Peter Pfitzenmaier in seinem Haus im Ezach mit zahlreichen Pokalen. Foto: factum/Granville

Eines wollte Peter Pfitzenmaier unbedingt vermeiden: Vorsitzender des TSV Eltingen zu werden. Nicht, dass er den Sportverein nicht mögen würde, ganz im Gegenteil. Aber der Großvater und der Vater waren schon TSV-Chef, da wollte er nicht auch noch.

Leonberg – Eines wollte Peter Pfitzenmaier unbedingt vermeiden: Vorsitzender des TSV Eltingen zu werden. Nicht, dass er den Sportverein nicht mögen würde, ganz im Gegenteil. Er ist praktisch beim TSV aufgewachsen, in einer Art Familiendynastie war erst sein Großvater 25 Jahre und dann sein Vater 30 Jahre lang Vorsitzender. „Ich wusste der Gefahr zu entgehen, Vorsitzender zu werden“, schmunzelt der 70-Jährige in seinem Haus im Ezach. Dieses Ziel hat der engagierte Leonberger erreicht, und doch kaum ermessliche Verdienste für den Vereinssport erworben. Und für die Politik – deswegen hat er die Verdienstmedaille des Landkreises bekommen – und eine Auszeichnung durch den Sportkreis.

Aufgewachsen ist Pfitzenmaier nicht nur im Sportverein, sondern auch sonst in Eltingen. Zunächst hat er Fußball gespielt beim TSV, doch schnell erkannt, dass darin nicht seine größten Talente liegen. Da hat er sich auf die Jugendarbeit konzentriert, 30 Jahre lang hat er Freizeiten organisiert. Dieses Engagement setzte er 1985 als Vorsitzender des Sportkreises fort, wurde dann 1992 sogar im Landessportbund der Vertreter des Vereinssports. Bis Juni noch will er dieses Ehrenamt ausfüllen, dann ist Schluss.

Und so bekommt die Gattin nachträglich ihr Recht – denn schon vor 30 Jahren, als sich Pfitzenmaier vom ehemaligen liberalen Abgeordneten Oskar Marcy für den Sportkreis hat begeistern lassen, legte sie eigentlich ihr Veto ein: „Peter, du gehörst in die Jugendarbeit.“ Diesen Widerspruch überging Pfitzenmaier damals, jetzt will er kürzer treten und mehr Zeit für die Familie und die zwei Enkel aufbringen. Endlich.

Auf die Frage: „Wo ist der Opa?“ hieß es in der Familie Pfitzenmaier allzu oft: „Der sitzt mal wieder in Böblingen oder Stuttgart rum.“ Denn der Einsatz für den Sport war und ist beileibe nicht sein einziges Hobby – wenn man das so nennen kann. Schon 1973 trat er in die SPD ein, fasziniert von Willy Brandts Ansatz, Bildung für alle zu ermöglichen. Mit Erwin Staudt und Karl Grob brachte er neuen Schwung in die Leonberger Kommunalpolitik. Zusammen führten sie einen fulminanten Wahlkampf. „Dass die SPD 1975 die stärkste Fraktion wurde, das war eine Sensation“, erinnert sich Pfitzenmaier. Er kam in den Gemeinderat: in Leonberg – wo doch der Großvater die Zwangseingemeindung Eltingens 1938 nie verwunden hat. „Ich weiß nicht, was er dazu gesagt hätte, dass ich in Leonberg kandidiert habe“, sagt der Sozialdemokrat und lacht. Es war eine wilde und spannende Zeit. Der spätere IBM-Chef und VfB-Präsident Staudt war Fraktionschef, Pfitzenmaier Stellvertreter. „Wir waren ein tolles Team und gut eingespielt“, sagt er. Es war die Zeit der großen Baugebiete, die Stadthalle und das Leobad entstanden.

Als Staudt immer stärker beruflich eingebunden war, wurde 1984 Pfitzenmaier Fraktionschef und gleichzeitig saß er im Kreistag, wo er von 1992 bis 2009 Fraktionschef der SPD war. Aufgedrängt hat er sich nie, ins Kreisparlament kam er eher „per Betriebsunfall“, eigentlich wollte er nur die SPD-Liste auffüllen. So entwickelte er das einzigartige Böblinger Müllkonzept mit, leitete die Gründung des Klinikverbundes in die Wege – nun aber will er zum Ende der Legislaturperiode aufhören.

Schließlich hat er auch beruflich immer Vollgas gegeben – zunächst über den zweiten Bildungsweg, ganz im Sinne Willy Brandts, als Berufsschullehrer in Leonberg. Einen Job, den er mit Leib und Seele ausgefüllt hat. Und dann 1990 als Leiter des VHS in Leonberg. „Es war schon spannend, ob der Gemeinderat den ehemaligen Fraktionschef der SPD in dieses Amt wählen würde“, erinnert sich Pfitzenmaier. Das tat er dann aber ganz problemlos. Unter seiner Ägide wurde das Angebot stark ausgeweitet, die Außenstellen im Altkreis wurden gestärkt und gestrafft, immer mehr Sprachen ins Programm genommen. Die Volkshochschule war eine völlig andere, als Pfitzenmaier 2009 dort aufhörte.

Noch heute ist ihm Bildung ein Herzensanliegen – deswegen gibt er in der JVA Heimsheim Deutsch-Unterricht. So richtig ruhig ist es wohl nie im Leben des Peter Pfitzenmaier – und das ist auch gut so.

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