Mathematik ist für Niklas Maier kein Buch mit sieben Siegeln. Foto:  

Die Ferien sind vorbei. Neue Schule, neue Klasse – da sind nicht nur Kinder und Jugendliche nervös. Auch Junglehrer wie Niklas Maier fangen heute an. Er unterrichtet jetzt an der Gerhart-Hauptmann-Realschule Mathematik, Sport und Technik.

Leonberg - Noch sind die Stühle im Klassenzimmer hochgestellt. „Viel Spaß in den Sommerferien“ steht an der Tafel, die anscheinend seit sechs Wochen nicht mehr abgewischt wurde. Kein Wunder, immerhin war ja auch schulfrei. Doch damit ist es heute vorbei. Neues Schuljahr, neue Schule, neue Klasse – da stehen nicht nur die Schüler unter Spannung.

Auch Niklas Maier hat an diesem Montag seinen ersten Tag. Nicht als Schüler, sonder als Lehrer an der Gerhart-Hauptmann-Realschule. Der 29-Jährige tritt in Leonberg seine erste richtige Lehrerstelle in Baden-Württemberg an. „Ich bin schon aufgeregt. Immerhin kenne ich die Kinder noch nicht. Und im Schulhaus finde ich mich auch noch nicht hundertprozentig zurecht“, gibt er zu.

Zumindest Leonberg kennt er schon. „Ich habe mein Referendariat an der Ostertag-Realschule gemacht. Es ist schön, dass es mit der Stelle an der GHR geklappt hat“, meint der Junglehrer, der an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg studiert hat. Doch zwischen den beiden Leonberger Stellen liegen drei Jahre.

Die hat er gemeinsam mit seiner Frau in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten verbracht. Beide unterrichteten dort an der deutschen internationalen Schule. Eine interessante Erfahrung, wie Maier sagt. „Das war ein ganz anderes Schulleben. Alles war viel kleiner, ich habe von der fünften bis zur zehnten alle Klasse unterrichtet“, erzählt der 29-Jährige.

Jeder habe jeden gekannt. Aber auch der Austausch mit anderen Kulturen sei interessant gewesen. Wobei sie tatsächlich sehr wenig Kontakt mit den Einheimischen, den so genannten „Emiratis“ gehabt hätten. „Wir haben am Anfang gedacht, wir lernen hier sehr schnell Arabisch. Aber das haben wir gar nicht gebraucht. 80 Prozent der Leute in den Emiraten sprechen die Sprache nämlich gar nicht“, erklärt er. Denn das seien genau wie er und seine Frau vor allem Menschen, die zum Arbeiten an den Persischen Golf gekommen sind.

Als im Januar dann Tochter Paula zur Welt kam, entschied die junge Familie, in heimische Gefilde zurückzukehren. „Wir haben beide großes Glück gehabt, gleich eine verbeamtete Stelle in Baden-Württemberg zu finden“, sagt der Junglehrer mit Blick auf einige Kollegen, die erfolglos waren oder sich mit befristeten Verträgen herumschlagen (siehe nebenstehender Text). Am Freitagmorgen war er zur Vereidigung der neuen Lehrer in Böblingen. „Da waren wir gerade mal 79 Neue für den Kreis Böblingen. Und das für alle Schulformen. Das ist schon sehr wenig.“ Seine Frau arbeitet künftig in Teilzeit an der Gesamtschule Weissach. Nun wohnt die junge Familie in Heimsheim. „Da haben wir leider kein Leo-Kennzeichen“, bedauert Niklas Maier schmunzelnd.

Am ersten Schultag steht für ihn vor allem das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund. Die ersten Unterrichtsstunden verbringt er mit „seiner“ 7b, deren Klassenlehrer er nun ist. „Das ist ein sehr interessantes Alter: Da passiert sehr viel mit den Kindern, sie verändern sich stark.“ Viel Organisatorisches steht zunächst auf dem Programm, aber auch Kennenlernspiele und die Wünsche und Erwartungen der Schüler. Zum Beispiel betreut Maier als Klassenlehrer das Projekt im Fachgebiet Wirtschaft-Verwaltung-Recht, das seine Klasse in diesem Schuljahr macht.

„Da werden die Kinder eigenständig ein Thema oder eine Veranstaltung aussuchen und von A bis Z alles planen“, erklärt der gebürtige Heidenheimer, der Mathematik, Technik und Sport unterrichtet. „Ich freue mich unheimlich, dass in Baden-Württemberg auch Trendsportarten Bestandteil des Lehrplans sind.“ Von seinen neuen Kollegen hat Niklas Maier bisher einen sehr guten Eindruck. Er fühle sich unheimlich gut aufgenommen, sie hätten seine unendlich vielen Fragen immer beantwortet – sogar aus dem eigenen Urlaub. Es sei einfach sehr viel Neues, was da jetzt auf ihn einprassele.

„Mir sind die Kinder ganz wichtig. Ich will ein konsequenter, aber trotzdem freundlicher Lehrer sein“, umschreibt er seine Philosophie. Respekt wolle er sich nicht mit Strafen verschaffen, sondern mit Verständnis. „Man muss offen und ehrlich sein, dann danken das einem die Kinder auch.“ Das kann er dann jetzt im Schulalltag beweisen.

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