Im Diakonieladen werden die gespendeten Kleider sortiert. Im Moment werden vor allem warme Klamotten benötigt. Foto: factum/Granville

Viele Bürger möchten sich für die Flüchtlinge stark machen, wissen aber nicht, wo und wie sie sich einbringen können. Im Diakonie- und Tafelladen kommen so viele Spenden an, dass die Ehrenamtlichen weitere Helfer brauchen. Auch der Kirchenbezirk stellt sich auf die neuen Aufgaben ein.

Leonberg - Hallo, wir würden gern etwas für Flüchtlingskinder tun“, meldet sich ein LKZ-Leser in der Redaktion. Eine Idee hat er, Mitstreiter auch. Eine Zirkusvorstellung soll es sein, am besten gemeinsam mit heimischen Kindern. Der Zirkus hat bereits zugesagt, ebenso einen Preisnachlass. „An wen kann ich mich da wenden?“

Die Hilfsbereitschaft für Flüchtlinge im Altkreis ist groß. Zumeist erreichen die LKZ-Redaktion Anfragen, wo Kleider, Lebensmittel, Spielzeug oder auch Möbel gespendet werden können. Doch oft wissen die Hilfsbereiten nicht, wer der passende Ansprechpartner ist oder welche Art von Unterstützung gerade benötigt wird.

„Wir haben hier keine Situation wie in München, wo die Menschen auf ihrer Flucht das erste Mal deutschen Boden betreten. Wenn Flüchtlinge hier bei uns ankommen, sind sie erst einmal mit dem Nötigsten versorgt: einem Bett, einem Dach über dem Kopf, Kleidung und Essen“, sagt Thomas Koser-Fischer. Der Pfarrer in der Leonberger Gartenstadt hat ein Willkommensnetzwerk aufgebaut für die Asylbewerber-Unterkunft zwischen Krankenhaus und Berufsschule.

In den meisten Kommunen im Altkreis gibt es mittlerweile solche Unterstützerkreise: die Arbeitskreise Asyl in Leonberg, Renningen, Weil der Stadt oder Heimsheim, das Netzwerk Gartenstadt, der Arbeitskreis Vielfalt Höfingen, der Verein Miteinanderleben im Enzkreis oder der Freundeskreis Flüchtlinge in Rutesheim.

„Die Arbeitskreise Asyl in Leonberg und Weil der Stadt gibt es mittlerweile seit fast 30 Jahren“, berichtet der Dekan Wolfgang Vögele. Viele sind unter dem Dach des evangelischen Kirchenbezirks organisiert, so auch die von der Diakonie geführten Kontakt- und Tafelläden in Leonberg.

Dort werden derzeit so viele Spenden abgegeben, dass die zum großen Teil ehrenamtlichen Mitarbeiter kaum noch hinterher kommen. Aus diesem Grund sucht die Diakonie weitere Helfer, die in beiden Läden ehrenamtlich Aufgaben übernehmen. Diese reichen von der Warenannahme über Sortieren bis hin zum Verkauf oder Transport. Zudem wird für den Tafelladen noch zum 1. Oktober jemand gesucht, der dort ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder einen Bundesfreiwilligendienst absolvieren möchte.

Im den beiden Kleiderläden sowie im Tafelladen können alle Bedürftigen, nicht nur Flüchtlinge, gegen einen kleinen Betrag einkaufen. „Wir wollen keine Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen Flüchtlingen und anderen Hilfebedürftigen“, erklärt Simone Zwicker, die Leiterin der Diakonie im Kirchenbezirk Leonberg. Dass sich die Menschen ihre Sachen selbst kaufen, gehöre auch zur Integration dazu.

Um die ehrenamtliche Hilfe besser zu organisieren, die Ehrenamtlichen aber auch besser unterstützen zu können, will der Kirchenbezirk eine neue Sozialdiakon-Stelle einrichten. „Dieses Modell gibt es bereits im Kirchenbezirk Herrenberg“, sagt Vögele. Für die 50-Prozent-Position fällt im neuen Diakonatsplan eine halbe Diakonatsstelle in den Kirchengemeinden weg. Laut Pfarrplan soll in diesem Bereich ohnehin abgebaut werden.

Der Diakonatsplan ist bereits von der Synode verabschiedet worden. Die neue Stelle gibt es aber erst zum 1. Januar 2017. „Wir wollen diese Stelle schon jetzt schaffen, wenn möglich zum 1. Oktober besetzen. Denn der Bedarf ist da“, sagt der Dekan.

Dazu wurde eine finanzielle Förderung bei der „Aktion Mensch“ beantragt. Sollte dies nicht erfolgreich sein, will der Kirchenbezirk die Finanzierung allein stemmen. „Wir hätten als Kirchen unseren Auftrag verfehlt, wenn wir die Kommunen und den Landkreis in dieser Sache allein lassen würden“, unterstreicht Wolfgang Vögele.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: