Schneller als die Polizei erlaubt: Gegen den Jugendpfarrer hatte Kriminaloberrat Jürgen Hauber Foto: factum/Bach

Pfarrer Jürgen Schwarz hat im Promi-Rennen beim „Glemseck 101“ die Nase vorn. Zehntausende Motorrad-Fans haben sich am Wochenende bei der zehnten Auflage des Motorrad-Festivals versammelt.

Leonberg - „Ich fühle mich pudelwohl unter dem Segen des Herrn“, sagt der Bezirksjugendpfarrer Jürgen Schwarz lachend. Dabei sitzt er auf einer Triumph Bonne­ville. Unter der abgewetzten Lederjacke lugt der weiße Kragen seines Talars hervor. Er trägt Jeans und hat den Helm lässig auf dem Lenker seiner sportlichen Maschine abgelegt. Neben ihm steht Jürgen Hauber, Kriminaloberrat und Leiter der Prävention beim Polizeipräsidium Ludwigsburg, in historischer Polizeiuniform, passend zur BMW R50 aus den 60er Jahren.

Die beiden haben sich am Samstagnachmittag, zum „Late High Noon“, dem Promirennen auf der Achtelmeile beim „Glemseck 101“ getroffen. Der Sprint eröffnet das Rennwochenende auf einem der größten Motorradtreffen Europas, rund um das Hotel Glemseck, zwischen Leonberg und Stuttgart. Erneut pilgern auch zur zehnten Auflage des riesigen Motorradspektakels Zehntausende Zweiradfans und Biker mit ihren Maschinen.

Erinnerungen an Don Camillo

Die Tribüne an der ehemaligen Start-Ziel-Geraden des Solitude-Rings quillt beinahe schon über vor Menschen. Beim Aufheulen der Motoren steigt mit der Drehzahl auch der Puls. Zeit für einen Scherz bleibt allemal. „Wenn ich jetzt sehe, was unser lieber Pfarrer hier mitbekommen hat, dann kann ich höchstens noch optisch punkten und auf göttlichen Beistand hoffen“, scherzt Hauber.

Startgirl Laura schwenkt ihre Flagge und springt dabei gekonnt in die Luft. Noch bevor der karierte Stoff der Flagge den Asphalt berührt, rasen die beiden Jürgen auf ihren heißen Öfen los und der Pfarrer dem Polizisten auf und davon. „Das ist fast wie bei Don Camillo und Peppone“, sagt Schwarz später. Auch wenn es der Bürgermeister in der beliebten italienischen Spielfilmreihe mit dem Gesetz nicht immer so genau nimmt wie der Kriminalrat Hauber.

Dicht gedrängt schieben sich Menschenmassen am Samstagnachmittag entlang der zahlreichen Aussteller und Tuner, die ihre Zelte an der gesperrten Landesstraße aufgebaut haben. Kilometerlang aufgereiht stehen dort Motorräder. Neue und alte Maschinen, Flaggschiffe, Streetfighter, Rennmaschinen und dazwischen die für das „Glemseck 101“ typischen Café Racer. Die zu Rennmaschinen umgebauten Serien-Motorräder waren vor allem Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre in England beliebt. Die Veranstaltung habe einen guten Geist, sagt Pfarrer Jürgen Schwarz, der zudem das Rutesheimer Gymnasium leitet. „Hier treffen sich so viele Menschen, darunter Freaks, passionierte Techniker und ganz normale Zweiradfahrer, und es herrscht ein wirklich guter Umgang miteinander“, verdeutlicht er.

Motorradfahren ist wie Skifahren – das verlernt man nicht

Halb zehn ist er am Glemseck eingetroffen, um sich mit der geliehenen Rennmaschine vertraut zu machen. „Ich habe mich mal kurz auf die Triumph gesetzt, um ein Gefühl für die Übersetzung zu bekommen“, erklärt er. Das müsse reichen, denn das mit dem Motorradfahren sei wie beim Skifahren. „Man kann es, oder man kann es nicht“, meint der 50-Jährige und lacht.

Mit 15 fuhr er das erste Mal Moped, davor war er schon mit dem Roller vom Papa unterwegs und später immer mit dem Motorrad. Auf der Achtelmeile trat der Pfarrer bisher zweimal erfolgreich an. „Am Glems­eck bin ich natürlich jedes Jahr, wir haben hier ja den Gottesdienst, dieses Jahr zum zehnten Mal“, berichtet Schwarz. Beim Motorradgottesdienst am Sonntagmorgen, den Schwarz leitet, geht es beim Jubiläum dann auch um die Zahl 10, wie die Zehn Gebote. Die Lederjacke, die ließ der Pfarrer dabei übrigens an.

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