem Hinweise auf den Südwest-Slogan: „Wir können alles außer Hochdeutsch.“

Wobei man schon einiges getan habe. „Wir haben in den vergangenen fünf Jahren erhebliche Anstrengungen unternommen und die Situation deutlich verbessert“, sagte der Justizminister, der trotzdem Möglichkeiten zur Optimierung des hessischen Systems sieht: „Der Feind des Guten ist in erster Linie das Bessere.“ Das Seehaus-Projekt, davon ist Hahn überzeugt, biete mehr Chancen als die Haft alleine.

Tobias Merckle kann sich Zusammenarbeit mit dem Land Hessen gut vorstellen. Er ist jedoch zunächst zurückhaltend: „Ich schätze aber, das Projekt wird im Falle eines Falles ausgeschrieben.“

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