Der neue Friedhof in Höfingen soll vergrößert werden. Foto: factum/Granville

Es gibt immer weniger Erdbestattungen. Das wirft die Frage auf: Sind Friedhofserweiterungen noch notwendig?

Leonberg - Der neue Friedhof in Höfingen soll erweitert werden. Die Planungen dafür laufen bereits seit vergangenem Sommer, die Änderungen am Bebauungs- und am Flächennutzungsplan könnten bald endgültig durch sein. So weit, so gut. Doch bei der neuerlichen Vorlage im Gemeinderat haben aktuelle Bestattungszahlen eine Grundsatzdebatte ausgelöst: Werden überhaupt neue Friedhofsflächen benötigt? Die Verwaltung hat die Stadträte vor der Sitzung mit neuen Zahlen versorgt. So hat es auf dem Waldfriedhof von Juni 2015 bis Februar diesen Jahres 119 Bestattungen gegeben. Nicht einmal jede Fünfte davon mit Sarg. Stattdessen wurden die Verstorbenen in 98 Fällen in einer Urne beerdigt. Und für diese wird nun einmal wesentlich weniger Platz benötigt.

„Vor zwei Jahren haben wir noch gesagt, wir brauchen neue Friedhofsflächen. Seitdem hat sich aber viel geändert“, konstatiert Jörg Langer (Freie Wähler) und fragt: „Brauchen wir die Flächen noch?“ Im Teilort Warmbronn ist die Erweiterung bereits abgesegnet. Auf dem neuen Friedhof in Höfingen sind längst noch nicht alle Flächen belegt. Dort bereitet auch das Gelände Schwierigkeiten. Auf dem bestehenden Friedhof wurden in der Vergangenheit vermehrt Wachsleichen gefunden, die Belüftung des Bodens ist schlecht. Im Falle einer Erweiterung muss beispielsweise eine extra Kiesschicht in den Untergrund eingebaut werden, außerdem Dränage-Rohre rings um die Grabfelder. Für Sarggräber müssen zudem spezielle Hüllen verwendet werden (wir berichteten). Das Landratsamt hat den Standort kritisiert, weil er im Wasserschutzgebiet Glems liegt.

Angesichts dieses Aufwandes fragt sich Birgit Suckut (Grüne): „Warum wird eine Nachbelegung des alten Höfinger Friedhofes dann abgelehnt?“ Da gebe es genügend eingeebnete Flächen. „Dort ist der Boden auch nicht anders. Außerdem ist es auf lange Sicht der politische Wille, die alten Friedhöfe als innerstädtische Gründfläche weiterzuentwickeln“, erklärt Anna Schopf vom städtischen Planungsamt.

Diese Entscheidung stammt nach Auskunft von Bernhard Schuler noch aus einer Zeit, bevor er Oberbürgermeister der Stadt Leonberg wurde. Es sei ein hochsensibles Thema, merkt er an. Grundsätzlich gebe es drei Möglichkeiten. Erstens: Der neue Höfinger Friedhof wird erweitert, wie geplant. Zweitens: Anstelle einer Erweiterung wird ein neuer Standort gesucht. „Das wäre dann der dritte Friedhof im Teilort. Davor kann ich nur warnen“, sagt Schuler. Die dritte Möglichkeit: „Wir zentrieren alles auf dem Waldfriedhof. Durch die neuen Bestattungsformen, die so gut angenommen werden, haben wir dort viel mehr Kapazitäten“, erklärt Schuler. Damit wären dann die Erweiterungen in Höfingen, aber auch Warmbronn nicht nötig. Ein Thema, das besonders bei der SPD auf offene Ohren stößt. „Bei den alten Friedhöfen in Eltingen und in der Seestraße haben wir das soweit wie möglich umgesetzt“, sagt Wolfgang Schönleber (SPD).

Die Erweiterung in Höfingen wird laut Ratsbeschluss (bei einer Gegenstimme) vorerst weiter verfolgt wie geplant. Allerdings soll eine weitere, ausführlichere Statistik zu Bestattungen zusammengestellt werden. Danach könnte die Grundsatzdebatte weiter geführt werden.

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