Das traditionsreiche Haus an der Leonberger Straße steht vor dem Aus. Foto:  

Die Erben der traditionsreichen Eltinger Brauereigaststätte samt Hotel verhandeln derzeit mit einem Käufer. Der bisherige Pächter sieht für das Hotel so keine Chance mehr.

Leonberg - Am Wochenende hat heimlich, still und leise eine Eltinger Institution geschlossen. Der Pächter und Hotelier Thomas Figge hat seinen Pachtvertrag für das traditionsreiche Hotel Kirchner nicht verlängert. Die Erben und Besitzer der einstigen Eltinger Brauerei stehen in Verkaufsverhandlungen für das Areal an der Leonberger Straße. Dabei könnte auch ein Hotelier das Rennen machen.

Ein handgemaltes Schild mit der Aufschrift, „Küchenzeilen zu verkaufen“ kündet vom Aus des Hotel Kirchners in seiner jetzigen Form. Nach 15 Jahren hat Thomas Figge nun endgültig das Handtuch geworfen. „Wir haben vor fünf Jahren nochmals den Pachtvertrag verlängert, und haben darauf gehofft, dass die Besitzer hier renovieren und investieren.“ Doch dieser Wunsch habe sich nicht erfüllt. Der Kirchner-Erbe Rainer Glos bestätigt, dass er sich von den einstigen Brauerei-Immobilie trennen wolle. Die Rendite sei bei solchen Objekten einfach zu gering. Der Sanierungsstau sei groß, sagen Interessenten und Gastronomen. Der heutige Hoteltrakt stammt aus den 80er Jahren, der Wirtschaftsbau stammt aus den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Damals versorgte Kirchner mit seinem Bier noch den ganzen Altkreis, 1972 wurde die Produktion eingestellt. Hofbräu übernahm die Bezugs- und Vertriebsrechte für das Bier, die Erben die Liegenschaften, wozu auch die Gaststätte und Fremdenzimmer des „Ochsen“ in der Leonberger Altstadt gehören. Die Zukunft für das Areal an der Leonberger Straße ist offener denn je. Vor allem die Hotel- und Zimmereinrichtung entspricht nicht mehr den Wünschen der Gäste von heute. Dem Vernehmen nach hat ein Hotelier aus dem Landkreis Ludwigsburg Interesse an dem Objekt, offenbar geht er von einer Kernsanierung aus.

Auch Bauträger hätten sich das Hotel bereits angeschaut: Allerdings dann als Abrissobjekt und für eine mögliche neue Wohnbebauung. Demnächst sei mit einer Entscheidung zu rechnen, sagt Rainer Glos auf Anfrage unserer Zeitung. Dann wird sich wohl auch schnell entscheiden, welche Zukunft es für das recht große Grundstück in Eltingen gibt. Schon vor einigen Jahrzehnten hat die Wüstenrot auf dem Areal des einstigen Brauereigartens Geschoss-Wohnungsbau entwickelt.

Für viele lokale Vereine und Parteien ist „der Kirchner“ mit seinem legendären Hinterzimmer eine echte Institution gewesen. Großmütig hat Figge auch Reservierungen für Gesellschaften entgegen genommen, bei denen er wusste, dass sich viele während der stundenlangen Jahreshauptversammlung an einem kleinen Apfelsaftschorle festhalten. Für viele Monteure und Geschäftsreisende war das Hotel eine günstige Alternative zu anderen Leonberger Adressen. Die Kollegen aus der Gastronomie sind alles andere als froh. „Da stirbt ein Stück Eltinger Geschichte“, kommentiert Heiner Eiss vom Hotel Hirsch. Der württembergische Dehoga-Präsident erkennt aber hier auch strukturelle Probleme: „Hotelbetreiber haben in Leonberg immer mehr zu kämpfen. Es fehlt uns an Firmen mit vielen Geschäftsgästen, es fehlt unserer Stadt auch an Aufmerksamkeit“, so seine Kritik am Stadtmarketing.

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