Der FDP-Landeschef Michael Theurer in der liberalen Hochburg Leonberg mit dem örtlichen Vorsitzenden Udo Graßmeyer. Foto: FACTUM-WEISE

Es ist nicht leicht als außerparlamentarische Opposition. Und ziemlich neu für die FDP, wie überhaupt für die Liberalen, die eigentlich jedem Parlament seit 1870 angehört haben. Daher ist der Auftritt des Landeschefs Michael Theurer in der liberalen Hochburg Leonberg ein wichtiges Signal.

Leonberg - Es ist nicht leicht als außerparlamentarische Opposition. Und ziemlich neu für die FDP, wie überhaupt für die Liberalen, die eigentlich jedem Parlament seit 1870 angehört haben. „Es gibt weniger Aufmerksamkeit in den Medien“, hat der FDP-Landeschef Michael Theurer beim Neujahrsempfang im Leonberger Stadtmuseum festgestellt. Dennoch, 300 neue Mitglieder im Land, und auch einige in Leonberg, wo mit 54 Mitgliedern der größte Stadtverband im Kreis sitzt.

Der Ort ist bewusst gewählt, die Museumsleiterin Kristin Koch-Konz sagt: „Ich freue mich, dass Sie sich hier wohlfühlen.“ Immerhin war das Gebäude früher die Lateinschule von Johannes Kepler und davor gar ein Kloster – Zeit zur Einkehr nach dem Debakel bei der Bundestagswahl.

So versucht es der Leonberger FDP-Chef Udo Graßmeyer mit Lebensweisheiten: „War das alte Jahr erfolgreich, freue ich mich aufs neue. War es schlecht, erst recht.“ Nun denn, der Europaabgeordnete und ehemalige Horber OB Michael Theurer greift den Ball auf und spricht vom „nicht ganz befriedigenden Abschneiden“ der FDP. Später spricht er von einem „bitteren Ergebnis“, es gehe 2017 darum, die parlamentarische Existenz der FDP zu sichern.

Mit unüberhörbarem Honoratiorenschwäbisch, bodenständig und dennoch in feines Tuch gehüllt, ist Theurer direkt aus Straßburg angereist von der Sitzung des Europaparlaments. „Ich erinnere mich noch gut an die Schlagbäume der Europabrücke in Kehl“, sagt er dann. Und zeigt gleich mal die Perspektive auf, die auch der neue Bundesparteichef Christian Lindner vorgegeben hat: Ja zu Europa, aber Kritik am Glühlampenverbot – auch in Abgrenzung der großen Konkurrenz, der „Alternative für Deutschland“ (AfD), die an diesem Abend besser keiner namentlich erwähnen mag.

Rezepte zur Wiederbelebung der Partei

Also, wie kann die FDP wieder auferstehen? Theurer freut sich über die zwar geringere, aber noch bestehende Medienpräsenz bei Parteitagen. Auch wenn die Renninger Sternsinger das Dreikönigstreffen vergessen haben. Aber was ist zwischen diesen jährlichen Treffen? „Wir müssen zu einer Mitmachpartei werden“, wiederholt der 47-Jährige sein Mantra. Und erinnert an die Geschichte der „Demokratischen Volkspartei“ in Württemberg, die 1864 gegründet worden sei. Graswurzeldemokratie sei angesagt, weil die liberale Stimme sonst fehle: „Die Debatten im Bundestag sind ärmer geworden.“

Die große Koalition in Berlin, die „ökosozialistische Opposition“, der Koalitionsvertrag, der Mindestlohn – an diesen Stichworten hangelt sich der Landeschef entlang, um die Partei wieder aufzubauen. Eine Prise Kritik an dem französischen Präsidenten („Wenn ihm anderes noch Zeit zum Regieren lässt“) und die Basis fühlt sich gut unterhalten.

So gibt es danach Häppchen und einen Wein. Der örtliche FDP-Vorsitzende Udo Graßmeyer ist sichtlich gut gelaunt: „Es herrscht tatsächlich eine Aufbruchsstimmung.“ So spüre man gar nicht, dass die Partei nicht mehr im Bundestag vertreten sei. Vielleicht hat der Schock auch heilsame Wirkung, wie bei den Grünen 1990, als die Partei aus dem Bundestag flog. Die Kommunal- und Europawahl im Mai soll der erste Baustein sein für den Neubeginn. Es werden schon fleißig Kandidaten gesucht – damit die Partei lokal sichtbar bleibt.

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