Immer wieder werden Casino-Betreiber Opfer von Raubüberfällen. Foto: dpa

Zwei Männer überfallen in der Innenstadt einen Spielcasino-Betreiber und werden dafür am Landgericht zu Bewährungsstrafen verurteilt. Zum Verhängnis wird den 20 und 21 Jahre alten Tätern ein Überwachungsvideo.

Leonberg - Der eine stand Schmiere, der andere bedrohte das Opfer mit einer vorgehaltenen Schreckschusspistole: Zwei 20 und 21 Jahre alte Leonberger sind von der zweiten Großen Jugendkammer des Stuttgarter Landgerichts wegen gemeinschaftlicher schwerer räuberischer Erpressung zu Jugendstrafen von zwei Jahren verurteilt worden, die zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Die beiden Männer hatten als Heranwachsende im Mai 2014 ein Spielcasino in der Leonberger Innenstadt überfallen und dem Betreiber 1200 Euro abgenommen.

Die vorsitzende Richterin sprach von einer „gewaltigen Tat. Danach kommen nur noch Tötungsdelikte“, betonte sie nach der Urteilsverkündung und erklärte, dass für sie die Beteiligung der beiden gleich schwer wog. Den 20-Jährigen, der die „Drecksarbeit erledigte“, verdonnerte sie zudem zu einem Bußgeld in Höhe von 600 Euro. Sein Kumpel, der laut der Richterin die „für die Tat nötigen Details“ lieferte, muss 200 Euro bezahlen und 40 Arbeitsstunden ableisten. Beide wurden Bewährungshelfern unterstellt. Auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sowie die beiden Verteidiger sahen in einer zweijährigen Jugendstrafe zur Bewährung einschließlich Geld- und Arbeitsauflagen die geeignete Sanktion für die jungen Männer.

Aufgrund vollumfänglicher Geständnisse konnte bei dem auf ursprünglich drei Verhandlungstage angesetzten Prozess bereits am zweiten Tag das Urteil gesprochen werden. Als Tatmotiv führten die beiden Leonberger, die sich zunächst einmal gegenseitig die Schuld zuschoben, später aber erklärten, den Entschluss gemeinsam gefasst zu haben, ihre damaligen finanziellen Sorgen an. Während der 21-Jährige sein Geld regelmäßig an Spielautomaten verzockte, saß der 20-Jährige auf einem Schuldenberg aus Handyverträgen.

Die Lösung für ihre Geldnot sahen sie in dem Überfall auf den Mann, der im Leo 2000 ein Spielcasino betreibt. Nachdem sie sich hinreichend Mut angetrunken hatten, vergewisserte sich der 21-Jährige unter dem Vorwand, nach Geschäftsschluss noch eine Runde spielen zu wollen, zunächst einmal telefonisch über die Anwesenheit des Mannes im Laden, bevor er seinem Komplizen dann den Rücken frei hielt. Dieser lauerte dem Mann, der unerwartet in Begleitung seines Vaters erschienen war, am Ausgang auf und verlangte mit Sturmhaube und nicht geladener Schreckschusspistole die Herausgabe der Tageseinnahmen in Höhe von 1200 Euro. Wo er das Opfer abgreifen sollte, wusste er von dem 21-Jährigen, der den Spielcasino-Betreiber privat kannte. Die ergaunerte Beute teilten die beiden hälftig auf, bevor es am Folgetag auf Shoppingtour ins Breuningerland nach Sindelfingen ging, wie die Leonberger bei ihrer Vernehmung angaben.

Ein Video überführt die Räuber

Zum Verhängnis wurde ihnen die Aufzeichnung der installierten Überwachungskamera. Bei der Auswertung der Bilder konnte der Sohn des Opfers einen der beiden Täter identifizieren. Eine spätere Suche in den sozialen Medien brachte zwar nicht den vollständigen Namen des 20-Jährigen zutage. Doch anhand des Autokennzeichens auf einem der hochgeladenen Fotos konnte die Polizei schließlich den Übeltäter ermitteln.

Obendrein stellte sich bei der Suche über das polizeiliche Informationssystem heraus, dass er mit dem 21-Jährigen – diesen hatte der Geschädigte aufgrund dessen Anrufs im Vorfeld ohnehin verdächtigt – als Beifahrer kürzlich in eine Standkontrolle geraten war. Bei den anschließenden Hausdurchsuchungen stellten die Beamten neben der Schreckschusswaffe und der Sturmhaube auch die gekauften Kleidungsstücke sowie das restliche Geld sicher. Die beiden Männer kamen in Untersuchungshaft.

Mit der Anwendung der Jugendstrafen folgte die Richterin der hinzugezogenen Jugendgerichtshelferin, die den beiden Entwicklungsdefizite attestierte. Vor allem der Werdegang des 21-Jährigen verlief alles andere als geradlinig. Während sein Kumpel nach der Mittleren Reife einen Ausbildungsplatz als Anlagenmechaniker fand, schloss er nach seinem vorzeitigen Abgang von der Realschule die schulische Laufbahn mit dem Hauptschulabschluss ab. Später folgten mehrere abgebrochene Lehren zum Kfz-Mechaniker, Friseur und Koch. Inzwischen darf er seine Ausbildung in einer Betriebskantine fortsetzen. Der 21-Jährige saß auch nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank und musste sich schon früher wegen Beleidigung und Sachbeschädigung verantworten.

Die beiden Leonberger nutzten die Verhandlung auch dazu, um sich bei dem 42-jährigen Spielcasino-Betreiber und dessen Vater, die den Überfall nacheigener Aussage ohne bleibende Schäden überstanden haben, zu entschuldigen. Gleichzeitig kamen sie für den verursachten finanziellen Schaden auf.

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