DIe Discothek Nachtschicht hat für immer geschlossen. Foto: LKZ

Schon zehn Mal hat die „Nachtschicht“ in der Leonberger Römerstraße angeblich endgültig zugemacht. Doch diesmal ist der Mietvertrag ausgelaufen, ein neues Tanzlokal soll an der Stelle wohl nicht mehr entstehen, sagen die Eigentümer des Gebäudes.

Leonberg - An einem Nachmittag, nur wenige Tage nach der auf einem Plakat angekündigten „Closing Party“, stehen die Türen von Leonbergs einziger Discothek weit offen. Die Lichtmaschine wirft bunte Lichtreflexe auf den Boden. So, wie sie es im normalen Abendbetrieb immer tut. Stühle sind aufgestellt, die Tanzfläche bereits säuberlich gereinigt. Alles scheint vorbereitet für die berühmt-berüchtigte 99-Cent-Party am Abend, so wie immer.

Nur Personal ist keines zu sehen. Die Tür zum Büroraum steht ebenfalls offen, vom Geschäftsführer fehlt jedoch jegliche Spur. Diese Geisterhausatmosphäre findet sich ebenfalls auf der Internetseite der Dis­cothek. Wo ansonsten das Wochenprogramm angekündigt wird, klafft nur eine leere Seite, nichts lässt sich anklicken. Viele Leonberger stellen sich zurzeit daher die Frage: Werden die Türen der Nachtschicht dieses Mal wirklich für immer geschlossen?

Etwas Klarheit verschafft die Sprecherin der Immobilienverwaltungsgesellschaft Concipio GmbH, Claudia Gerum. Die Firma vermietet die Räume, die von den Disco-Betreibern gepachtet sind. Sie erklärt, der Mietvertrag sei ausgelaufen.

Das liege aber nicht an Problemen mit dem Tanzlokal. „Das Mietverhältnis lief immer reibungslos. Wir hatten in dieser Hinsicht absolut keine Probleme mit unseren Mietern von der Nachtschicht Leonberg“, erklärt sie. Wer der Nachmieter sein soll, das sei noch nicht entschieden.

Eines stehe allerdings fest: „Eine Discothek wird es mit größter Wahrscheinlichkeit nicht sein.“ Es müsse darauf geachtet werden, dass die Flächen auch so vermietet werden, dass sie sich in die Umgebung einfügen. „Eine Discothek passt gegebenenfalls nicht mehr zum Haus“, so die Sprecherin der Immobilienverwaltungsgesellschaft. Damit scheint das Leonberger Tanzstadl endgültig Geschichte zu sein. Dabei hat es mittlerweile einen Bekanntheitsgrad erreicht, der über die Stadtgrenzen hinaus reicht. Im Altkreis Leonberg ist die Nachtschicht ebenso ein Begriff wie das Leo-Center oder der Schwarze Adler. Nicht nur positiv, immer wieder wurden Schlägereien vor und in der Disco gemeldet.

Der Betreiber ist nicht erreichbar

Aber selbst wer nicht regelmäßiger Discogänger ist, kennt die „Nachtschicht“. Auf der Facebookseite des Betreibers sind die meisten der Gäste sichtlich überrascht über die plötzliche Schließung. „Closing Party am 1. April?“, fragt etwa Timo Beck, „hört sich eher so an, als hätte jemand seine Marketing-Hausaufgaben nicht gemacht.“ Ernst zu nehmen scheint die endgültige Schließung keiner.

Es wäre ja auch nicht das erste Mal, die Nachtschicht hat in den vergangenen Jahren bereits mehrmals eine Abschiedsparty gefeiert, um dann einige Tage später den Betrieb wieder aufzunehmen. „Die Nachtschicht macht ungefähr zum

zehnten Mal zu“, sagt der Facebook-Nutzer „Ohrfeigen-Baum“. Die Betreiber reagieren auf ihrer Facebookseite mit einem knappen Kommentar: „Nein, es wird wahrscheinlich keine Neueröffnung mehr geben.“

Mehr Informationen gibt es nicht. Überhaupt stellt sich die Suche nach dem Discoleiter als schwieriges Unterfangen dar. Telefon-und E-Mail-Anfragen erbringen keine Stellungnahme. Gastronomen in der Nachbarschaft wirken ebenfalls überrascht. „Ich habe nur über das Internet von einer Closing Party gehört“, sagt eine Angestellte eines naheliegenden Cafés . Die Frage nach dem Warum bleibt offen.

Spielhalle, Lagerhalle oder neue Disco?

Ebenfalls zu klären ist, wer als Nachfolger der Nachtschicht fungieren wird. Auf der Facebookseite der LKZ brodelt die Gerüchteküche. Angeblich soll eine Spielhalle dort einziehen, sobald die Discothek das Feld geräumt hat. Ebenso wird spekuliert, dass das Musik-Pub „Treffbar“ am Marktplatz sich an die Römerstraße verlagern und die ehemaligen Nachtschicht-Räume in Zukunft nutzen soll.

Vermutet wird auch der Einzug einer Maxx2-Discothek nach Sindelfinger Vorbild. Über die Gründe des Eigentümers, den Mietvertrag nicht zu verlängern, kann vorerst nur weiter spekuliert werden. Fakt ist: Leonberg wird wahrscheinlich künftig ohne Mallorca-Feeling und 99-Cent-Partys auskommen müssen.

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