Der Standort Leonberg braucht mehr Flächen, findet unser Kolumnist. Foto: LKZ

Leonberg und sein Umland sind mit Global Players und Local Heroes gut aufgestellt, aber die Stadt braucht dringend neue Gewerbeflächen wie den Längelbühl. Denn die Gewerbebetriebe brauchen dringend Raum für Wachstum, findet der „Leonberger Blickwinkel“.

Leonberg - René Staud ist immer für einen flotten Spruch gut. So hat er Leonberg beim Unternehmertag der Stadt am Mittwoch auf einer Achse mit Los Angeles, Moskau und Shanghai verortet. Ein Vergleich, der selbst den Oberbürgermeister Bernhard Schuler überrascht hat, der unser Städtle allenfalls als Drehscheibe von Baden-Württemberg wahrnimmt.

Bleiben wir realistisch. Was zeichnet den Standort L aus? Zur Realität gehört zunächst, dass dazu auch der Altkreis gehört. Ganz vorne steht neben der Autobahnanbindung und dem urbanen Umfeld natürlich die wohl bundesweit einmalige Ballung von Automobilkompetenz, die sozusagen einen innovativen Ring rund um Leonberg bildet. Von Bosch in Renningen und Porsche in Weissach und Zuffenhausen bis zu Daimler in Sindelfingen und dem IT-Cluster in Böblingen verläuft in konzentrischen Kreisen ein dichter Kranz an Mittelständlern und Hidden Champions, die mit dem Heilix Blechle gutes Geld verdienen.

Von Porsche-Veredlern wie Tech-Art in Höfingen oder Gemballa im Hertich bis zu Automodelldesignern wie dem Höfinger Ralph Kurtz, und eben René Staud als selbstbewusster Fotograf und Werbeprofi mit dem Hang zu schnellen Autos. Dazu gestandene Familienbetriebe aus anderen Branchen wie Geze oder der Küchenvermarkter Ernst-Martin Schaible, und eine kaum noch überschaubare Zahl von kleinen Firmen als Rückgrat der Wirtschaftskraft. Nicht zuletzt liegt der Landkreis im Innovationsranking wieder auf Platz eins im baden-württembergischen Vergleich.

Ein starker Standort im Kranz um die Autobranche

All diese Akteure sind durch gute Netzwerke wie den BdS oder das LBN eng verbunden. Das überdurchschnittliche Einkommensniveau in der Stadt ist der Ausfluss dieser starken Altkreisökonomie. Verbessert werden muss aber noch der Zusammenhalt in der Stadt, vor allem beim Einzelhandel. Zu sehr sollte nicht in Stadtteil- oder Ober- und Unterstadtkategorien verharrt werden. Denn die Konkurrenz ist groß und wird durch die umstrittene Breuningerland-Erweiterung weiter angefüttert.

Ein Problem bleibt eklatant: Während im Einzelhandel eher zu viele Flächen leer stehen, sind diese für das industrielle Gewerbe zu knapp im Stadtgebiet. So sind viele Unternehmen in die Nachbarorte abgewandert, was zwar erfreulich für Rutesheim oder Renningen ist, aber die Leitfunktion von Leonberg als Mittelzentrum schwächt. Denn das ist die Krux aller Überlegungen zum Altkreisbewusstsein: Es braucht eine dynamische Peripherie, aber auch eine Lokomotive im Zentrum.

Deswegen benötigt Leonberg dringend neue Gewerbeflächen und eine aktivere Wirtschaftsförderung, die Investoren begleitet und ihnen Pfade durch den Dschungel der Bürokratie schlägt. Deswegen führt wohl kein Weg am Längenbühl vorbei, die aktuellen und künftigen Anwohner im Ezach müssen allerdings wirksam vor Lärm und Verkehr geschützt werden. Die Auswahl an Flächen ist begrenzt, viele der oben beschriebenen Innovationsträger lechzen nach Flächen zur Expansion. Und die eine oder andere Neuansiedlung würde das Bild der erfolgreichen Wirtschaftsstadt mit dem LEO durchaus positiv abrunden.

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