In der Thomas-Mann-Straße müssen einzelne Häuser von außen abgestützt werden. Foto: factum/Bach

Vor einem Jahr ist die Erde in der Thomas-Mann-Straße abgesackt. 25 Häuser wurden durch eine fehlgeschlagene Erdwärmebohrung stark beschädigt. Spezialisten starten in zwei Wochen mit der Sanierung des Erdreichs.

Leonberg - A m 29. Juli vergangenen Jahres sind bei einer Geothermie-Bohrung im Leonberger Stadtteil ­Eltingen zwei Grundwasserschichten ­versehentlich miteinander verbunden worden. Der Boden sackte ab, die Häuser in der Thomas-Mann-Straße wurden schwer beschädigt. Tiefe Risse ziehen sich durch die Wände, eines der Häuser muss von meterlangen Baumstämmen gestützt werden. Jetzt steht der Termin für die Sanierung des ­Eltinger Bodens fest. In zwei Wochen, ­genauer zwischen dem 13. und 15. August, sollen die Arbeiten beginnen.

„Uns wurde geraten, unsere Häuser erst reparieren zu lassen, wenn auch das ­Erdreich erfolgreich saniert wurde“, sagt Wolfgang Schaal, der Sprecher der geschädigten Anwohner. Doch der Start der ­Bodensanierung wurde in den vergangenen Monaten immer wieder nach hinten verschoben. Als im Februar dieses Jahres die Sanierungsmethode vorgestellt wurde, hieß es noch, die Arbeiten würden in ­wenigen Wochen beginnen. „Die Sanierung beginnt später als ursprünglich gedacht, weil wir umfangreiche Tests gemacht ­haben“, sagt Dusan Minic, Pressesprecher des Landratsamtes in Böblingen, „wir ­wollen sicher sein, dass alles funktioniert.“

Das Verfahren, das in der Thomas-Mann-Straße zum Einsatz kommen wird, soll verhindern, dass es erneut zu einem Beben kommt. Es wird ein sogenanntes minimalinvasives Verfahren verwendet. Der Begriff stammt aus der Medizin. Es ­beschreibt einen Eingriff, der durch eine kleine Öffnung bewerkstelligt wird und dadurch keine großen Narben zurücklässt. Beim Thema Erdwärme bedeutet das: durch ein bestehendes Rohr der fehlgeschlagenen Bohrung wird ein Werkzeug eingeführt. Die Wände des Bohrlochs ­werden aufgeschlitzt. Diese Arbeit wird die Firma Gungl leisten – dieselbe Firma, auf deren Konto auch die fehlerhafte Bohrung im Sommer 2011 geht. Durch die Löcher wird dann eine spezielle Zementmischung gepresst. „Das wird die Firma Stump ­erledigen“, sagt Minic und fügt hinzu: „Das ist ein sehr komplizierter Vorgang.“ Mit dem Zement sollen die entstandenen Hohlräume gefüllt und das Erdreich endgültig stabilisiert werden. Danach darf kein Grundwasser mehr von der oberen in die untere Schicht abfließen können.

Auf dem Sanierungsverfahren ruhen sämtliche Hoffnungen der Anwohner. „Es ist absolut entscheidend, dass diese ­Sanierung jetzt klappt“, sagt Wolfgang Schaal. „Wichtig ist, dass es bald losgeht, und dass nicht erneut gebohrt werden muss“, fügt der Sprecher der Geschädigten hinzu. Eine erneute Bohrung wäre der letzte Ausweg, sollte die geplante Sanierung des Bodens misslingen. „Dann würde wieder das Risiko bestehen, dass es zu Bewegungen im Erdreich kommt“, sagt Schaal.

Eine weitere Sorge der geschädigten ­Eltinger Bürger: Wie viel haben ihre Immobilien an Wert verloren? „Diese Frage ­müssen wir klären, wenn der Boden einmal stabilisiert ist“, sagt Wolfgang Schaal. Die Instandsetzung der Häuser kann, nach Aussage des Landratsamts, schon kurz nach einer erfolgreichen Erdreichsanierung beginnen. „Wir werden genau messen, ob unser Verfahren funktioniert hat. ­Danach können die Risse gekittet werden“, sagt Minic und ergänzt: „Nur wenn sich herausstellen sollte, dass es undichte ­Stellen gibt, raten unsere Experten dazu, drei bis vier Monate zu warten.“

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