Wer wohl diesen schönen Ausblick vom Rathaus-Neubau auf die Altstadt von 2017 an genießen darf? Foto: factum/Granville

Vier von sechs Etagen stehen bereits, die Baustelle liegt dank der guten Witterung bestens im Zeitplan. Der Oberbürgermeister Bernhard Schuler erkundet mit den Stadträten das neue Domizil.

Leonberg - Es wächst und gedeiht prächtig, auch wenn es noch etwas mager daherkommt: das neueste Leonberger Rathaus. Sitze der Stadtverwaltung gibt es in Leonberg reichlich. Doch meistens sind sie historischer Art und den Anforderungen einer modernen Verwaltung nicht mehr gewachsen. Angefangen bei den jetzigen Ortschaftsverwaltungen in Höfingen und Warmbronn, über das erste Rathaus am Markt (jetzt Deutsche Bank), das historische Rathaus ebenfalls auf dem Marktplatz (mit Bürger-, Ordnungs- und Standesamt) bis hin zum Alten Rathaus in Eltingen. Nicht zu vergessen das aktuelle „Neue Rathaus“, das seine Karriere als Landratsamt begann.

Auch dieses ist den Ansprüchen nicht mehr gewachsen. Die technische Ausstattung reicht nicht mehr, der Brandschutz ist nicht länger gewährleistet nach neuesten Anforderungen. Nach einem langwierigen Entscheidungsprozess (siehe Chronik links) gibt es jetzt ein neues – das Neueste eben. Und da so etwas nicht alle Tage vorkommt, sind die Gemeinderäte zahlreich der Einladung des Oberbürgermeisters gefolgt, die rasant wachsende Baustelle zu besichtigen, die sich direkt vor dem bisherigen Gebäude befindet. Tiefgarage und Parkdeck stehen schon, ebenso die ersten drei Stockwerke. „Die vierte Etage soll bis Weihnachten fertig sein, die fünfte dann Ende Januar“, informiert Bernhard Schuler, und die Stadträte staunen nicht schlecht. „Man muss sich das mal überlegen, mit dem Bau wurde erst im Juni begonnen“, fügt er hinzu.

„Der Ratssaal sieht nur im Rohbau so klein aus“

Durch den früheren Haupteingang des grauen Kastens geht es auf die Baustelle. Und gleich in den wichtigsten Raum für die Gemeinderäte: den künftigen Ratssaal. „Erschrecken Sie nicht. Der sieht nur im Rohbau so klein aus. Tatsächlich ist er größer als der vorherige Plenarsaal“, versichert der OB, der die kleine Gruppe ohne den erkrankten Baubürgermeister führen muss. Neben dem zukünftigen Haupteingang zieht das Stadtmarketing ein und wird auch als Anlaufstelle für Besucher dienen. Das Atrium, ein hoher lichtdurchfluteter Raum mit einem Glasdach, erlaubt einen guten Blick auf die drei Gebäudeteile. Stockwerk für Stockwerk geht es nach oben. Während einige Gemeinderäte schon untereinander ausmachen, wer welchen Blick aus dem Fraktionszimmer genießen darf – zur Auswahl stehen Altstadt im Norden, Hallenbad und Sauna im Osten, Römergalerie im Süden und die Schulen im Westen – greifen andere zum Smartphone und schießen fleißig Fotos.

Die Baustelle liegt gut im Zeitplan

Rund 40 Arbeiter sind täglich im Rohbau am Werk. Dank des trockenen und frostfreien Wetters liegt die Baustelle gut im Zeitplan. Vom 21. Dezember bis 11. Januar wird es jedoch ruhig. Das Generalunternehmen Wolff & Müller macht Betriebsferien. Bis Weihnachten 2016 soll der gesamte Bau fertiggestellt sein, damit im Januar die Stadtverwaltung mit dem Umzug beginnen kann.

Bis dahin ist aber auch der Gemeinderat noch einmal gefragt. Über verschiedene Arbeiten muss erst noch entschieden werden, etwa über die Gestaltung des Ratssaals oder darüber, ob eine Fotovoltaik-Anlage auf das Dach kommt.

Chronik des Rathaus-Neubaus

Winter 2013
Zu Beginn des Jahres steht endgültig fest: Aus technischen und Brandschutzgründen kann das 1961 als Landratsamt errichtete Neue Rathaus nur noch bis Februar 2017 genutzt werden – und das auch nur, wenn sofort 400 000 Euro investiert werden. Für einen Neubau werden bis zu 25 Millionen Euro kalkuliert, für eine Sanierung 14 und für eine Sanierung mit Erweiterung 19 Millionen Euro. Am Ende entscheidet sich der Gemeinderat für den Neubau, auch weil alle Ämter unter das gleiche Dach kommen sollen.

Frühjahr 2013
Die Standortsuche beginnt: Belforter Platz, Postgelände oder obere Bahnhofstraße? Die Post wäre erst ab 2020 frei, der Platz in der Bahnhofstraße reicht nicht und ist für den Brückenschlag vorgesehen.

Herbst 2013
Die Stadtverwaltung präsentiert vier Varianten für eine Verteilung der Ämter auf den Neubau und das Alte Rathaus am Marktplatz. Die von der Verwaltung favorisierte Variante mit einem Anbau am historischen Gebäude und i-Punkt am Marktplatz fällt beim Gemeinderat durch. Am Marktplatz bleibt alles wie bisher, der Rest kommt in den Neubau.

2014
Das Projekt wird im Januar für ein Generalunternehmen ausgeschrieben, im April tagt die Jury. Im Juli wird eine Rangfolgenliste präsentiert. Die Wahl fällt auf Wolff & Müller. Im Dezember wird der Vertrag unterschrieben.

2015
Im Mai wird es schließlich ernst. Zunächst werden die Bäume gefällt und Sträucher entfernt, dann der Sitzungssaal abgerissen. Ende Juni wird der symbolische erste Spatenstich gesetzt.

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