Eine Ebay-Händlerin aus Leonberg hat sich mit einer Kundin zerstritten. Foto: dpa

Eine Frau aus Leonberg, die auf der Internet-Plattform Ebay ­kostspielige Mode aus den USA anbietet, landet wegen befleckter Ware vor Gericht. Sie soll ein offenbar getragenes Kostüm als neu ­verkauft haben. Mit der Kundin liegt sie über Kreuz.

Leonberg - Der Unterschied zwischen neuer und gebrauchter Kleidung ist nicht so eindeutig, wie man im ersten Moment glauben mag. Eine Frau aus Leonberg, die auf der Internet-Plattform Ebay ­kostspielige Mode aus den USA anbietet, landet wegen dieser Unterscheidung vor Gericht. Sie soll ein offenbar getragenen Kostüm als neu ­verkauft haben.

Richterin Jasmin Steinhart, der Staatsanwalt und der Verteidiger der beschuldigten Internet-Händlerin untersuchen das Kostüm aus Lamm-Nappa-Leder – Jacke und Rock; Größe 42, Farbe; silber-metallic. „Original hat das mal 2500 Dollar gekostet“, sagt die Angeklagte. Verkauft hat sie es im März dieses Jahres für 500 Euro. Nicht zur Zufriedenheit ihrer Kundin.

Ihre Ware bezieht die Frau von einer Verwandten in den Vereinigten Staaten. Das strittige Kostüm hatte sie einer Stammkundin verkauft. Doch die wollte das teure Designerstück nicht haben. „Ich habe schon beim Auspacken Verfärbungen am Kragen und an den Ärmeln festgestellt“, berichtet die Kundin, „damit muss ich mich ja schämen, wenn ich unter Leute gehe.“ Die Händlerin hält dagegen: „Ich prüfe meine Ware vor dem Versand. Ich verkaufe nur neue Kleidung, nichts gebrauchtes.“

Was als neu gelten darf und was nicht, konnte das Leonberger Amtsgericht nicht klären. „Wenn sie im Kaufhaus ein Jacke kaufen, kann die schon von zehn Menschen anprobiert und worden sein. Die gilt aber immer noch als Neuware“, sagt der Anwalt der Beschuldigten dazu.

Die Designerklamotten stammen aus den USA

Bis vor zwei Jahren ­verkaufte die Leonbergerin ihre Ware noch in einer Boutique. „Die musste ich ­schließen. Das hat sich nicht gelohnt“, sagt sie vor Gericht. Das silberne Leder-Kostüm habe sie bereits drei oder vier Jahren im ­Lager gehabt. Ob das Kleidungsstück schon einmal anprobiert wurde und dadurch Schaden nahm, oder ob die lange Lagerzeit dem Leder zugesetzt hatte, das konnte die 52-Jährige nicht beantworten. „Fest steht, das ist keine schöne neue Ware“, sagt der Staatsanwalt nach der langer Begutachtung, „ich verstehe, dass man sich ­darüber nicht freut.“

Der Streit war erst vor Gericht gelandet, weil die Kundin die gesetzliche Frist für einen Widerruf hatte verstreichen lassen. Erst nach 18 Tagen und dutzenden E-Mails hatte sie das strittige Designerstück an die Händlerin zurückgeschickt. Abgesehen von Unterwäsche, Einwegware oder verderb­lichen Produkten haben Kunden beim Einkauf im Internet grundsätzlich das Recht, ­innerhalb von 14 Tagen vom Kauf zurück zu treten – ohne Angabe von Gründen, auch wenn kein Mangel vorliegt.

Eine Hassliebe zwischen Kundin und Händlerin

Kundin und Händlerin verbindet seit Jahren offenbar eine Art Hassliebe. „Ich war von ihr genervt“, gibt die Angeklagte vor Gericht zu, „sie hat immer um den Preis gefeilscht und Mängel reklamiert.“ Dementsprechend hitzig fiel der Schriftwechsel zwischen den beiden Frauen aus: „Nach dem, was sie mir geschrieben hat, hatte ich Angst davor, mein Geld nicht wiederzu­sehen, wenn ich ihr erst einmal das Kostüm geschickt habe“, sagt die Kundin.

Das Verfahren gegen die Ebay-Händlerin wurde am Ende gegen eine Zahlung in Höhe von 500 Euro eingestellt. Ein ­bewusster ­Betrugsversuch konnte der Frau nicht nachgewiesen werden. Das Kostüm muss sie allerdings zurücknehmen und den Kaufpreis von nochmals 500 Euro zurückerstatten. Sobald das Geld bei ihrer unzufriedenen Kundin eingeht, bekommt die Händlerin ihre Ware zurück. Bis dahin ­verwahrt ihr Anwalt das teure Kleidungsstück treuhänderisch in seiner Kanzlei.

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